500 Euro pro Quadratmeter sind nicht mehr ungewöhnlich

Höhenflug der Grundstückspreise in Rodgau 

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710 Quadratmeter für 384.110 Euro: Neun Bewerber wollten diesen Bauplatz an der Karl-Sattler-Straße kaufen. Zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Gebot lagen 100.000 Euro.

Rodgau -  Baugrundstücke in Rodgau sind so teuer wie noch nie. Preise von mehr als 500 Euro pro Quadratmeter sind kein Einzelfall. Das bekommt auch die öffentliche Hand zu spüren – in positiver wie in negativer Hinsicht. Von Ekkehard Wolf 

Ein Rekord: Erstmals hat die Stadt Rodgau ein Grundstück für 541 Euro pro Quadratmeter verkauft. Neun Bewerber hatten sich für das Eckgrundstück Karl-Sattler-Straße 14 interessiert. Sie boten Quadratmeterpreise zwischen 400 und 541 Euro an. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Gebot lagen 100.000 Euro. Die Stadt bietet einzelne Bauplätze nicht zum Festpreis an, sondern im freien Bieterverfahren. Der Meistbietende bekommt den Zuschlag. Vier der neun Gebote für die Karl-Sattler-Straße 14 lagen bei 500 Euro und darüber. Der Magistrat verkaufte einen Teil der Fläche an ein Ehepaar, das ein paar Häuser weiter wohnt, und den anderen Teil an einen örtlichen Bauträger. Die Eheleute bauen ein Doppelhaus, die Frühwacht-Wohnbau GmbH ein einzelnes Haus. Das Eckgrundstück war ursprünglich als Grundfläche gedacht. Das Stadtparlament änderte den Bebauungsplan, sodass ein Bauplatz daraus wurde. Die 710 Quadratmeter brachten 384.110 Euro in die Stadtkasse.

Die Karl-Sattler-Straße ist nicht das teuerste Wohngebiet des Stadtteils. Der Bodenrichtwert beträgt dort 360 Euro pro Quadratmeter. Für Wohngrundstücke in Weiskirchen reicht die Spanne von 320 bis 380 Euro. Ein Gutachterausschuss ermittelt diese Werte auf der Grundlage der Preise, die bei Grundstücksgeschäften erzielt wurden. Jeder Verkaufspreis, der höher liegt, treibt den Richtwert weiter nach oben. Ende 2014 hatte die Stadt erstmals die Preisgrenze von 500 Euro erreicht. Damals verkaufte sie das Grundstück Eugen-Roth-Straße 7 in Jügesheim. Es war ursprünglich als Spielplatz vorgesehen. Jetzt steht dort ein stattliches Wohnhaus.

Zweieinhalb Jahre später ist dieses Preisniveau nicht mehr ungewöhnlich. Für den Falkenweg 2 a in Hainhausen erzielte die Stadt 510,26 Euro je Quadratmeter. Das sind satte 40 Prozent mehr als der Bodenrichtwert von 360 Euro. Der kleine Kinderspielplatz, der sich dort befindet, soll bis zum Herbst erhalten bleiben. Die Hälfte des Erlöses von 174.000 Euro fließt nach dem Spielplatzkonzept von 2011 in die Ausstattung anderer Spielflächen. Ein Beispiel: Der Mini-Spielplatz „Auf dem Brühl“ an der Rodau in Hainhausen soll demnächst zu einem größeren Erlebnisraum werden.

Beim Verkauf von Bauplätzen profitieren die Stadt und ihre Steuerzahler von den hohen Preisen. Die Kehrseite: Wenn die öffentliche Hand ein Grundstück erwerben will, muss sie ebenfalls mehr bezahlen. So ist das gerade in Weiskirchen, wo die Stadt eine weitere Kindertagesstätte bauen muss. Das Stadtparlament entscheidet am Montag, 26. Juni, über den Kauf eines Grundstücks an der Ecke Hauptstraße /  Hoher Nickel für eine runde Million. Das sind 510 Euro pro Quadratmeter, obwohl der Bodenrichtwert 360 Euro beträgt. Dennoch hält der Magistrat den Preis für marktgerecht. Er schlägt vor, die Fläche stärker auszunutzen, und plant über der Kindertagesstätte zwei Etagen mit Wohnungen.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Damit die Grundstückspreise nicht allzu schnell in die Höhe schießen, hat die Stadt eine Bremse eingebaut. Seit 2011 lässt sie Neubaugebiete von der Hessischen Landgesellschaft (HLG) entwickeln. Die staatliche Treuhandstelle kauft Flächen in künftigen Baugebieten an, erschließt sie und verkauft dann die Bauplätze. „Ankauf und Verwertung des Vorratslandes müssen zu Bedingungen erfolgen, die zur Bodenpreisdämpfung, zumindest aber zur Preisstabilisierung beitragen“, heißt es in der Bodenbevorratungsrichtlinie des Landes Hessen. Beim Verkauf sei „der kostendeckende Mindestverkaufspreis anzustreben“.

Die HLG kalkuliert so, dass der Verkaufspreis in der Regel nicht über dem Bodenrichtwert liegt. Eine Variable in dieser Gleichung ist der Ankaufpreis für die Flächen vor der Umlegung. Diesen Preis legt die Stadtverordnetenversammlung fest. Er lag bisher bei 65 Euro je Quadratmeter. Für das geplante Baugebiet „Hinter dem Dell“ (D 24) an der Claus-von-Stauffenberg-Schule beschloss das Stadtparlament auf Antrag der CDU ebenfalls einen Preis von 65 Euro, obwohl die HLG wegen einer Sanddüne im Gebiet nur 60 Euro pro Quadratmeter vorgeschlagen hatte. Kritiker dieser Entscheidung sprachen von einem „Sündenfall“, der höhere Verkaufspreise zur Folge haben werde.

Quelle: op-online.de

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