Haftstrafe für den Rechtsanwalt

Dudenhofen (gel) ‐ Der Fall um einen 2007 verurteilten Anlagebetrüger aus Dudenhofen hatte vor dem Amtsgericht Offenbach dieser Tage ein Nachspiel. Dort saß der Anwalt des Betrügers auf der Anklagebank.

Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, von den Gaunereien gewusst und billigend in Kauf genommen zu haben, dass ahnungslose Anleger von seinem Mandanten und Freund hintergangen wurden. Das Gericht verurteilte den Frankfurter Juristen letztlich wegen Beihilfe zum Betrug zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft.

Dagegen wird Verteidiger Prof. Dr. Holger Matt höchstwahrscheinlich Berufung einlegen. Für ihn ist nicht nachvollziehbar, dass sein Mandant wegen eines einzigen Briefes mit dem Betreff „Hotelprojekt in Kroatien“ vom 21. April 2004 ins Gefängnis soll – auch wenn sechs Geschädigte, die als Zeugen auftraten und die Matt nicht glaubwürdig erscheinen, sich gerade auf dieses Schreiben berufen. Der Brief hatte dem Anlagebetrüger entgegen besseres Wissen eine hervorragende Bonität bescheinigt. Die Anleger zahlten rund ein halbe Millionen Euro auf sein Konto. Dafür sollten sie nach einer gewissen Zeit eine fast doppelt so hohe Rendite zurückbekommen. Die kam allerdings nie an.

Umfassende Beweisaufnahme

Die Staatsanwaltschaft sah nach umfassender Beweisaufnahme die Anklage bestätigt. Der Jurist habe sich auch nach Bekanntwerden der krummen Geschäfte nicht von seinem Rodgauer Mandanten distanziert. Im Gegenteil: er vertrete ihn bis heute und pflege laut Zeugen ein freundschaftliches Verhältnis zu ihm. Er sei über die Anlageverträge informiert gewesen und habe billigend in Kauf genommen, dass Kunden geschädigt wurden.

Extrem unüblich sei auch, dass der Rechtsanwalt keine Kopien der Unterlagen vorweisen könne, nach denen er das dubiose Schreiben verfasst hatte. Sämtlich Kontoauszüge, Bilanzen, Berechnungen und Projektmodelle hätten angeblich super ausgesehen, nur habe sie außer ihm niemand vor Gericht je zu Gesicht bekommen.

Besonders schwer wog für Staatsanwältin Sylvia Erdelt auch die Tatsache, dass der Anwalt „als Organ der Rechtspflege sein Vertrauensverhältnis ausgenutzt und dabei blendend verdient hat“. Sie sieht in dem Empfehlungsschreiben „Hotelprojekt Kroatien“ den Grund dafür, dass die krummen Geschäfte zustande kamen.

Quelle: op-online.de

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