Gütesiegel bringt höhere Preise

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Mit der Kluppe misst Förster Peter Bangert den Durchmesser eines gefällten Baumstamms.

Rodgau (pul) ‐ Dem ein oder anderen Spaziergänger dürfte es schon aufgefallen sein: An so manchem Rodgauer Baum, wie beispielsweise am Nieder-Röder Eicheleck, prangt ein grün-weißes Schild mit dem Schwarzspecht auf der linken Seite.

Dieser Wald ist anders - nachhaltig bewirtschaftet und zertifiziert“, heißt es da. As Schild verweist auf ein Zertifikat, das der Rodgauer Wald Anfang des Jahrtausends ausgestellt bekam.

Heutzutage erhält selbst der Wald seine Urkunde. Allerdings nur, wenn sich die Bewirtschaftung des Forstes an den Beschlüssen der Ministerkonferenz in Helsinki aus dem Jahr 1993 orientiert. Damals stand der Schutz der Wälder auf der Tagesordnung. Die dort erarbeiteten Punkte wie „Bewahrung der biologischen Vielfalt“ oder „Erhaltung der forstwirtschaftlichen Ressourcen“ erforderten Nachweise über die Umsetzung in der Praxis. Die Zertifizierung war geboren, um den Vertrieb von Holz aus umstrittenen Quellen (zum Beispiel aus Schutzgebieten) zu verhindern.

Zwei Drittel aller bundesdeutschen Waldflächen sind mit dem PEFC-Gütesiegel (Programm zur Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen) ausgezeichnet, wie Forstamtsleiter Kurt Schäfer weiß. Bei der täglichen Arbeit im Forst entsteht durch diese Anerkennung kein Mehraufwand, wie er und Förster Peter Bangert unisono berichten. Ohnehin wird nur so viel Holz geschlagen, wie nachwächst, das Forstamt vermeidet Kahlschläge und verzichtet auf Gift und Düngung im Wald - von seltenen Sondersituationen abgesehen.

Absatzchancen für das geerntete Holz erhöhen sich

Mehr Informationen gibt es auf den Internetseiten von PEFC Deutschland und FSC Deutschland.

Zum Positiven verändert hat sich seit der Zertifizierung so einiges im Rodgauer Forst. Die Maschinenmotoren laufen ausschließlich mit Bioöl und bei den gut und gerne zehn Tonnen schweren Erntemaschinen (Harvester) wird die Bodenverdichtung deutlich reduziert: Die Reifen sind mit Wasser gefüllt, die Achsstellung ist mit Rücksicht auf den Boden optimiert.

Darüber hinaus erhöhen sich die Absatzchancen für das geerntete Holz, denn etliche Kunden nehmen nur Material aus zertifizierter Forstwirtschaft.

Das Holz aus dem Stadtwald trägt das PEFC-Siegel für nachhaltige Forstwirtschaft.

Bedingt durch die wirtschaftliche Schwäche ist allerdings auch der Holzabsatz der Stadt Rodgau zurückgegangen. Der Preisverfall von 2008 dürfte im Jahr 2010 etwa zur Hälfte wieder aufgeholt werden, hofft das Forstamt. Diese Annahme ist auch eine Grundlage des aktuellen Waldwirtschaftsplans. Demnach sollen 2010 durch Holzverkauf fast 320 000 Euro in die Stadtkasse fließen. Dieser Betrag deckt den Aufwand nicht ganz: Die Stadt zahlt beim Wald 22 938 Euro drauf. Allerdings sinkt der Zuschussbedarf seit Jahren, so dass bei höheren Holzpreisen in den nächsten Jahren mit einer „schwarzen Null“ gerechnet werden kann.

Fakten

  • Die Forstzertifizierung nach PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) bestätigt nachhaltige Forstwirtschaft. Bundesweit sind zwei Drittel der Wälder (7,2 Millionen Hektar) PEFC-zertifiziert, weltweit 200 Millionen Hektar.
  • Nicht so weit verbreitet ist das strengere Zertifizierungssystem FSC. Während PEFC ganze Regionen zertifiziert, prüft FSC vor der Zertifizierung jeden einzelnen Forstbetrieb. Nur FSC prüft vor Ort. Bundesweit ist etwa fünf Prozent der Waldfläche (rund 600 000 Hektar) FSC-zertifiziert.
  • Die Stadt Rodgau bevorzugt beim Kauf von Holzprodukten bei vergleichbaren Preisen solche mit FSC-Zertifizierung, wie das Stadtparlament im Dezember 2008 beschlossen hat.

Quelle: op-online.de

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