Reiner Uhl repariert den Gugi-Brunnen

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Mit dem Schweißgerät macht der Künstler dem kleinen Portefeller den bronzenen Hosenboden heiß.

Jügesheim (eh) - Manche mögen’s heiß: Mit dem Schweißgerät hat Bildhauer Reiner Uhl (Frankfurt) gestern einer Bronzefigur gehörig eingeheizt. Der etwa 30 Zentimeter hohe Portefeller hatte sich vom Gugi-Brunnen am Rathaus gelöst.

Doch nach rund einer Stunde musste der Künstler den Reparaturversuch aufgeben, weil er nicht den passenden Schweißdraht dabei hatte. Der Portefeller wird nun erst nächste Woche angeschweißt. Bis dahin liegt er sicher in einem Raum im Rathaus.

Da passt er hin: Reiner Uhl setzt den Portefeller an seinen Platz.

Reiner Uhl hat den Gugi-Brunnen 1999 im Auftrag der Firma Mewa Textilservice gestaltet. Er nennt ihn einen „Erzählbrunnen“. Auf einem Metallkreis, der den Kreislauf des Lebens symbolisiert, finden sich viele typische Elemente der Jügesheimer Geschichte: Wasserturm und Kirche, ein Krämerladen („Kremer Laore“), mobile Geschirrhändler, die Auenlandschaft an der Rodau, Blasmusiker, Tratschweiber - und eben auch die Strohflechter und Portefeller. Etwas abseits sitzt der Gugi, dessen Gesicht an einen bekannten Jügesheimer erinnert. Im Sommer bekommt der Gugi manchen Wasserspritzer ab.

„Da hatten wir ein bisschen Waldsterben“

Dank des ungeheuren Detailreichtums kann man als Betrachter auch beim x-ten Mal noch etwas Neues entdecken, etwa Pilze im Wald oder die kleinen Autos in der Stadt. Auf dem Geschirrkarren der „Dippeleut’“ kann man die einzelnen Töpfe voneinander unterscheiden.

Der filigrane Kunstguss hat seinen Preis: Er erfordert ab und zu kleinere Reparaturen. Der Lederarbeiter ist nicht die erste Figur, die sich im Lauf der Jahre gelockert hat. Auch ein paar Bäume im Wald sind abgebrochen. „Da hatten wir ein bisschen Waldsterben“, erzählt Reiner Uhl, der die Bäume gerne wieder „aufforsten“ würde - wenn jemand die Kosten dafür übernimmt.

Abgesehen von solch bescheidenen Blessuren hat sich die Brunnenplastik seit 22 Jahren als sehr stabil erwiesen. Bronze sei eben ein Material für die Ewigkeit, sagt der 61-jährige Bildhauer: „Die Etrusker haben es uns vorgemacht.“

Quelle: op-online.de

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