Hainburg ist eine Reise wert

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Stadtrat Franz Dürsch (rechts) überreichte eine Rodgau-Ansicht des Künstlers Marc Remus an Karoline Riedmayer vom Hainburger Partnerschaftsverein und an Bürgermeister Karl Kindl.

Rodgau (eh) - Voller Eindrücke sind 47 Rodgauer gestern Abend aus der österreichischen Partnerstadt Hainburg zurückgekehrt. Der Besuch der Niederösterreichischen Landesausstellung und die informelle Begegnung beim Heurigen waren Glanzpunkte des verlängerten Wochenendes.

Seit 1974 besteht die Freundschaft zwischen Nieder-Roden und Hainburg. Dies würdigten mehrere Redner in einer Feierstunde. Dabei wurde klar: Zukunft hat diese Städtepartnerschaft nur, wenn es gelingt, sie zu verjüngen. Der Altersdurchschnitt der Reisegruppe lag weit jenseits der 50 Jahre, obwohl diesmal sogar zwei Schüler dabei waren.

„Freundschaft ist nicht nur ein köstliches Geschenk, sondern auch eine dauernde Aufgabe“, betonte Karoline Riedmayer, die sich in Hainburg für die grenzüberschreitenden Beziehungen einsetzt. Mit Karlheinz Nenner aus Nieder-Roden ist sie sich einig darin, dass solche Städtepartnerschaften seit Jahrzehnten zum Frieden und zur Einheit Europas beitragen. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Hainburg formulierte die Hoffnung, „dass eines Tages demokratisch gewählte Regierungen das Schicksal aller Länder bestimmen“.

Die Veränderungen der letzten zwei Jahrzehnte in Europa haben sich gerade in Hainburg ausgewirkt. Die Stadtgemeinde mit knapp 6 000 Einwohnern ist zwar immer noch die östlichste Stadt Österreichs, aber seit dem Fall des Eisernen Vorhangs liegt sie fast in der Mitte Europas. Für den Fremdenverkehr hat sich Hainburg in den letzten Jahren erfolgreich als „Mittelalterstadt“ positioniert. Die Niederösterreichische Landesausstellung brachte einen weiteren touristischen Aufschwung, wie Bürgermeister Karl Kindl sagte.

Die Gäste aus Rodgau zeigten sich von dem Städtchen sehr angetan. Sie hatten sich in einem Hotel eingemietet, das beispielhaft für die jüngste Entwicklung Hainburgs steht. Eine Investorengruppe hat das ehemalige Minoriten-Kloster in ein Vier-Sterne-Hotel umgebaut, das im April eröffnet wurde.

Bilder vom Besuch in der Partnerstadt

Rodgauer in der Partnerstadt

Eine neue Sehenswürdigkeit ist auch die evangelische Martin-Luther-Kirche nach einem Entwurf des renommierten Architekten Wolf D. Prix. Schon vor ihrer Einweihung im April wurde die Kirche in einer Ausstellung in Tokio als eines der 50 bedeutendsten Bauwerke der Welt bezeichnet. Seit April ist Hainburg auch Schauplatz der Niederösterreichischen Landesausstellung, die einen ähnlichen Stellenwert wie der Hessentag hat, aber ohne Rummel auskommt. Unter dem Titel „Erobern – Entdecken – Erleben“ stellt sie Forschertätigkeit und Eroberungen aus vielen hundert Jahren dar. Die Landesausstellung ist noch bis Mitte November zu sehen.

Wie gute alte Bekannte wurden die Gäste aus Rodgau begrüßt. Das beschränkte sich nicht nur auf offizielle Anlässe, wie Hans-Peter Herrmann von der Stadtverwaltung erlebte: Ein Autofahrer hielt am Hauptplatz an, um ihm ein „Hallo Peter!“ zuzurufen. Ein herzliches Willkommen galt auch der Jügesheimer Hobbydichterin Ljubica Perkman: Sie wurde zum Ehrenmitglied der Hainburger Autorenrunde ernannt. Theresia Thomae und Hannelore Hackbart vom Arbeitskreis Hainburg sind ebenfalls gern gesehene Gäste in der Partnerschaft. Auch die Teilnehmer der Reisegruppe zollten ihnen Beifall. Die beiden sorgten während der elfstündigen Busfahrten für perfekte Verpflegung.

Symbolträchtiger Partnerschaftswald

Stickerinnen aus Hainburg stellten die ersten Teile eines Wandteppichs vor, die sie zum Rodgauer Partnerschaftsteppich beitragen wollen. Bereits fertige Motive aus Nieder-Roden, Puiseaux, Weiskirchen und Donja Stubica zogen bewundernde Blicke auf sich. Die Stickarbeit aus Rodgaus kroatischer Partnerstadt hatte Jens Treff mitgebracht. Der Vorsitzende des Freundeskreises Donja Stubica legte auf der Rückfahrt von Kroatien am Wochenende in Hainburg eine Zwischenstation ein.

Symbolträchtig ist auch der Partnerschaftswald, in dem Bürger aus Hainburg und Nieder-Roden anlässlich ihrer Begegnungen Bäumchen pflanzen. Die ältesten Laubbäume sind in 21 Jahren zu stattlichen Exemplaren herangewachsen. Hainburger Hauptschüler haben eine Gedenktafel mit den Namen der Spender kürzlich neu gestaltet. Etliche Menschen, die dort verzeichnet sind, leben nicht mehr – aber die Bäume leben fort. Karlheinz Nenner: „Das hat mich sehr berührt.“

Im Namen der Stadt Rodgau überreichte der ehrenamtliche Stadtrat Franz Dürsch als Gastgeschenk eine moderne Rodgau-Ansicht des Künstlers Marc Remus. „Endlich mal ein Bild, das in die Zeit passt“, freute sich die pensionierte Regierungsrätin Karoline Riedmayer vom Hainburger Partnerschaftsverein. „Die Partnerschaft lebt, weil viele Menschen aus beiden Städten daran interessiert sind“, betonte Dürsch. Für die Zukunft sei es wichtig, die Jugend stärker einzubeziehen: „Ich weiß, dass das nicht einfach ist.“

Quelle: op-online.de

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