Ein Museum in Umzugskisten

Heimatverein ist froh, neues Quartier gefunden zu haben

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Nicht alles geht mit: Dafür bieten bald Fensterbretter die Möglichkeit, ein paar Schätze auch außerhalb der Öffnungszeiten zeigen zu können.

Jügesheim - Der Heimatverein Jügesheim hat ein neues Zuhause für seine Dauer- und Sonderausstellungen gefunden. Dem Museum im alten Schwesternhaus steht jetzt der Umzug bevor. Von Simone Weil

Doch nicht alle Exponate können mitgenommen werden, weil in den ehemaligen Geschäftsräumen in der Vordergasse 59 weniger Platz zur Verfügung steht. Vorsitzender Josef Herbert Spahn ist froh, überhaupt ein neues Domizil gefunden zu haben, das wesentliche Kriterien erfüllt wie etwa einen ebenerdigen Zugang und die zentrale Lage im alten Giesemer Ortskern. Darüber hinaus kann der neue Standort beheizt werden. Während der Wintermonate musste im alten Schwesternhaus notgedrungen eine Zwangspause eingelegt werden, weil es dort ohne Heizung einfach viel zu kalt war.

„Ich bin glücklich“, sagt Spahn. Der Chef des Heimatvereins wirkt sichtlich erleichtert. Der Schreck der Kündigung des seit 1990 bestehenden Mietvertrags im vergangenen Jahr war allen Mitgliedern heftig in die Glieder gefahren. Deswegen hatte auch keiner Lust, 2017 das 25-jährige Bestehen des Museums größer zu feiern. Der bevorstehende Umzug in die sogenannte Heckel-Passage erlaubt es den Heimatfreunden nicht, sich lange auf der Freude über ein neues Domizil auszuruhen. Wer weiß, wie viel Arbeit ein Umzug im Privathaushalt macht, hat noch lange keine Vorstellung davon, wie es um einen Museumsumzug bestellt ist.

Derzeit wird ein detaillierter Plan erarbeitet, „damit kein Chaos entsteht“, wie Spahn sagt. Problematisch allerdings ist, dass sich die Sammler und Bewahrer nun verkleinern müssen. Von 230 Quadratmetern Ausstellungsfläche im alten Schwesternhaus auf 120 links und rechts des überdachten Innenhofs an der Vordergasse. Etwa zwei Glasvitrinen finden keinen Platz. Auch das Edelgeschirr, das von goldenen Hochzeiten und anderen herausragenden Ereignissen zeugt, sucht neue Eigner – genauso wie die zarten Sammeltassen. „Wenn wir noch wissen, von wem wir die Stücke haben, sprechen wir die Besitzer an, ob sie die Exponate wiederhaben wollen“, erläutert Spahn. Ob er selbst Lieblingsstücke hat? „Ich habe viele“, seufzt der Vereinsvorsitzende.

Auf Fossiliensuche in der Grube Messel

Als wäre die Trennung von lieb gewordenen Sammelstücken nicht schon schlimm genug, kommt es aber noch dicker: Großes Kopfzerbrechen bereitet den Mitgliedern des Heimatvereins die Dauerausstellung zur Erdgeschichte mit unzähligen Einzelteilen und vielen Fossilien von Gerhard Lämmlein. Dieser bedeutende Schatz, der nicht nur Kinder begeistert hat, fände eigentlich Platz im neuen Haus. Doch Lämmlein versucht gerade, die Sammlung zu verkaufen.

„So etwas gibt es im ganzen Kreis nicht“, bedauert Spahn. Deswegen hoffen die Mitglieder auf großzügige Mäzene, mit deren Hilfe sie rund 15.000 Euro aufbringen könnten, um die Präsentation selbst zu erwerben und so den Verbleib im Museum zu sichern. Denn bereits die etwas höhere Miete schmerzt den Verein, der nun auch noch zwei doppelte Monatsgebühren für ehemaliges und neues Quartier zu zahlen hat. Deswegen sind die 100 Mitglieder im Alter von 6 bis fast 90 Jahren dankbar für jede Spende und auch praktische Hilfsangebote beim Umzug.

Wer helfen möchte, meldet sich beim Vorsitzenden Josef Herbert Spahn, Tel.: 06106/13300.

Quelle: op-online.de

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