Hochprozentige Äpfel

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Roland Schlitt verkostet seinen ersten Blutorange-Sanddorn-Likör. Vom Apfel bis zum süßen Hochprozenter vergeht ein gutes Jahr. Der Obstschnaps in der schlanken Flasche (Mitte) ist nur eine Zwischenstufe. In großen Glasballons wird er mit Beeren und Früchten angesetzt, wie hier mit Blutorange und Sanddorn. Sein trinkfertiges Produkt füllt der Hobbygärtner in kleine Fläschchen ab.

Hainhausen - Die Fässer sind aus Kunststoff - blau, grau, unscheinbar. Doch wenn Roland Schlitt den Deckel lüftet, breitet sich ein aromatischer Geruch aus. Der Anblick ist eher unappetitlich: eine braune Masse aus zermahlenen Äpfeln, Quitten und Beeren. Von Ekkehard Wolf

Schlitt schnuppert: „Im Januar oder Februar dürfte es durchgegoren sein.“ Der Hobbygärtner ist im Obst- und Gartenbauverein der Spezialist für ein ganz besonders Stöffchen. Das Beste, was ein Apfel werden kann, ist bei ihm nicht Äppelwein, sondern Likör.

Die Kunst des Kelterns von Äppler und Obstwein kannte Roland Schlitt schon von seinem Großvater und vom Vater her. Zum Obstler kam er, als die Mirabellen-Ernte alle Rekorde sprengte. Jahre später lernte er in Italien, wie Limoncello hergestellt wird. Zu Hause versuchte er es selbst, aber mit weniger Süße. Mit Erfolg: Sein Zitronenlikör ist in Hainhausen „Kult“.

Liköre sind als Mitbringsel gern gesehen

Auch andere Liköre sind als Mitbringsel gern gesehen. Eine beliebte Sorte ist die Kombination aus Blutorange und Sanddorn. Zurzeit experimentiert der Hobby-Likörmacher mit gerösteten und zerstoßenen Kakaobohnen. „Aber der Schokoladelikör gefällt mir noch nicht ganz“, sagt er selbstkritisch.

Die Obstmaische gärt in großen Fässern aus Kunststoff. Anfang nächsten Jahres bringt Roland Schlitt sie in die Brennerei.

Roland Schlitt nutzt ein altes Brennrecht aus der Kaiserzeit. Das so genannte Stoffbesitzer-Recht erlaubt Obstgärtnern, aus eigenen Früchten bis zu 50 Liter reinen Alkohol pro Jahr brennen zu lassen. „Damit wollte man den kleinen Obstbauern eine zusätzliche Einnahmequelle sichern“, sagt Schlitt. Allerdings ist dieses Recht regional begrenzt. Es gilt nur in den süddeutschen Ländern des Deutschen Reichs nach 1871, unter anderem im einstigen Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Das führt heute zu dem kuriosen Ergebnis, dass Stoffbesitzer zwar im Kreis Offenbach und in der Wetterau begünstigt sind, im Main-Kinzig-Kreis aber nicht. Das Gesetz ist kein Freibrief zum Schwarzbrennen: Eine professionelle Brennerei in Raunheim stellt den Obstler aus der vergorenen Maische her, die Roland Schlitt dort anliefert.

Für Kleinerzeuger gelten einfache Regeln

Für Kleinerzeuger gelten einfache Regeln. Die Branntweinsteuer bemisst sich nach der Maische und nicht nach dem fertigen Destillat. Statt Steuer zu bezahlen, könnte Roland Schlitt seinen Schnaps auch an den Staat verkaufen. Das käme für ihn aber nie in Frage: „Ich wäre ja ein Tor, wenn ich meinen guten Obstler der Monopolverwaltung andienen würde.

600 Liter Obstmaische gären in der Garage vor sich hin: Äpfel, Quitten und Steinobst. „Das ist die Hälfte dessen, was ich dürfte“, sagt der Hobbygärtner. Je zehn Liter Maische ergeben einen Liter trinkfertigen Schnaps: „Zum Selbertrinken zu viel und zum Reichwerden zu wenig.“

Quelle: op-online.de

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