Heimatfilmer Heinrich Murmann

Vom Projektor auf den Bildschirm

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Der 16-mm-Film von 1966 läuft durch den umgebauten Projektor, eine Digitalkamera nimmt die Bilder auf und überträgt sie auf den Fernsehschirm. Das sieht einfach aus, erforderte aber jede Menge Tüftelarbeit. Heimatfilmer Heinrich Murmann bearbeitet die digitalisierten Filme später am Computer und „schneidet“ unnötige Längen heraus. Auf dem Bildschirm ist gerade die Abholung der Festdame bei einem Festzug des Gesangvereins Sonntagverein zu sehen.

Nieder-Roden - „Da sind so viele schöne Sachen, ich komme gar nicht mehr hinterher“, berichtet Heinrich Murmann. Seit zehn Jahren hält er als ehrenamtlicher Heimatfilmer der Stadt wichtige Ereignisse in Rodgau fest.

Nebenher filmt er auch Hochzeitsfeiern und die Fastnachtssitzungen der TG Nieder-Roden. Auch die Reparatur alter 16-Millimeter-Filmprojektoren erledigt er. Doch besonders zeitaufwändig ist die Digitalisierung der alten Filme.

Zwar verfügt Murmann über die notwendige Technik und hat auch bereits unzählige Stunden damit verbracht, aber für mehr habe er schlicht keine Zeit, sagt der Ruheständler. Der Nachfolger des langjährigen Heimatfilmers Rudi Keller sorgte mit dieser Bemerkung vor einiger Zeit bei einer Besprechung im Rathaus für Unmut.

„Alle diskutieren, aber ich sitze schon seit einem Jahr im Keller und digitalisiere“, sagt Heinrich Murmann. Als er vor zehn Jahren gefragt wurde, ob er mit der Kamera wichtige Ereignisse in der Stadt festhalten würde, hatte er gern zugesagt. Auch weiterhin will er als Heimatfilmer unterwegs sein. „Was ich angefangen habe, mache ich fertig“, erklärt Murmann. Doch das Thema Digitalisierung sei für ihn vom Tisch. Nur den Festzug zur 1200-Jahr-Feier und den Film vom Abriss des alten Rathauses wolle er sich noch einmal vornehmen. Es gebe noch viel zu tun, aber um alles zu digitalisieren, dafür habe er einfach keine Zeit.

Leidenschaft für Film und Foto

Murmanns Leidenschaft für Film und Fotografie begann bereits in seiner Kindheit. Als Zehnjähriger bekam er von Pfarrer Kern eine Dunkelkammerausrüstung nebst der passenden Optik. Früh entwickelte er Filme, die bereits 1952 als Negative an die Wand geworfen wurden. Seine erste Filmkamera bekam er vom Lehrer Karl Müller, der damals der erste Heimatfilmer am Ort war. In der regelmäßigen Filmstunde in der Schule hatte Murmann seinen Lehrer mit seinen technischen Fähigkeiten beeindruckt. Daher durfte er immer den Projektor bedienen.

Die Digitalisierung der alten Filme ist deswegen so aufwändig, weil das Filmmaterial nur in Echtzeit überspielt werden kann. Während die Filmrolle auf einem umgebauten Projektor abgespielt wird, nimmt eine eingebaute Kamera die Bilder auf und speichert sie digital ab. Doch es müsse immer jemand dabei bleiben, erklärt Murmann. So müssten Rollen gewechselt und Klebestreifen ersetzt werden, denn die alte Technik habe so ihre Tücken. Zu analogen Zeiten gehörten handwerkliche Fertigkeiten einfach dazu. Man konnte und musste regelmäßig selbst Hand anlegen und notwendige Reparaturen in Eigenregie durchführen.

Gute Konstruktion für wenig Geld

Es werde zunehmend schwieriger zu digitalisieren, auch wenn das alte Filmmaterial sicher noch einige Jahre durchhalte, sagt Murmann. Gute Projektoren seien selten geworden und eine gute Kamera koste 1000 Euro. Die Konstruktion hat er selbst gebaut. Dafür hat er das Gehäuse eines 16-mm-Projektors aufgefräst und eine Halb-Zoll-Kamera verbaut. Die Videofrequenz steuert den Projektor. „Andere machen das mit Umlenkspiegeln“, erklärt er. Aber seine Konstruktion sei mit Abstand das Beste, das man fürs Geld bekommen könne.

In absehbarer Zeit will Heinrich Murmann die zur Digitalisierung notwendigen Gerätschaften verkaufen. Damit erhielten auch andere Vereine und Interessierte die Chance, ihr Material dauerhaft zu sichern. Selbstverständlich stehe er dann auch mit Rat und Tat zur Seite und helfe beim Einstieg in die Technik, unterstreicht Murmann. Sein „Nein“ zur weiteren Mitarbeit bei der Digitalisierung solle nicht falsch verstanden werden, es sei weder Trotz noch böse Absicht.

pep

Quelle: op-online.de

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