Im Hofladen der Familie Kühnle ist jetzt Hochsaison

Kürbisse gedeihen derzeit prächtig

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Schwere Früchte bedeuten Schwerstarbeit: Stefanie und Volker Kühnle müssen kräftig zupacken bei der Ernte.

Dudenhofen - „Golden Hubbard“, „Autumn Crown“, „Sweet Lightning“: Auf Dudenhofens Feldern wachsen Kürbisse mit malerischen Namen. 65 Sorten ziehen der Nebenerwerbslandwirt Volker Kühnle und seine Frau Stefanie groß. Von Bernhard Pelka 

Und das im wahrsten Wortsinn, denn manche Exemplare werden 50 Kilo schwer. Da kann Halloween ruhig kommen. Ein gezielter Schnitt mit der Astschere – und schon kann die Ernte beginnen. Stefanie und Volker Kühnle packen den Kürbis, tragen ihn mühsam zum Anhänger an ihrem Wagen. „Jetzt muss er nur noch gewaschen werden, dann kann er im Hofladen ins Regal“, beschreibt der Nebenerwerbslandwirt die weiteren Arbeitsschritte. Für das Dudenhöfer Ehepaar beginnt die Kürbissaison schon im Januar. „Dann suchen wir das Saatgut aus. Jedes Jahr aufs Neue.“ Das soll tragische Unfälle verhindern, wie einer davon im Herbst 2015 Schlagzeilen machte. Einem 79-Jährigen aus Heidenheim war damals selbst gezogenes Gartengemüse zum Verhängnis geworden. Der Senior starb nach dem Verzehr eines Zucchini-Auflaufs.

Die Zucchini zählt zu den Kürbissen und kann den Bitterstoff Cucurbitacin entwickeln, der den Magen- und Darmtrakt vergiftet: Lebensgefahr! Das Gift entsteht hauptsächlich durch das Nachziehen der Zucchinis aus alten Samen. Durch die mehrfache Reproduktion aus alten Kernen steigt der Anteil des Giftstoffes in der Pflanze. „Deshalb kaufen wir die Samen immer neu“, sagt Stefanie Kühnle. Auf Ackerstreifen von insgesamt 1,5 Hektar pflanzt sie Kürbisse an, die derzeit im Hofladen an der Nieder-Röder-Straße weggehen wie warme Semmeln. Zwischen den Pflanzstreifen stehen Sonnenblumen oder meterhohes Chinagras, das aktuell in der Blüte steht. Damit Bienen und Vögel etwas zum Futtern haben.

Von Kindern bis Senioren – alle wollen Kürbisse. Schon zweimal zu Besuch im Laden war zum Beispiel die Kinderfeuerwehr Obertshausen. Die Kürbisexpertin hat mit den Kindern dann die knallorangen Feldfrüchte mit Messern bearbeitet. Beim jüngsten Krautschneidefest des Gewerbevereins war hingegen Malen angesagt – „Der Sicherheit wegen“. Für solche Mal-Aktionen hält die Fachfrau praktische Schablonen bereit. „Die Kinder wollen ja einen schnellen Erfolg erzielen.“

Welche Kürbissorte was kann

Von 500 Gramm bis 50 Kilo und mehr, orange, gelb, grün, mit glatter Haut oder runzeliger, länglich oder rund: Die Ware im Hofladen hat viele Formen und Farben. Ebenso vielfältig sind die Verwendungsmöglichkeiten. Man kann Kuchen und Muffins draus machen, die Frucht süß oder sauer einlegen. Gut geht derzeit Stefanie Kühnles komplett gepackte Zutaten-Tüte mit einem Kürbis, Zwiebeln, einer Kartoffel, einer Dose Kokosmilch und Gemüsebrühenpulver. Daraus wird dann eine leckere Suppe.

Gefragt sind auch kleine Kürbisse, die in der Küche nicht viel Arbeit machen – sogenannte Mikrowellenkürbisse: „Deckel abschneiden, Kerne raus, zehn bis zwölf Minuten in die Mikrowelle, dann können Sie ihn auslöffeln.“

Verglichen mit den zwei zurückliegenden Jahren, die zu kalt und zu nass waren, ist die neue Ernte sehr gut. In der Vergangenheit war nicht nur Fäulnis ein Problem, sondern es flogen auch die Bienen nicht in der entscheidenden Zeit. Die Blüten wurden nicht bestäubt – das war’s mit der Ernte. Aktuell sieht das alles viel besser aus. „Hokkaido“, „Harlekin“ & Co. gedeihen prächtig. Das nutzen leider auch Diebe. Jedesmal, wenn Volker Kühnle nach seiner eigentlichen Arbeit bei der Stadt zu seinem Feld kommt, stehen dort Kürbisse schon zum Abtransport am Rand bereit. „Solcher Schwund ist heute leider normal, damit muss man rechnen. Die Leute haben keinen Respekt mehr. Aber soll ich mich darüber noch aufregen?“, fragt der Hobbybauer trocken. Dann greift er sich die Astschere und trennt den nächsten Kürbis von seiner Wurzel. Damit sich die Regale im Hofladen schnell füllen.

Quelle: op-online.de

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