Problem für Patienten in Altenheimen

Hausarzt - verzweifelt gesucht

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Rodgau - Patienten in Altenheimen finden immer schwerer einen Hausarzt. Allein die K & S Seniorenresidenz sucht derzeit für zehn Bewohner dringend einen Arzt.

Besonders schwierig wird die Arztsuche für Heimbewohner, die aus anderen Kommunen zugezogen sind, in Rodgau keine Angehörigen haben und nun den Hausarzt wechseln müssen. Birgit Kusch, Leiterin der K & S Seniorenresidenz in Nieder-Roden, spricht von einem Notstand. Die ärztliche Versorgung sei zuweilen nicht mehr gewährleistet.

Ihr Berufskollege, Horst Thuro vom Gretel-Egner-Haus in Dudenhofen, sagt: „So extrem ist es bei uns nicht. Es ist zwar schwierig, aber wir haben zum Glück zwei große Gemeinschaftspraxen in Offenbach und Seligenstadt, die Patienten bei uns mit betreuen.“ Thuro bedauert, dass es in Rodgau Ärzte gebe, „die grundsätzlich keine Heimbetreuung machen“. Der Jügesheimer Internist Dr. Hubert Kremer möchte dies relativieren. „Es wird keinen Hausarzt geben, der das ablehnt. Wir, zum Beispiel, haben natürlich Patienten in den Heimen. Wer hier Angehörige hat, der findet auch einen Hausarzt.“

Allerdings sei die Rodgauer Ärzteschaft „bis an die Grenze belastet“. Generell bestehe ein Ärztemangel. Wer hier keinen Ansprechpartner habe, für den könne es schwierig werden. Läuft ohne einen kurzen Draht zum Arzt und Vitamin B also nichts? Diese bittere Erfahrung macht derzeit Eberhard Kroll aus Dietzenbach. Dessen Mutter Erika lebte bis vor zwei Jahren in Jesteburg (Niedersachsen), um damals in die K & S Seniorenresidenz nach Nieder-Roden zu ziehen. Bisher betreute Dr. Ulrich Sternkopf (Heusenstamm) die 93 Jahre alte Dame. „Dr. Sternkopf möchte aber die Betreuung aus gesundheitlichen Gründen langfristig aufgegeben“, berichtet Kroll.

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„Ich habe in sieben Arztpraxen in Rodgau und Rödermark angerufen. Keiner kann oder will die hausärztliche Betreuung im Altersheim übernehmen. Die Sprechstundenhilfen sagen, es bestehe ein Aufnahmestopp. Das darf doch nicht wahr sein.“ Eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen bestätigte gestern auf Anfrage unserer Zeitung, dass die hausärztliche Versorgung in der Region Rodgau/Rödermark/Heusenstamm/Dietzenbach/Obertshausen „tatsächlich nicht optimal ist“. Die KV Hessen habe das Problem erkannt und versuche es zu beheben.

Bei dem Gebiet handele es sich um eine ländliche, förderfähige Region. Im Rahmen des „Hessischen Pakts“ werde die Niederlassung eines Arztes in einer ländlichen Region mit bis zu 50.000 Euro vom Land Hessen bezuschusst. Entsprechende Anträge seien bei der KV bis zum 31. März einzureichen. Der K & S Seniorenresidenz bot die Sprecherin Hilfe an. „Die Heimleitung soll sich an uns wenden.“

bp

Quelle: op-online.de

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