Wohnen auf der Baustelle

Bewohner im neuen Quartier H17 müssen gute Nerven haben

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Tino und Antje Scholz mit den Töchtern Faye und Yume an ihrem neuen Haus in Hainhausen. Dort soll einmal ein blühender Garten entstehen. Aber die Familie braucht noch gute Nerven, bis alles fertig ist.

Hainhausen - Jetzt, beim Erzählen der großen und kleinen Katastrophen, amüsieren sich die beiden königlich: Dabei hören sich einige Erlebnisse von Antje und Tino Scholz haarsträubend an. Aber vielleicht ist das beim Häuslebau so. Von Simone Weil

Als allererste Bewohner im Baugebiet H 17 in Hainhausen brauchen sie jedenfalls viel Humor, um Dreck, Lärm und andere Widrigkeiten zu überstehen.
Leben auf der Baustelle: Antje und Tino Scholz sind als Erste ins Neubaugebiet H 17 gezogen. Das ist spannend – und manchmal kurios. Unter anderem machen sich bei gutem Wetter Schaulustige auf, um die neuen Häuser zu besichtigen. Dabei scheuen die Spaziergänger auch vorm unverblümt neugierigen Blick ins Wohnzimmer nicht zurück. Insbesondere die Ostertage mit verhältnismäßig schönem Wetter müssen schlimm gewesen sein.

Dass das Haus von außen noch unverputzt ist, quält die fünfköpfige Familie kaum: Auch im Inneren ist noch längst nicht alles, wie gewünscht. So muss beispielsweise die Treppe, die vom Erdgeschoss ins erste Stockwerk führt, noch einmal neu gemacht werden. „Dafür hängen aber schon alle Lampen“, freut sich Antje Scholz.

Ende Februar sollte der Einzug sein. Doch zu diesem Zeitpunkt war der Boden noch nicht fertig. Die 177 Quadratmeter große Mietwohnung in Dudenhofen hatte die Familie längst gekündigt, um sie dann doch noch zwei Monate länger als ursprünglich geplant zu bewohnen. Weil schließlich keine Verlängerung mehr möglich war, quartierte der Bauträger die fünf Personen drei Wochen lang in einer Ferienwohnung in Seligenstadt ein.

Für Vater, Mutter sowie die Töchter Sophie (16) und Faye (7) war es ganz schön, mal wieder eine saubere und ordentliche Bleibe zu haben. Doch bei Yume (2) entstand durch das weitere Quartier eine Irritation: „Mit alter Wohnung, neuem Haus und Ferienwohnung war das einfach zu viel Durcheinander für sie“, berichtet die Mutter.

Der Umzug verschob sich, doch der Urlaub der beiden berufstätigen Eltern war aufgebraucht: „Vieles haben wir dann eben neben unserer Arbeit erledigt“, erzählt Tino Scholz. „Man braucht starke Nerven, muss ziemlich oft schimpfen und viel telefonieren“, lautet das Fazit der 39-jährigen Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Frankfurt zum Hauskauf. Ob sie mal daran gedacht haben, alles hinzuwerfen? Nein, das sei keine Option für sie gewesen, meinen Scholzes.

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Was das Leben auf der Baustelle neben lautstarken Arbeiten ab 6 Uhr zusätzlich erschwerte: Es kamen keine Pakete und keine Post an, weil die Pfarrer-Sely-Straße den Zustellern noch nicht bekannt war. Über solche Probleme hatte sich die Familie vorher keinen Kopf gemacht. „Wir sind ja nicht das erste Neubaugebiet auf der Welt, habe ich gedacht“, erzählt Antje Scholz. Als dann aber das Geburtstagspräsent der Tante für die Jüngste drei Wochen auf sich warten ließ, war der Ernst der Lage klar.

Auch bei der Stadtverwaltung Rodgau brauchte das Paar Geduld: Sie konnten sich nicht ummelden, weil selbst dem Bürgerservice die neue Adresse noch nicht vorlag. Zu den eher geringeren Schwierigkeiten zählt, dass Festnetzanschluss und Internet noch nicht funktionieren und ein Kabelanschluss überhaupt nicht vorgesehen ist.

Der Schlag hat die neuen Hausbesitzer dagegen beinahe getroffen, als sie die bis unter die Decke gestapelten Umzugskisten sahen, die die Transportfirma im ersten Stock in sämtliche Zimmer geräumt hatte – die auf diese Weise nicht mehr begehbar waren. Antje Scholz hat jede Menge Fotos davon gemacht und plant eine Powerpointpräsentation, damit das Erlebnis Hausbau auf keinen Fall in Vergessenheit gerät.

Quelle: op-online.de

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