17-Jährige spendet Hälfte ihrer Haarpracht

Aktion „Rapunzel“ unterstützt junge Krebspatienten

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Gleich fällt die Mähne: Die 17-jährige Mara aus Dudenhofen hat sich entschlossen, ihre Haare für einen guten Zweck zu spenden.

Dudenhofen - Alte Zöpfe abschneiden - im Friseursalon von Roger Keil in Dudenhofen bekommt die gern strapazierte Redewendung in diesen Tagen eine konkrete Bedeutung.

Wieder einmal sammelt der Meister langes Frauenhaar für die Versteigerung, die der Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten (BZV) im April plant. Mit dem Erlös will der Verband krebskranken Kindern helfen. Mit sichtlich gemischten Gefühlen harrt Mara Quell der Dinge, die auf sie zukommen. Den Entschluss, sich von ihrer hüftlangen, mittelblonden Haarpracht zu trennen, hat die 17-jährige Dudenhöferin schon vor einiger Zeit gefasst. Inspiriert hat sie eine Freundin, die das Gleiche getan und den Vollzug per Video auf Youtube dokumentiert hat. Allerdings: Ganz kurz schneiden lassen will Mara ihre Haare nicht. Mindestens 30 Zentimeter sollen bleiben, idealerweise als schicke neue Frisur.

Ohne Zopf ist es nicht leicht, lange Haare gerade abzuschneiden.

So sehen sich Roger Keil und seine Mitarbeiterin, die gleich die Schere ansetzen wird, vor einer Herausforderung. Nach Handwerksregeln werden lange Haare, die fallen sollen, vorher zu einem Zopf geflochten. „So ist das leichter zu handhaben“, weiß Keil aus jahrzehntelanger Erfahrung. Als Zöpfe kommen nach seinen Worten die meisten Haarspenden an, die beim BZV im baden-württembergischen Rosenfeld gesammelt werden. Allerdings kommt dabei notwendigerweise eine Kurzhaarfrisur heraus. In Maras Fall muss der Veteran, der früher drei Friseursalons in Dudenhofen, Nieder-Roden und Ober-Roden betrieb, also in die Trickkiste greifen: Mit einem Gummiband werden die langen Haare „abgebunden“, damit ein sauberer Schnitt gelingt.

An der bundesweiten Aktion nach dem Grimm-Märchen „Rapunzel“ betitelt, beteiligt sich der Dudenhöfer Figaro seit dem Start im Jahr 2009 und steuert seinen Teil zum jährlich wachsenden Haarberg teil. Im vergangenen Jahr kamen bundesweit 33 Kilo zusammen, die bei der Auktion für 12.000 Euro den Besitzer wechselten. Wirklich viel scheint das auf den ersten Blick nicht zu sein – aber brauchbarer Rohstoff, der sich zu Echthaarperücken verarbeiten lässt, ist nach Keils Erfahrungen auch rar: „Die Haare dürfen nicht gefärbt, gesträhnt oder sonst chemisch behandelt sein.“ Und längst nicht jede Naturfrisurträgerin sei bereit, ihr Haar zu spenden. Weil Perücken nicht billig seien und ein Echthaarprodukt kaum unter 2000 Euro zu haben sei, herrsche vielfach die Erwartung, dafür Geld zu bekommen. „Aber“, so der Meister, „der Wert steckt nicht im Rohstoff, sondern in der mühseligen Knüpfarbeit.“

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Mit Perücken kennt sich der Friseurmeister so gut aus wie nur wenige seiner Kollegen. Seit rund 20 Jahren hat er sich auf Ersatzhaar spezialisiert. Damit genießt er in der Region einen hervorragenden Ruf. Auf seine Kunst vertrauen besonders Frauen mit schütterem oder sehr dünnem Haar, dem Keil zu neuer Fülle verhilft. Auch Männer lassen sich in seinem Salon am Ende der Straße Im Großen Garten gern kahle Stellen kaschieren. Selbst kann er mit den abgeschnittenen Haaren, die er jedes Jahr dem BZV überlässt, wenig anfangen: Seine Perücken stellt er nicht selbst her, sondern kauft sie und frisiert sie dann in Maßarbeit nach Kundenwunsch.

Professionelle Hersteller bieten bei der Versteigerung im April um die Wette. Die Friseure als Lieferanten und ihr Verband verdienen laut Keil dabei nichts, weil der komplette Erlös jedes Jahr für einen guten Zweck gespendet wird. Jungen Krebspatienten, die diesmal Empfänger sein sollen, begegnet der Dudenhöfer Friseur in seinem Arbeitsalltag öfter. Meist dann, wenn er einem Chemotherapie-Patienten im Krankenhaus eine Perücke anpasst. (zrk)

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Quelle: op-online.de

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