Rodgauer sortieren seit fünf Jahren

Grüne Tonne ist längst etabliert

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Essensreste, faule Äpfel und Teebeutel fliegen in die Biotonne: Besser ist es, die Bioabfälle zuvor in Zeitungspapier einzuwickeln.

Rodgau - Biotonnen für organische Abfälle werden bundesweit aufgestellt. Rodgau hat damit schon fünf Jahre Erfahrung. Nach anfänglichen Aufregungen läuft das System rund. Nur noch 54 Prozent der häuslichen Abfälle landen direkt in der Müllverbrennung. Von Ekkehard Wolf 

Die Biotonne ist in Rodgau kostenlos. Mit diesem Trick sorgte die Stadt von Anfang an für eine hohe Akzeptanz. Natürlich kostet auch die Entsorgung von Bioabfällen Geld. Diese Kosten werden jedoch auf die allgemeinen Müllgebühren umgelegt. Wer auf eine Biotonne verzichtet, zahlt also drauf. Anfang 2009 führte die Stadt Rodgau nicht nur die Biotonnen ein, sondern krempelte die komplette Abfallwirtschaft um. Die Müllabfuhr leert seither die Restmüll- und die Biotonnen im wöchentlichen Wechsel. Die Behälter sind gekennzeichnet: Jede Abfuhr wird elektronisch gezählt. Wer die graue Restmülltonne seltener an die Straße stellt, spart bares Geld. Zehn Leerungen pro Jahr sind in der Mindestgebühr inbegriffen. Die meisten Haushalte versuchten damit auszukommen, berichtet die Stadt auf Anfrage. Genaue Zahlen nennt sie aber nicht. Der Erfolg: Die Rodgauer liefern viel weniger Restmüll ab. Gleichzeitig steigt die Menge an Bioabfällen - seit 2009 von 2832 auf 3573 Tonnen im Jahr. Zum Vergleich: 2013 sammelte die Müllabfuhr 4 161 Tonnen Restmüll ein. Die Bürger warfen also 46 Prozent ihrer Abfälle in die grünen Tonnen.

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Zoff um die Biotonne

Mit 83 Kilogramm Bioabfall pro Einwohner (2013) liegt Rodgau knapp über dem Landesdurchschnitt. Damit steht Rodgau viel besser da als die Großstadt Offenbach. Dort lässt die Akzeptanz der Biotonne noch zu wünschen übrig, wie unsere Zeitung Anfang Juli berichtete. Allerdings gibt es Biotonnen dort auch erst seit vier Monaten und nicht seit fünf Jahren. Ständig steigende Kosten der Müllverbrennung hatten die Stadt Rodgau zum Handeln veranlasst. Nachdem die Rhein-Main-Abfall GmbH (RMA) zwei Mal hintereinander die Preise erhöht hatte, begann Rodgau nach neuen Wegen zu suchen. „Wenn das so weitergeht, ist es nicht mehr bezahlbar“, hieß es im Rathaus. Heute kostet die Verbrennung des Restmülls im Müllheizkraftwerk 239,50 Euro pro 1 00 Kilogramm. Für Bioabfall bezahlt Rodgau hingegen nur 52,98 Euro. Allein im vergangenen Jahr bedeutete das eine Ersparnis von 666.000 Euro. Der Biomüll wird in der Region verwertet. Die Rhein-Main-Biokompost GmbH (RMB) in Frankfurt-Fechenheim erzeugt daraus Kompost und Biogas.

14.000 Restmülltonnen und 8614 Biotonnen

In Rodgau stehen ziemlich genau 14.000 Restmülltonnen und -container. Dazu kommen noch 8614 Biotonnen. Während es beim Restmüll sechs verschiedene Behältergrößen gibt, beschränkt sich Bio auf zwei Formate: 120 und 240 Liter. Neun von zehn grünen Tonnen haben die Standardgröße von 120 Liter. Nur selten ist ein Tausch vonnöten. Von den rund 1000 An-, Ab- und Ummeldungen pro Jahr entfallen die meisten auf Restmülltonnen. Die Umstellung der Abfallwirtschaft war das größte Projekt in der Amtszeit der damaligen Ersten Stadträtin Hildegard Ripper (CDU). Innerhalb weniger Wochen mussten rund 22.000 Müllbehälter ausgeliefert werden. Pannen blieben dabei nicht aus. Noch nach fünf Monaten warteten etliche Bürger auf ihre Biotonnen. Auch falsch gelieferte Restmülltonnen waren noch nicht überall ausgetauscht. Für unnötigen Stress sorgte die Tatsache, dass die Stadtverwaltung auf Weisung ihrer Chefetage zunächst die falschen Tonnengrößen bestellt hatte. Die Bürger stimmten mit dem Geldbeutel ab. Statt der dicken 120-Liter-Restmülltonne, die die Erste Stadträtin als Standard vorschreiben wollte, bevorzugten sie die kleinste Größe.

Die 60-Liter-Tonne ist nach wie vor das beliebteste Modell: 6071 Stück sind derzeit in Gebrauch – Rodgau ist eben eine ländliche Gegend mit vielen Einfamilienhäusern. Den zweiten und dritten Platz belegen die Größen 120 Liter (3915 Stück) und 80 Liter (3148 Stück). Heute geht die Stadt davon aus, dass jeder Einwohner mindestens drei Liter Restmüll pro Woche produziert. Daran bemisst sich die Größe der Mülltonnen. Nach der Fehlkalkulation vor dem Start und den Erfahrungen der ersten beiden Jahre musste die Stadt Rodgau zweimal nachbessern: zum 1. April 2010 und zum Jahresanfang 2011. Die Abfallgebühren stiegen im Einzelfall um bis zu 45 Prozent. Andererseits kommen 551 Kleinsthaushalte besser weg: Weil dort nur ein bis drei Personen auf dem Grundstück leben, müssen sie nur vier, sechs oder acht Mindestleerungen pro Jahr bezahlen. Eine Sonderregelung gilt auch für Windelkinder sowie Stomapatienten und Erwachsene mit Inkontinenz: Weil bei ihnen naturgemäß mehr Restmüll anfällt, können sie bis zu 13 Müllsäcke pro Jahr zum reduzierten Preis erwerben. Zusätzlich steht ein Windelcontainer auf dem Recyclinghof. Er wird rege genutzt.

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Seit 2011 sind die Abfallgebühren so reichlich kalkuliert, dass die Stadtwerke damit einen Überschuss erwirtschaften. Deshalb müssen die Rodgauer Bürger trotz höherer Bio-Verwertungskosten ab 2015 vorerst nicht mehr bezahlen. Das finanzielle Polster erlaubt sogar eine Erweiterung der Kompostierungsanlage und des Recyclinghofs. Dass Stadtparlament hat beide Vorhaben abgesegnet. Übrigens: Maden in der Biotonne oder üble Gerüche sind nach anfänglichen Aufregungen kein Thema mehr. Beschwerden über Geruchsbelästigungen verzeichnet die Stadtverwaltung nur noch „sehr selten“.

Quelle: op-online.de

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