Höhen und Tiefen im Rathaus erlebt

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Als strahlender Sieger wurde Alois Schwab am 12. Oktober 2003 gefeiert, auch von Ehrenbürger Paul Scherer.

Rodgau ‐ Am Ende fehlten 132 Stimmen zur Wiederwahl. Bürgermeister Alois Schwab (52) steht heute am Ende seiner Amtszeit und auf dem Sprung zu einer neuen beruflichen Herausforderung. Auf die Frage, welche Aufgabe auf ihn warte, hält er sich bedeckt. Von Ekkehard Wolf

„Auf jeden Fall nicht Politik“, sagte er neulich in einem Zeitungsinterview.

Der Blick zurück zeigt Höhen und Tiefen. Durch ein Traumergebnis kam Alois Schwab als Wunschkandidat der CDU auf den Chefsessel im Rathaus. Doch in den letzten Jahren seiner Amtszeit war er politisch isoliert.

Die „Rodgauer Verhältnisse“, die seit Jahren den Ruf der Stadt beschädigen, wurden lange in einem Atemzug mit dem Namen Schwab genannt. Was geht da in einem gebürtigen „Giesemer“ vor, der stets seine Heimatverbundenheit betont hat?

Als bejubelter „Profi-Stadtrat“ war der Diplomkaufmann von der damaligen CDU/FDP-Mehrheit im November 2001 in den hauptamtlichen Magistrat gewählt worden. Knapp zwei Jahre später gewann der CDU-Mann bei der Bürgermeisterwahl die Herzen der Rodgauer. Mit 59,9 Prozent verwies er seine Mitbewerber Jürgen Kaiser (SPD) und Winno Sahm (Grüne) auf die Plätze.

Den Bruch mit seiner Partei provozierte Alois Schwab im Mai 2006, als er in einem Anzeigenblatt forderte, auf die Stelle der Ersten Stadträtin zu verzichten. Damit stellte er sich offen gegen Beschlüsse der Parteigremien, CDU-Frau Hildegard Ripper wiederzuwählen. Bereits drei Monate zuvor war die Wiederwahl an einem Abweichler gescheitert. Dass nun auch der Bürgermeister seine Parteifreundin ablehnte, spaltete die CDU-Fraktion.

Die Amtszeit in Bildern

Rückblick auf die Amtszeit von Alois Schwab 

Für die CDU begann damit eine schmerzhafte Zeit, nicht nur, weil sie die Mehrheit im Stadtparlament einbüßte. Weder dem damaligen CDU-Kreisvorsitzenden Wolfgang Steiger noch Ehrenbürger Paul Scherer gelang es, wieder eine Brücke zwischen Alois Schwab und der Partei zu bauen. Es dauerte mehr als zwei Jahre, bis sich die CDU im Oktober 2008 von Schwab trennte: Er hatte einen Teil seiner Beiträge nicht mehr bezahlt.

Von einem Klima der Zusammenarbeit konnte man im Magistrat in dieser Zeit kaum noch sprechen. Das Echo der verbalen Ausfälligkeiten drang bisweilen sogar durch verschlossene Türen. Eine öffentliche Rüge der Magistratsmehrheit gegen den Bürgermeister war bis dahin in Rodgau beispiellos. Auch eine Missbilligung durch die Stadtverordnetenversammlung blieb ohne Folgen. Grassierender Frust in der Belegschaft hemmte unterdessen die Arbeitsfähigkeit der Stadtverwaltung.

Nach außen hin gab sich Alois Schwab weiterhin bürgernah. Er führte Kindergartengruppen durchs Rathaus, gratulierte Senioren zum Geburtstag und trug an Fronleichnam den Baldachin über der Monstranz. Sein Wählerverein „Zusammen mit Bürgern“ nutzte diese Beliebtheit, schürte die Parteienverdrossenheit und schreckte auch vor Drohgebärden gegen Andersdenkende nicht zurück. Am Ende hat es in der Stichwahl nicht gereicht.

Quelle: op-online.de

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