Hessische Milchkönigin aus Jügesheim

Majestät packt auch gerne mit an

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Svenja Löw mit ihrem Lieblingskalb Emmi.

Jügesheim - Eine Queen gibt’s nicht nur in England. Auch Rodgau hat eine Königin: Agrar-Betriebswirtin Svenja Löw. Im Juni trat sie ihr Amt als Hessische Milchkönigin an. „Schon als Kind habe ich gesagt, dass ich den Hof einmal weiter führen will. Und wenn man mit Herz und Leidenschaft dabei ist, dann ändert sich so ein Wunsch nicht.“

Gemeinsam mit ihrem Vater betreibt die 22-Jährige einen Milchhof zwischen Mais- und Weizenfeldern in Jügesheim. Im Interview mit unserer Praktikantin Jannika Kämmerling verrät sie ihrer ehemaligen Mitschülerin, wie sie zu königlichen Ehren kam und was das Leben als Bäuerin so erstrebenswert macht.

Svenja, du bist seit Juni die neue Hessische Milchkönigin. Dafür musstest du aber sicher keinen Milchbauern heiraten, oder?

Nein (schmunzelt), natürlich nicht. Das Amt der Milchkönigin wurde im Jahr 2000 ins Leben gerufen. Dann habe ich bei der Zeitschrift Hessenbauer die Ausschreibung für das Amt gesehen und mich beworben.

Wie wird man bei der Landesvereinigung Milch Hessen denn in den königlichen Stand erhoben?

Ich habe dann eine Antwort auf meine Bewerbung erhalten und musste mich im Februar vorstellen. Da waren Vertreter von der Landesvereinigung Milch Hessen, vom Hessischen Bauernverband, von den Landfrauen und der Landjugend und aus verschiedenen Molkereien dabei. Gekrönt wurde ich im Juni auf dem Hessischen Bauerntag in Gießen.

Das war ja eine große Runde für ein Bewerbungsgespräch. Was wollten sie denn wissen?

Sie wollten wissen, warum gerade ich Milchkönigin werden will und auch, ob ich es zeitlich schaffe und ob Fachwissen da ist. Durch meine Ausbildung zur Landwirtin und Agrar-Betriebswirtin, bringe ich die nötigen Qualifikationen mit und konnte, wie ich im Nachhinein erfahren habe, wirklich alle überzeugen.

Was sind deine Aufgaben als Milchkönigin?

Ich repräsentiere die Milchwirtschaft und komme mit Verbrauchern ins Gespräch. Viele wissen nicht mehr, woher die Milch eigentlich kommt und wie modern alles geworden ist. Sie glauben immer noch, dass wir mit Schemel und Kopftuch vor den Kühen sitzen.

Und was machst du am liebsten in diesem Amt?

Das Schönste ist es, Kinder über die Milchwirtschaft aufzuklären. Sie sind unvoreingenommen und neugierig. Und es gefällt mir so viel rum zu kommen und neue Leute kennen zu lernen.

20 Termine in drei Monaten sind ja eine ganze Menge. Bleibt denn da genug Zeit für die Hofarbeit?

Ich bin ja die letzten zwei Jahre Vollzeit zur Schule gegangen und das ging auch. Meine Familie steht voll hinter mir und auch meine Freunde packen mal mit an, wenn’s eng wird.

Zu deinen Terminen reist du bestimmt nicht auf einer Kuh und zum Schlafen legst du dich abends nicht ins Heu. Kostet dich dein Amt neben Zeit auch Geld?

Es wird schon darauf geachtet, dass nicht alles auf meine Kosten läuft. Meine Dirndl, also meine Dienstkleidung, habe ich von der Landesvereinigung bekommen und auch das Fahrtgeld wird erstattet. Um die Verpflegung kümmern sich dann meist die Veranstalter.

Andere wissen in deinem Alter noch lange nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Wann stand für dich fest „Ich will Bäuerin werden?“ Dein Arbeitstag beginnt schon um 6.30 Uhr. Da kann man sicher nicht so einfach am Wochenende ausgehen, oder?

Ach, das ist kein Problem. Und wenn man am nächsten Tag ein bisschen müde und „verroppt“ im Stall steht, stört das auch keinen. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich die Arbeit weniger gewissenhaft erledige, als sonst auch. Man muss immer voll bei der Sache sein.

Mit deinem Vater leitest du hauptverantwortlich den Hof. Wie sieht es da mit Urlaub und Abschalten aus?

Die Zeit zum Urlaub machen bleibt, weil meine Eltern ja noch relativ jung sind. Weil ich weiß, dass der Hof in guten Händen ist, kann ich mich heute auch entspannen. Früher ist mir das nicht so leicht gefallen. Im Winter will ich sogar nach Amerika fliegen.

Bei euch auf dem Hof treffen mehrere Generationen aufeinander. Habt ihr die gleichen Vorstellungen davon, wie die Arbeit ablaufen und der Hof sich weiterentwickeln soll?

Meine Großeltern halten sich aus den Entscheidungen raus, mein Vater und ich haben eben jetzt das Sagen. Wir sind uns in fast allem einig, und wenn ich mal etwas Neues ausprobieren will, ist das für ihn okay.

Den ganzen Tag mit der Familie verbringen ist bestimmt nicht immer ganz einfach. Hast du auch einen Ort für dich allein?

Ich habe mein eigenes Häuschen auf dem Hof. Schließlich will jeder mal ausziehen. Dadurch haben wir Raum, um uns auch mal aus dem Weg zu gehen.

Was wünschst du dir für die Zukunft deines Bauernhofs? Welche Projekte möchtest du noch angehen?

Ich möchte unbedingt einen Stall für die Kälber bauen und die Arbeit mit Kindern erweitern. Das soll alles noch intensiver werden.

Was ist für dich das Beste am Landwirtin sein?

Dass man sieht, was man macht. Zum Beispiel, wenn ein Kälbchen auf die Welt kommt, es groß zu ziehen und dabei zu sein, wenn es dann selbst kalbt. Das ist toll. Außerdem ist es ein gutes Gefühl, wenn man sieht, wie viel besser es den Tieren im Vergleich zu früher geht.

Quelle: op-online.de

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