Weiskirchen

Historische Brücke wird bald saniert

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Feuchtigkeitsschäden und frühere Reparaturversuche an der Napoleonbrücke sind auch für Laien sichtbar. Am gemauerten Gewölbe bilden sich schon Tropfsteine.

Mit einem Aufwand von 155 000 Euro will die Stadt das fast 200 Jahre alte Baudenkmal auf Dauer erhalten.

Weiskirchen (eh) - Wer auf der B 448 vom Kreisel nach Obertshausen oder Offenbach fährt, kann die Napoleonbrücke aus dem rechten Fenster sehen. Vor dem Bau der vierspurigen Schnellstraße verlief die Bundesstraße über die alte Brücke. Jetzt ist dort nur noch ein Wirtschaftsweg, der außerdem zu den Ausflugsgaststätten „Zur Kreuzung“ oder „Tannenmühle“ führt.

Geschichtliche Bedeutung hat diese Brücke, weil es im Kreis Offenbach nur noch wenige Verkehrsbauwerke aus dem 19. Jahrhundert gibt. Über den beiden Bogengewölben sind in Sandstein zwei Jahreszahlen eingemeißelt. Im Jahr 1810, zur Zeit Napoleons, wurde die steinerne Rodau-Brücke aus Natursteinen errichtet. 1899 fand ein Umbau statt, bei dem die Fahrbahn verbreitert wurde: Auf beiden Seiten wurden Gewölbebögen in Klinkerbauweise angebaut, die Seiten wurden zur Rodau hin mit Natursteinwänden versehen.

Die Feuchtigkeit hat dem Bauwerk im Lauf der Jahrzehnte zugesetzt. Jetzt sind Schäden unübersehbar. Man muss kein Fachmann sein, um die Auswirkungen der starken Durchfeuchtung zu erkennen: Ausblühungen, Kalkfahnen und beginnende Tropfsteine (Stalaktiten). Die Rodau fließt nur noch durch die östliche Gewölbeöffnung, der westliche Bogen ist verlandet. Eine Abdichtung fehlt, offene Fugen der Rinnenplatten begünstigen das Eintreten von Feuchtigkeit. Die Verankerung des aufgesetzten Geländers weist Korrosionsschäden auf, die Schrauben sitzen zum Teil ungünstig an den Fugen der Brüstung.

Seit September 2007 ist bekannt, dass diese Schäden den Bestand des Bauwerks auf Dauer gefährden. Elf Monate später beantragte der Magistrat eine Sanierungsgenehmigung bei der Denkmalschutzbehörde. Im Dezember 2008 gab das Stadtparlament grünes Licht für den Bau.

Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr beginnen und vier bis fünf Monate dauern. Während dieser Zeit wird die Brücke für den Verkehr gesperrt. Die schadhafte Brücke wird von unten und von oben saniert. Von unten wird das Gewölbe mit dem Druckwasserstrahler gesäubert, anschließend werden offene Fugen mit Mörtel verschlossen. Von oben wird die Überschüttung des Gewölbes ausgeräumt und durch eine Füllung aus Stahlbeton ersetzt. Obendrauf kommt eine neue Fahrbahnplatte, die die Lasten gleichmäßig verteilt. Auch das Geländer wird erneuert. Die Baufirma muss bei ihrer Arbeit auf den Wasserstand der Rodau achten. In der Beschlussvorlage für die Stadtverordneten hieß es unmissverständlich: „Bei der Gerüstkonstruktion ist die Möglichkeit einer schnellen Demontage bei Hochwassergefahr zu berücksichtigen.“

Quelle: op-online.de

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