Heimwerkerkurs der VHS

Mit Ohrringen und Bohrhammer

+
Wichtigster Trick beim Benutzen der schweren Bohrmaschine: Exakt im rechten Winkel beim vorher gezeichneten Bleistiftkreuz ansetzen, damit der Bohrer nicht abrutscht – das merkt hier auch Jacqueline Reichenbächer.

Dudenhofen - Bohrmaschinengeräusche und herzhaftes Frauenlachen tönen durchs Jugendhaus – eine gute Mischung, die zeigt, wie viel Spaß der Grundkurs „Heimwerken für Frauen“ macht.

Erste Herausforderung von Anleiter Detlef Schramm an die fünf Frauen: ein eher verzwickt geschnittenes und gedrehtes Namensschild nachzumachen. Damit testete er das räumliche Vorstellungsvermögen der Kursteilnehmerinnen.

An zwei Samstagen bietet die Volkshochschule Rodgau jeweils fünf Stunden lang Tipps und erste Einblicke an. Sie vermittelt Grundwissen und nötige Techniken an Frauen, die sich trauen. Im vergangenen Jahr fiel der Kurs mangels Beteiligung aus, diesmal haben sich fünf Mutige angemeldet. Daniela Möbius, Brigitte Löw, Jacqueline Reichenbächer, Linda Szukala und Gaby Weilmünster erlernen Grundkenntnisse im Tapezieren, Streichen und Bohren. Kursleiter ist Detlev Schramm, seit fünf Jahren einer der beiden Praxisanleiter des Rodgauer Beschäftigungsprojekts „Rodgau 16 plus“ ist. Gemeinsam mit einem Kollegen ist er für die fachliche Qualifizierung von Jugendlichen im handwerklichen Bereich zuständig - junge Leute ohne Ausbildungsplatz, die damit ein paar Monate lang einen geregelten Arbeitsalltag erleben und dabei einiges an Fähigkeiten vermittelt bekommen.

Jetzt versucht Detlev Schramm ruhig, geduldig und in allen Tricks versiert, auf die speziellen Wünsche der Frauen einzugehen, was das eigene Heimwerken betrifft. Die fünf Frauen zwischen 43 und 60 Jahren kommen mit ganz unterschiedlichen Motiven ins Jugendhaus: Eine von ihnen lebt allein und möchte einfach selbstständig sein, die anderen vier haben Ehemänner zuhause. Dem einen Mann fehlt es etwas an handwerklichem Geschick - nun nimmt die bessere Hälfte den Bohrer selbst in die Hand. Die anderen drei möchten einfach auch mal etwas selber machen, ohne immer ihre angetrauten Heim-Handwerker fragen zu müssen. „Außerdem arbeite ich nebenher sehr viel an Heim-Deko, da brauche ich das dringend“, erklärt eine der Fünf.
Mit einem Trick testet Detlev Schramm zunächst das räumliche Vorstellungsvermögen der Frauen: Er lässt sie ein kompliziert wirkendes Namensschild „nachbauen“. Alle scheitern, so wie er beim ersten Mal auch. Schon ist die Gruppe mitten im Gespräch über die Erwartungen an den Kurs. Die Wünsche reichen weit über zwei Vormittage hinaus – von Befestigungstechniken und Tapezieren bis zum Aufarbeiten von Möbeln. Und gleich gibts eine herzerfrischende Diskussion über die Aufbaufähigkeit der Möbel aus schwedischen Möbelhäusern.

Praktisch wird es bei den Grundlagen: Wie baue ich eine Bohrmaschine zusammen, welchen Typ verwende ich wofür, wie vermeide ich es Leitungen anzubohren? Nützliche Helfer werden vorgestellt wie verschieden teure Leitungssuchgeräte oder Kreuzlinien-Lasergeräte, um beim Tapezieren und Malen auch wirklich in der Senkrechten zu bleiben. Vieles bleibt im Kopf hängen, manches schreiben sich die Frauen auf.

Irre Halloween-Häuser in Deutschland

Irre Halloween-Häuser in Deutschland

Bevor es nächsten Samstag ans Streichen und Tapezieren geht, wurde zum Abschluss erst mal gebohrt – von herzlichem Gelächter bis zu leisem Fluchen war alles zu hören. Natürlich rutschte der schwere Bohrhammer erst mal ab, natürlich zeigte Detlef Schramm, dass es mit Abstützen an der Wand, mit dem nötigen Bleistift-Fadenkreuz und mit einer kleinen ersten Kerbe „eigentlich dann ganz von selbst“ geht, und natürlich gelang es schließlich allen Teilnehmerinnen. Die Wand steht noch, aber sie wird eh in Kürze abgerissen. Am Samstag muss sie aber noch mal herhalten. Die Frauen freuen sich schon aufs Malen und Tapezieren, denn Heimwerken mit Detlev Schramm macht ausgesprochen Spaß. Und dann heißt es künftig zuhause: „Selbst ist die Frau!“ 

(chz)

Quelle: op-online.de

Kommentare