Neu im Heimatmuseum Weiskirchen:

Frömmigkeit in Bildern

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Nicht nur Bilder, sondern auch Fahnen, Jesus- und Madonnenfiguren und ein Hausaltar legen Zeugnis der Volksfrömmigkeit ab. Helmut Trageser (Foto) und andere Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Weiskirchen führen Besucher gern durch die Ausstellung.

Weiskirchen - Fronleichnam und andere religiöse Ereignisse stehen im Mittelpunkt der neuen Ausstellung im Heimatmuseum Weiskirchen. Morgen, Sonntag, ist sie erstmals zu sehen. Viele Weiskircher werden sich oder ihre Vorfahren auf den Bildern erkennen. Von Ekkehard Wolf

Schon vor Hunderten von Jahren zogen katholische Christen an bestimmten Festtagen in Prozessionen umher. Eine Kirchenrechnung von 1592 belegt, welche Männer damals den Baldachin trugen. In der Kirche St. Petrus in Ketten steht eine Monstranz aus der Zeit um 1490, die noch heute bei Sakraments-Andachten verwendet wird.

Helmut Trageser und seine Mitstreiter vom Heimat- und Geschichtsverein können zu fast jedem Ausstellungsstück eine Geschichte erzählen. Ein Foto zeigt die erste Fronleichnamsprozession nach dem Zweiten Weltkrieg, 1945, mit amerikanischen Soldaten als Zuschauer am Straßenrand. Ein oder zwei Jahre später entstand ein weiteres Foto, auf dem zwei frühere Nazis im Sonntagsstaat mitgehen. „Früher waren sie die schärfsten Gegner der Kirche, jetzt laufen sie fromm mit, als ob sie nie etwas getan hätten“, merkt Trageser kritisch an. Einen bewegenden Moment dokumentiert ein Bild von 1949: Da zogen die Katholiken vom Schwesternhaus (heute: Haus St. Peter) zur Kirche, die nach dem verheerenden Bombenschaden wieder aufgebaut worden war.

Ein besonderer Moment für die Katholiken in Weiskirchen: Singend und betend zogen sie 1949 vom Schwesternhaus in die wieder aufgebaute Kirche St. Petrus in Ketten. Sie war im Weltkrieg ausgebombt worden.

Noch gut erinnert sich Helmut Trageser an die großen Fronleichnamsprozessionen der 60er Jahre mit Blütenteppichen an jeder Station. „Die ganze Hauptstraße war mit Gras dekoriert. Die Fenster waren wie Altäre geschmückt.“ Damals gab es auch Flurprozessionen mit Hunderten von Teilnehmern. Die Ausstellungsmacher haben viele Gegenstände aus dem Fundus liebevoll zusammengestellt. In den Vitrinen liegen Bibeln und Erbauungsbücher, ein Kelchtuch und die Stola eines Priesters. Auch Jesus- und Madonnenfiguren und ein Hausaltar legen Zeugnis der Volksfrömmigkeit ab.

Edle Tücher, die früher an Fronleichnam aus jedem Fenster hingen, sind ebenso zu sehen wie die 100 Jahre alte Fahne der Marianischen Jungfrauencongregation. Etwas jüngeren Datums ist eine Prozessionsfahne aus Fallschirmseide. Auf einem Tablett stehen vier kleine Gefäße aus Glas und Metall. Was ist das? „Eine Versehgarnitur für die letzte Ölung“, erklärt Trageser, „die hatte früher jede Familie.“ Daneben liegt ein Sterbekreuz, das der Tote in die Hand gedrückt bekam.

Ein Hausaltar aus dem 19. Jahrhundert ist die einzige Leihgabe in der Ausstellung. Er steht normalerweise in der Wohnung eines älteren Mitbürgers. In seinem Testament hat der Eigentümer den Altar bereits dem Heimat- und Geschichtsverein vermacht.

Quelle: op-online.de

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