Hilfe tut manchmal auch weh

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Erste Hilfe am Kind kann Leben retten. Anett Taranko von den Johannitern zeigt Arnold Stein das Anlegen eines Verbandes. Sohn Iannis (1) ist damit gar nicht einverstanden.

Nieder-Roden ‐ 1,7 Millionen verletzte Kinder zählen Statistiker jährlich in Deutschland. Etwa 1000 Unfälle davon enden für Kinder unter 15 Jahren tödlich. Von Andreas Pulwey

Schnelles und korrektes Handeln am Unfallort mindert die Folgen eines Unglücks oder rettet Leben. Die Johanniter-Unfallhilfe bietet Seminare speziell zur Ersten Hilfe am Kind. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“, wird Jens von der Brelie nicht müde zu betonen. Der Ausbildungsleiter der Johanniter weist in Gesprächen mit Eltern immer wieder auf die Unterschiede in der Anatomie der Kinder hin. So gehören Säuglinge bis zum ersten Lebensjahr bei Bewusstlosigkeit nicht in die stabile Seitenlage; die Bauchlage ist korrekt. Den Kopf zur Seite gedreht und den Mund geöffnet, kann Erbrochenes schnell abfließen.

Zukünftige Eltern stehen bei den zehn bis 15 Erste-Hilfe-Seminaren pro Jahr Schlange. Großeltern und Tagesmütter, Verwandte, die mit der Kinderaufsicht betreut sind sowie Erzieherinnen und Babysitter gehören auch zum Klientel der Unfallhelfer aus der Borsigstraße. Betreuer aus Vereinen und Kindergruppen sind allerdings noch stark unterrepräsentiert, bedauert Jens von der Brelie.

Stürze in der Wohnung gehören zu den häufigsten Unfallursachen

Die Gefahren für Babys und Kleinkinder lauern aber nicht nur beim Sport oder auf dem Spielplatz. Stürze in der Wohnung, besonders vom Wickeltisch, Verbrennungen und Verbrühungen sowie das Ertrinken in der Badewanne oder in Gartenteichen gehören zu den häufigsten Unfallursachen. 20 Prozent aller tödlichen Unfälle von Kindern bis zum vierten Lebensjahr geschehen im Wasser. Kaum zu glauben, aber schon ein Wasserstand von nur wenigen Zentimetern kann für Kleinkinder mit unterentwickelten Schutzreflexen äußerst gefährlich werden.

Sollte es nach einem solchen Unglück zum Atemstillstand gekommen sein, werden die Teilnehmer der Johanniter-Kurse die richtigen Techniken für die Herz-Lungen-Wiederbelebung erlernt haben und anwenden können - und zwar für jede Altersgruppe. Ein weiterer Schwerpunkt der Seminare ist die Vorbeugung. Lampenöl, zum Beispiel, gehört nicht in einen Kinder-Haushalt, wissen die Johanniter aus Erfahrung.

Voraussetzung für die Erste Hilfe am Kind ist allerdings, selbst die Nerven zu behalten, um einsatzfähig zu sein. Dies ist nicht immer der Fall. „Wir haben oft zwei Patienten“, zeigt Jens von der Brelie Verständnis für die in Notsituationen teils überforderten Eltern. Die Johanniter müssen sich dann nicht nur ums Kind kümmern, sondern auch um Papa oder Mama.

Fakten

  • Der Elternkurs kostet 35 Euro für Einzelpersonen und 60 Euro für Paare: Tel.: 06106 8710-16.
  • Giftnotrufzentrale: Tel.: 06131 19240. Broschüre gegen frankierten Rückumschlag bei Gift-Info Mainz, Universitätsmedizin, Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz.

Quelle: op-online.de

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