Gründer in grünen Warnwesten

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Erinnerungen an bewegte Gründerjahre der Grünen in Rodgau :Ed Sommer ,Veit Schameitat,Dieter RuckriegelundKlaus Möller (von links) im Gespräch mit Winno Sahm (rechts).

Nieder-Roden - (eh) Ganz ohne Festreden, Grußworte und Ehrenurkunden feierten Bündnis 90/Die Grünen in Rodgau das 25-jährige Bestehen ihres Ortsverbandes - übrigens fast auf den Tag genau. Am 30. Mai 1984 hatten sie in einer Weinstube ihre Satzung beschlossen und ihren ersten Vorstand gewählt.

Mitglieder der ersten Stunde waren durch grüne Warnwesten zu erkennen. Da gab es ein Wiedersehen mit Dieter Ruckriegel (früher Stadtverordneter), Klaus Möller (früher ehrenamtlicher Stadtrat), Eckhard von der Lühe (jetzt in Rödermark) und anderen. Allerdings reichten die Westen nicht für alle. „Gebt mir auch eine“, bat Ed Sommer vergebens, doch er musste mit einem T-Shirt vorlieb nehmen. Auch Fraktionsvorsitzender Winno Sahm trug keine Warnweste: 1984 war er noch in der SPD .

Ein buntes politisches Spektrum tummelte sich bei der Grünen-Geburtstagsfeier im kleinen Saal des Bürgerhauses Nieder-Roden. Ebenso bunt war auch die Liste derer, die Winno Sahm zum Frage-Antwort-Spiel auf die Bühne bat: Zwei Bürgermeister (Schwab, Kern) neben Yunus Arslan vom Kinder- und Jugendbeirat oder Frauenpower mit Anette Schweikart-Paul ( CDU ), Sabine Fischer (Stadt-Personalrat) und Sawsan Charrour (Ausländerbeirat). In einer Männerrunde plauderten politische Ex-Freunde wie Dr. Bernhard Knaf ( CDU ) und Hermann Jäger ( CSG ) gemeinsam mit Bürgermeisterkandidat Jürgen Hoffmann ( SPD ) und Göksal Arslan (Ausländerbeirat).

Da waren manche Dinge zu hören, die man nicht aufs Wahlplakat schreibt, etwa die Tatsache, dass Rodgaus CDU-Vorsitzender Dr. Knaf in jungen Jahren mal Jungsozialist war. Der Öko-Partei zollte er Respekt: „Es war gut, dass sich die Grünen gegründet haben. Es hat uns Etablierten geholfen, manches zu reflektieren und zu überdenken.“ Stadtverordnetenvorsteherin Anette Schweikart-Paul, die in der Hochschule St. Georgen arbeitet, fand Gemeinsamkeiten zwischen Jesuiten und Grünen: „Auch Jesuiten sind ständig die Aufmüpfigen und sie sind die Vordenker.“ Der Neubau der Hochschule sei übrigens mit neuester Öko- und Klimaschutztechnik ausgestattet.

Grünen-Bundestagskandidat Dr. Thomas Rehahn , der sich „in einer schwachen Minute“ zur aussichtslosen Direktkandidatur überreden ließ, lüftete das Geheimnis, wie er sich in seinem Wahlkreis über lokale Details zu informieren pflegt: „Ich frage immer fünf Minuten vor der Veranstaltung: Wer kennt sich hier aus?“

An alte Zeiten erinnerten die Träger der grünen Warnwesten. So hatte Dieter Ruckriegel als Stadtverordneter mitgeholfen, in einer Art bürgerlichem Ungehorsam gemeinsam mit Vertretern der etablierten Parteien einen gesperrten Neubauabschnitt der Rodgau-Ringstraße vorzeitig zu eröffnen - ein Affront gegen die „Fundis“ im eigenen Lager. Klaus Möller erzählte eine Anekdote aus der Gründerzeit des Ortsverbandes, als der damalige Bürgermeister Paul Scherer ( CDU ) die Rathaus-Fraktionen ermahnte: „Ihr seid ja grüner als die Grünen!“ Möller: „Da wussten wir, jetzt kommen wir bald ins Parlament.“ Auch Veit Schameitat, der „Drei-Tage-Stadtrat“ von 1990, wurde mit freundlichem Applaus begrüßt. Er würdigte Rodgau als familiäre Kleinstadt mit guter Anbindung an den großstädtischen Ballungsraum.

Als „wohl angenehmste Bürger-Aktivität, die wir heute Abend bieten können“, kündigte Winno Sahm den Sänger Björn Bürger an, der Rio-Reiser-Songs zum Besten gab: Vom „Rauch-Haus-Song“ aus der Zeit der Hausbesetzer bis zur Liebesballade „Für immer und dich“.

Die Grußworte der Bundesprominenz liefen derweil im Bürgerhausfoyer fast unbeachtet über die Leinwand. Rodgaus Grünen-Vorsitzender Werner Kremeier hatte sie beim Bundesparteitag eigenhändig auf Video aufgenommen: „Zehn Leute in acht Minuten.“ Auch daran kann sich so mancher Festredner ein Beispiel nehmen.

Quelle: op-online.de

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