Holz vor der Hütte

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Die Dudenhöfer Holzversteigerung steht bevor. Was heute ein netter Zeitvertreib ist, war früher ein hartes Brot. Daran erinnern sich Günter Kratz (links) und Wolfgang Walter noch genau. Sie haben alte Abfuhrscheine von damals aufgehoben.

Dudenhofen ‐ Die Holzversteigerung des Gesangvereins Germania, die auch in diesem Winter wieder am zweiten Samstag im Januar Tausende an die kokelnden Holzscheite locken wird, heißt nicht umsonst „Historische Holzversteigerung“. Von Andreas Pulwey

Schließlich holten sich die Dudenhöfer schon vor Jahrzehnten beim Förster ihre Holzabfuhrscheine. Damals waren Versteigerungen ernste Angelegenheiten, ging es doch darum, die Familie möglichst kostengünstig und warm über den harten Winter zu bringen.

Wer heute von der Holzversteigerung am Naherholungsgebiet Gänsbrüh ohne ersteigerte Ware zurückkehrt, auf den wartet zu Hause trotzdem ein warmes Heim. Moderne Heizungen machen das möglich. Vor 60 Jahren sah das noch ganz anders aus. Da standen einmal jährlich - meist im Januar und Februar - zwei bis drei Dutzend Leute im Wald, trafen sich mit dem Förster und kauften Raummeter Holz.

„So schön wie heute war das Holz nicht“, erinnern sich Günter Kratz und Wolfgang Walter vom Männergesangverein, die das Treiben im Wald als Kinder erlebten. Das war damals so genanntes Knüppelholz, die Äste der Baumkronen, die es für den Heimtransport noch zu zerkleinern galt. Die Baumstämme kamen zum Bahnhof, um in Bergwerken als Deckenstütze die Kumpel zu schützen.

Wer sich die gut und gerne 20 Mark für das Knüppelholz nicht leisten konnte, für den blieb noch der Leseschein. Dann galt es alle noch so dünnen Ästchen zwischen den Bäumen aufzulesen, damit der Ofen Zuhause etwas zu verfeuern hatte. Und wehe dem, der mit Axt oder Beil sich doch etwas vom großen Kuchen abschneiden wollte: Da war der Förster ganz genau, kontrollierte und sprach in dem ein oder anderen Fall auch Sammelverbote aus.

Heute sind für den Raummeter keine 20 Mark mehr zu berappen, sondern etwa 65 bis 70 Euro, schätzt Wolfgang Walter. Für den Kachelofen oder den offenen Kamin zuhause bieten die Germanen am 8. Januar überwiegend Buchenholz an, das spritzt nicht so sehr. Und wenn es drei Jahre trocken gelagert wurde, steht der Romantik im heimischen Wohnzimmer nichts mehr im Wege.

Quelle: op-online.de

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