Hilfe in vielen Fragen

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Ein Holzkreuz brachte Diakon Wolfgang Habdank als Geschenk zur Einweihung mit. Im Hintergrund der Chor der Mitarbeiter mit Beratungsstellenleiter Karlheinz Busse an der Gitarre.

Nieder-Roden - (af) Das Beratungszentrum Ost des Kreises Offenbach ist endgültig in Rodgau angekommen. Zwei Monate nach dem Umzug an den Puiseauxplatz wurde gestern Einweihung gefeiert. Im ersten Stockwerk des Ärztehauses gibt es Rat in vielen kritischen Lebenssituationen.

Drei Beratungsstellen arbeiten unter einem Dach: die Erziehungs-, Ehe- und Familienberatung, die Schuldnerberatung und das Suchthilfezentrum Wildhof.

Im vergangenen Jahr suchten mehr als 1 500 Menschen aus dem Einzugsgebiet Ost die Beratungsstellen auf, die meisten aus Eigeninitiative heraus. Doch Kreisbeigeordneter Carsten Müller verwies darauf, dass viele Menschen, die Hilfe brauchen, den Weg in die Einrichtungen nicht finden. Gerade in solchen Fällen gelte es auch aktiv auf die Bevölkerung zuzugehen.

Der Ortswechsel nach Nieder-Roden war angestrebt worden, da Rodgau im vergangenen Jahr mit 31,3 % den größten Beratungsbedarf aufwies. Die neuen Räume seien vielleicht nicht so gemütlich wie das bisher genutzte Fachwerkhaus in Ober-Roden, aber sie seien viel funktioneller, sagte Müller: Sie böten mehr Platz, seien auch für Rollstuhlfahrer zugänglich und per S-Bahn gut erreichbar.

Mit seinen drei Beratungszentren (West, Mitte, Ost) nehme der Kreis Offenbach eine Vorreiterrolle ein, betonte Sozialdezernent Müller. Oft seien Probleme miteinander verknüpft. „Der Beratungsbedarf wächst: Je schwieriger die wirtschaftliche Lage wird, umso mehr verstärkt sich der Druck in den Familien“.

Am stärksten nachgefragt ist die Schuldnerberatung

Das Beratungszentrum Ost besteht seit 2007. Es ist für die fünf Gemeinden Rödermark, Rodgau, Seligenstadt, Hainburg und Mainhausen zuständig. Die Erziehungsberatung obliegt der Caritas, die auch Träger des Beratungszentrums Ost ist. Die Schuldnerberatung, als am stärksten nachgefragte Fachstelle, wird von der Diakonie betreut. Die Suchtberatung gehört zum Suchthilfezentrum Wildhof.

FAKTEN

- 2008 suchten 919 Klienten die Schuldnerberatung auf, davon 15,6 % Migranten. Die Wartezeit auf einen Termin liegt bei fünf Tagen, in Krisenfällen weniger.

- Die Erziehungsberatung hatte 2008 649 abgeschlossene Fälle, davon 204 scheidungsbedingt. Wartezeit: mindestens zwei Wochen.

- Die Suchtberatung hatte 32 Klienten, häufigster Grund war Alkoholabhängigkeit.

- Tel: 06106 66009-0

Karlheinz Busse, der Leiter des Beratungszentrums, nannte als einen der Vorteile solcher Zentren: „Sie können Veränderungen in der Gesellschaft früh wahrnehmen und rasch darauf reagieren.“ Doch das Geld werde knapp: „Wir stehen vor der Aufgabe, mit weniger Ressourcen einen steigenden Beratungsbedarf zu bewältigen.“ Ein Beispiel: Trotz erhöhter Nachfrage gingen die Fallzahlen der Erziehungsberatung von 2007 bis 2008 um 13 Prozent zurück. Für die Zukunft wisse er kein Patentrezept, gestand Busse ein: „Vielleicht müssen wir einfach Beratung neu erfinden.“

Zum Abschluss segnete Diakon Wolfgang Habdank die Räume. Als Geschenk brachte er ein geschnitztes Kreuz mit, das bisher im Besprechungsraum des Pfarrhauses hing. Es war der Gemeinde einst von einer Katholikin vermacht worden, die selbst im Schatten von St. Matthias karitativ in der Nachbarschaft arbeitete. An die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstelle gewandt sagte Habdank: „Ihr könnt professionell das fortsetzen, was diese Dame damals im Dorf Nieder-Roden getan hat.“

Quelle: op-online.de

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