Heimatmuseum Weiskirchen

Grammophone: Wohl klingender Rückblick

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So massiv waren früher die Abtastnadeln.

Weiskirchen - In längst vergangene Tage der Tonaufzeichnung auf Schallplatten entführt eine Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins Weiskirchen. Im Alten Spritzenhaus dreht sich alles ums gute alte Grammophon.

Vorweg für die jüngeren Leser unserer Zeitung eine kleine Erklärung: Es gab mal eine Zeit, da konnte Musik nicht einfach aus dem Internet geladen werden. Das lag unter anderem daran, dass es noch kein Internet und keine Mobiltelefone gab.

Auch die kleine silberne Scheibe, die Compact Disc (CD), auf der die Musik digital gespeichert wird, lag noch in weiter Ferne. Ja selbst Tonbänder, Musikkassetten warteten noch auf ihre Erfindung.

Musikstars wie Enrico Caruso oder Zarah Leander veröffentlichten ihre Hits auf so genannten Schellackplatten. Und um diese hören zu können brauchte es das passende Gerät - ein Grammophon. Genau diese Geräte sind die große Leidenschaft von Kerstin Becker.

Meist in einem schlechten Zustand

Im Weiskircher Heimatmuseum stellt sie derzeit 15 der hauptsächlich aus den 1920er und 30er Jahren stammenden Geräte aus. „Die meisten habe ich über das Internet gekauft“, erzählt Becker.

Die Grammophone waren meist in einem schlechten Zustand, doch die Sammlerin ist mittlerweile eine Spezialistin für die alten Geräte geworden. „Angefangen hat es mit dem Grammophon meines Großvaters“, sagt Becker und zeigt auf ein großes, schwarzes Teil. Das stand ewig herum, keiner kümmerte sich, bis sie es in die Finger bekam. Viel musste sie damals nicht machen, bis es wieder Musik spielte.

Bei den Grammophonen, die sie danach gekauft hat, war das schon anders. Die Gehäuse waren ramponiert, die Federwerke nicht mehr in Ordnung, die Abtastnadeln fehlten. Gerade die Federwerke sind besonders wichtig, sind sie doch gewissermaßen der Motor der meisten Grammophone, der dafür sorgt, dass sich der Plattenteller dreht.

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Allerdings hat sie auch einige Geräte, die schon über einen Elektroantrieb verfügen. Ihr jüngstes ist aus dem Jahr 1955, aus der ehemaligen DDR. „In Indien gab es Grammophone noch bis Ende der 1960er Jahre“, erzählt sie. Mit etwas Glück könnten auf dem Subkontinent sogar noch Beatles-Platten als Schellackausgabe zu finden sein.

Kerstin Beckers Interesse ist eine runde Sache.

Zwischen den größeren Koffergrammophonen steht auch ein ganz kleines. Der Vorläufer des Walkmans? „Nicht ganz. Das ist ein Kindergrammophon“, klärt Becker auf. In den 1920er Jahren wurde es in Nürnberg hergestellt, manches fehlte. Aber Kerstin Becker konnte aus Teilen anderer Geräte eine Lösung basteln, die dem Original wohl kaum nachsteht. „Und alle Grammophone funktionieren“, betont sie. Zum Beweis legt sie eine alte Schellackplatte auf, kurbelt einige Male, bis das Federwerk aufgezogen ist und dann erklingt die Stimme von Zarah Leander.

Vom Hardrock zu Leander - auch der Musikgeschmack der Erzieherin hat sich verändert.

khn

Quelle: op-online.de

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