Der Höhepunkt heißt „Ausverkauft“

Jügesheim (eh) ‐ Die großen Stars der letzten 50 Jahre brachte er auf die Bühne: die Jazzsängerin Ella Fitzgerald, den Gitarristen Jimi Hendrix, die Rolling Stones … und auch die Rodgau Monotones.

Erinnerungen wurden wach, als der legendäre Konzertveranstalter Fritz Rau am Mittwoch in der Aula der Georg-Büchner-Schule über sein Lebenswerk sprach. Der Mann, der rund 6000 Konzerte veranstaltete, hat vielen Millionen Menschen unvergessliche Erlebnisse geschenkt.

Einige davon bekam er in der Autogrammstunde zurückgespiegelt. So erzählte Stadtrat Jürgen Hoffmann von jenem denkwürdigen Open-air-Festival im Müngersdorfer Stadion, als Fritz Rau ans Mikrofon trat und das Publikum anbrüllte, um die Buhrufe gegen Peter Maffay zu stoppen. Ingeborg Neander erinnerte sich an ein Konzert von Ella Fitzgerald in der Jahrhunderthalle, das sie als Pressefotografin besucht hatte: „Auf einmal bekam ich einen Blumenstrauß in die Hand gedrückt und sollte auf die Bühne, um Ella zu danken.“

Jeder der rund 70 Besucher am Mittwoch hatte sein persönliches Fritz-Rau-Erlebnis mitgebracht. Und der langjährige Impresario ließ sie spüren, dass er sich an jedes einzelne Konzert erinnerte.

Bereits zur Begrüßung hatte es der Gast aus Bad Homburg verstanden, sein Publikum für sich einzunehmen: „Für mich ist Rodgau eine besondere Gemeinde und ich schäme mich, dass es 80 Jahre gedauert hat, bis ich endlich hier aufgelaufen bin.“ Er würdigte die Rodgau Monotones als Gewinn für die deutsche Rockszene und gratulierte der Georg-Büchner-Schule zu ihrer talentierten Bigband um Willy Spahn.

Humor und Selbstironie

Mit Humor und Selbstironie erzählte Fritz Rau über seine frühen Jahre („Deutschlands schlechtester Jazzbassist“) und den Weg ins Musikbusiness getreu dem Grundsatz: „Lieber hinter der Bühne die Nummer eins als auf der Bühne der Depp.“ Hatte er als Jurastudent die 1 400 Karten für sein erstes Jazzkonzert 1955 in der Heidelberger Stadthalle noch einzeln und persönlich an den Mann gebracht, so füllte er später mühelos ganze Fußballstadien.

Fritz Rau wird auf seinen Lesereisen seit 2006 von dem Dr. Jürgen Schwab (Hanau-Steinheim) begleitet. Er erwies sich auch in Jügesheim als sensibler und virtuoser Gitarrist. Foto: Wolf

Der Ausverkauf eines Konzerts ist ein Orgasmus für den Konzertveranstalter“, verriet er, „und ich habe mich 50 Jahre lang bemüht, dieses prickelnde Erlebnis möglichst oft schon im Vorverkauf zu erreichen.“ Damals in Heidelberg entdeckte der Konzertagent Horst Lippmann Raus Talent als „Kofferträger“. Doch erst als der junge Jurist seine Zulassung als Rechtsanwalt hatte, bot Lippmann ihm eine 50/50-Partnerschaft an. Daraus entstand ab 1963 einer der ganz großen Konzert- und Tourneeveranstalter.

In gut zwei Stunden gab Fritz Rau am Dienstag einen Überblick über ein erfülltes Leben im Dienst der „Demokratisierung der Musik“ und Einblicke in den Backstage-Bereich. Er erzählte auch wenige private Szenen - etwa vom Gitarren-Gott Jimi Hendrix, der ganz vorsichtig einen aufgescheuchten Vogel aus seinem Haarschopf befreite, und von Bruce Springsteen, der lieber Hamburger als Nouvelle Cuisine speist.

Wer mehr Anekdoten erfahren will, muss schon das Buch kaufen: die 2005 erschienene Autobiographie „50 Jahre Backstage“. Gekonnt pries der 79-Jährige zum Schluss des Vortrags sein Buch und die CDs seines Musikerfreundes Dr. Jürgen Schwab an: „Nehmen Sie mir das nicht übel“, bat er zum Schluss, „ich habe Millionen Eintrittskarten verkauft, ich kann halt nicht anders.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Wolf

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