Initiatoren zufrieden

Repair-Café kann eine echte Erfolgsbilanz vorweisen

+
Warum röhrt der früher dezente Staubsauger plötzlich wie ein Düsentriebwerk? Im Nieder-Röder Repair-Café fahnden ehrenamtliche Experten und der Eigentümer gemeinsam nach dem Problem.

Nieder-Roden - Weiter helfen können sie fast immer, zaubern allerdings nicht. Den Respekt ihrer Mitbürger haben sich die ehrenamtlichen Tüftler im Sozialzentrum am Puiseauxplatz seit dem Start des Nieder-Röder Repair-Cafés vor einem Jahr auf jeden Fall erworben.

„Super gelaufen“, bilanzierte Initiator Heinz Zborek bei einer kleinen Feier. Auch Bürgermeister Jürgen Hoffmann zeigte sich von der Entwicklung begeistert. Was sich seit der Premiere im Dezember 2016 getan hat, wirkt in der Tat eindrucksvoll. Waren anfangs ganze drei freiwillige Reparateure am Werk, finden sich an jedem zweiten Donnerstag im Monat inzwischen neun Helfer ein. 15 Reparaturen bewältigen sie im Schnitt, kommen gelegentlich auch ins Schwitzen: „Wir hatten auch schon über 30 Geräte“, sagt Claudia Scheddin, Zweite Vorsitzender des Vereins „Starke Hilfe“, der zusammen mit der Stadt hinter dem Projekt steht. An solchen Abenden wird es eng im Keller des Sozialzentrums – ein Grund, warum das Repair-Café mit dem Jahreswechsel umzieht. Geschraubt, geklebt und montiert wird künftig im Hauptsaal im Erdgeschoss.

Was die Reparateure leisten können, hat sich mittlerweile über Nieder-Roden hinaus herumgesprochen. Laut Zborek kommen auch Kunden aus Weiskirchen und den übrigen Stadtteilen, ebenso aus Rödermark. Zu 98 Prozent bringen sie nach Worten von Claudia Scheddin defekte Elektrogeräte mit – alte Radios, Mixer, Mikrowellenherde oder Bügeleisen. Die Vorstandsfrau hat eine Bosch-Küchenmaschine von zu Hause mitgebracht – hochwertig und modern, nur eben defekt. Ein junger Mann findet den Fehler schnell: Eine Feder hat sich gelöst – aufschrauben, festziehen, fertig. Scheddin ist glücklich: „Sie war ganz schön teuer. Da habe ich echt Geld gespart“.

Länger brauchen zwei Elektro-Experten, die im Verein mit dem Besitzer einen Staubsauger untersuchen. Beim Einschalten wird schnell klar, wo das Problem liegt: Das Teil röhrt wie ein Düsentriebwerk. Da dürfte, so die erste Diagnose, mindestens ein Ersatzteil fällig sein. „Uns gelingt nicht alles“, sagt Heinz Zborek: „In manchen Fällen haben wir einfach nicht die Ausrüstung oder den nötigen Maschinenpark“. Meist aber können die Bastler Tipps geben – etwa welche Dichtung sich der Kunde übers Internet besorgen soll oder wo er den Schalter herbekommt, der dann mit ein paar Handgriffen einzubauen ist.

Welche Computermaus ist die richtige?

Dass die Klienten selbst zum Werkzeug greifen und im Repair-Café auch dazu lernen, ist laut Heinz Zborek Teil der Grundidee. Das Projekt solle keine Gratis-Werkstatt sein, sondern vor allem Hilfe zur Selbsthilfe bieten. „Manchmal sieht man dabei glänzende Augen“, freut sich der Initiator und erinnert sich an einen zwölfjährigen Jungen, der mit einem kaputten Lautsprecher kam und dem Problem – einer defekten Buchse – unter Anleitung von einem Reparierer selbst mit einem Schraubenzieher zu Leibe rücken durfte. „Sein Vater hat mir gesagt, er habe seinen Sohn lange nicht mehr so glücklich gesehen“, berichtet Zborek.

Das menschliche Moment, die Begegnung und das gemeinsame Arbeiten, ist aus Sicht von Bürgermeister Hoffmann ein Gewinn für seine Stadt und allein schon Grund genug, die Initiative nach Kräften zu fördern. „Ein schöner Erfolg“, findet auch Bernhard Schanze, dessen städtische Agentur für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing das Repair-Café aktiv mit angeschoben hat. Weitere Unterstützer – etwa solche, die mit Spenden den Kauf von Ersatzteilen und Werkzeugen ermöglichen – sind stets willkommen. Von Kunden, denen sie helfen konnten, wünschen sich die Reparierer kleine Spenden fürs Sparschwein. Wer Kompetenz und Eifer der Ehrenamtlichen auf die Probe stellen, dabei Geld sparen und nicht zuletzt auch Abfall vermeiden will, kann sich den 11. Januar 2018 vormerken. Dann öffnet das Nieder-Röder Repair-Café um 18 Uhr erstmals im neuen Jahr. (zrk)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.