Der Traum vom Artistenleben wird für 420 Kinder wahr

Eine ganze Schule macht Zirkus

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Generalprobe für die Clowns: In der Manege üben sie für ihren Auftritt vor Publikum. Heute ist Premiere.

Hainhausen - Zirkusluft schnuppern die 420 Kinder der Münchhausenschule in dieser Woche. Zum dritten Mal läuft seit Montag ein Zirkusprojekt, das alle Kinder von der Vorklasse bis zur vierten Klasse einbezieht.

Von Freitagabend an stürmen die Nachwuchsartisten die Manege vor Publikum, bis Sonntag gibt es insgesamt sechs Vorstellungen.
Rundum läuft der reguläre Unterrichtsbetrieb. In der Schulturnhalle und im Zirkuszelt am Sportplatz haben die Trainer vom Schul- und Projektzirkus „Tausendtraum“ aller Hände voll zu tun: Jeweils 45 Minuten üben sie mit den Schülern gruppenweise ihre Nummern ein, die bei den Aufführungen Eltern, Geschwister und Neugierige begeistern sollen. Die Kinder sind in sechs Gruppen eingeteilt, von denen jede eine komplette Zirkusshow bestreiten soll.

Auf dem Ball die Balance zu halten erfordert viel Übung.

Von Tierdressuren und waghalsigen Stunts unter der Zirkuskuppel angesehen, wird alles geboten, was ein spannendes Zirkusprogramm ausmacht. In jeder Aufführungsgruppe gibt es unter anderem Fakire, die wundersam unverletzlich über Nagelbretter und Glasscherben gehen. Nicht minder anspruchsvoll ist das Jonglieren mit Bällen, Reifen oder Tellern, die sich auf dünnen Stäben drehen. Körperbeherrschung und Gleichgewichtssinn verlangen akrobatische Kunststücke an Leitern und Stangen.

Fortgeschrittene schaffen den Seiltanz mit verbundenen Augen.

Konzentrierte Spannung herrscht derweil bei den Seiltänzern. Da gilt es nicht nur, das in Kniehöhe gespannte Tau ohne Absprung hinter sich zu bringen. Wer darin schon einigermaßen fit ist, steigt unterwegs noch über Reifen hinweg oder wagt den Balanceakt gar mit verbundenen Augen. Hinter verschlossenen Türen feilen die Zauberkünstler an ihren Tricks, und das aus gutem Grund: Was die Magier präsentieren wollen, soll schließlich das Publikum verblüffen und muss daher geheim bleiben. „Bisher haben wir es geschafft, dass kein Kunststück an die Öffentlichkeit gedrungen ist“, bemerkt Konrektorin Friedrun Trautmann nicht ohne Stolz.

Das will etwas heißen. Nicht nur die beteiligten Kinder, auch einige Eltern und Lehrer wirken neben den Zirkusprofis vom „Tausendtraum“-Team als Betreuer und Helfer an den Vorbereitungen mit. Außerhalb der Manege hat die Konrektorin die Regie und ein Auge darauf, dass die Zirkusnummern nicht mit dem Stundenplan kollidieren. Die Übungen sind aufs Genaueste in den Schulalltag eingegleist, sodass jedes Kind jeden Tag eine Schulstunde lang in die Welt der Artisten eintauchen kann. Nicht nur Kunststücke, sondern auch Lieder, Tänze und kleine Spielszenen werden dann geprobt.

Für die Clowns schlägt an diesem Vormittag schon die Stunde der Bewährung: Durch die „schwarze Kammer“, die den Backstage-Bereich vom Rampenlicht trennt und die alle Akteure bei den Vorstellungen passieren müssen, marschieren sie winkend und lachend in die Manege. Einige Kinder und Eltern mimen das Publikum und feuern die Gruppe lautstark an. Immer lächeln, nicht ablenken lassen und am Ende dreimal verbeugen, lautet diese Lektion. Auch werden die Schüler darauf vorbereitet, dass es während der Vorstellung hinter der Bühne hektisch zugehen kann, weil alle nervös sind und manchmal schnell improvisiert werden muss. „Wenn das Licht mal ausgeht, nicht gleich in die Hose machen“, doziert der Trainer.

Von all dem sollen die Zuschauer am Wochenende möglichst wenig mitbekommen – weil es in einem richtigen Zirkus nicht nur lustig und spannend, sondern eben auch professionell zugeht. Wie gut das Training und die Vorbereitung waren, zeigt sich erstmals bei der Premiere heute um 18 Uhr. Die zweite Vorstellung beginnt um 20 Uhr, je zwei weitere folgen am Samstag und Sonntag. (zrk)

Quelle: op-online.de

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