Peilsender

Holzdieben auf der Spur

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Der Leiter des Forstamts Langen, Christian Münch, zeigt das Modell eines Senders, wie sie jetzt in Holzstapeln versteckt werden. Das Gerät ist so groß wie eine Streichholzschachtel und soll Dieben das Handwerk legen. Holzdiebe schädigen den Landesbetrieb Hessen-Forst jährlich um bis zu eine Million Euro.

Rodgau - Es geschieht meist nachts, manchmal aber auch ganz frech am helllichten Tag. Holzdiebe fahren im Rodgauer Wald mit Pkw und Anhänger vor und laden auf, was sie am Wegesrand auf die Schnelle finden. Von Bernhard Pelka

Ganz abgebrühte nehmen sich sogar die Zeit, um ihre Beute vor dem Abtransport mit der Kettensäge in ofengerechte Stücke zu schneiden. Das Forstamt Langen schlägt jetzt zurück und versteckt Peilsender in Holzstapeln.

Der GPS-Sender quetscht sich mühelos in Spalten, er duckt sich unter der Rinde und ist damit so gut wie unsichtbar. Sobald sich das Holz bewegt, wird die Technik aktiv. „Der Sender übermittelt dann die Geokoordinaten im Minutentakt. Und das bis auf zehn Meter genau“, erläutert Forstamtsleiter Christian Münch. Auch im Rödermärker Wald sollen die Sender zum Einsatz kommen.

Viele Kleinmengen Holz kommen weg

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Zu dieser Jahreszeit liegt im Forst traditionell am meisten bearbeitetes Holz. Denn die Forstarbeiter haben bis zum Beginn der Brut- und Setzzeit nochmal richtig Gas gegeben. Also viel potenzielle Beute für Ganoven.

„Richtig große Mengen sind hier noch nicht weggekommen, aber viele Kleinmengen“, beschreibt Münch die Lage. Die neuen Sender sollen abschrecken und den Schaden mindern. Dieser liegt hessenweit bei mehr als einer Million Euro. Parallel zu den steigenden Gas- und Ölpreisen wird auch Brennholz immer begehrter. „Damit ergibt sich ein größeres Absatzpotenzial für Kriminelle“, wird die Pressesprecherin beim Landesbetrieb Hessen-Forst, Petra Westphal, in den Medien zitiert. Zwar haben neue Abgasvorschriften den Boom bei Kaminöfen ein wenig gebremst. Trotzdem steht bald in jedem Wohnzimmer einer - natürlich mit Rußpartikelfilter. Entsprechend viel Holz muss beschafft werden. Das geschieht in der Regel legal. 70 000 Kubikmeter Brennholz verkauft Hessen-Forst alljährlich im Landkreis Offenbach. 58 Euro kostet der Festmeter Langholzsortiment am Weg. Wer einen Holzleseschein besitzt und Kronenholz aufarbeitet, zahlt pro Kubikmeter nur 28 Euro. „Holz ist ein wertvolles Gut geworden“, sagt Diplomforstwirt Münch. Und es brennt gut. Die Heizleistung von einem Raummeter Laubholz entspricht 220 Litern Heizöl.

Riesige Nachfrage nach Holzlesescheinen

Die Nachfrage nach Holzlesescheinen ist deshalb riesig. „Die Sprechstunden der Revierförster sind brechend voll“, erläutert der Forstamtsleiter. Wird das Holz jetzt langsam knapp? Münch: „Nein. Wir können die aktuelle Nachfrage problemlos bedienen. Die Kunden müssen sich nur auf andere Sortimente einstellen.“ Bedeutet: In Rodgau ist die Kiefer dominant. Wer Buche möchte, muss andernorts Holz machen. Der Griff zur Kettensäge wird immer beliebter. „Für viele ist das ein Event. Holzmachen ist für sie das letzte Rückzugsgebiet der Männlichkeit“, beschreibt Münch einen Aspekt dieses Trends. Er hat freilich auch eine wirtschaftliche Seite.

Kein Spaß ohne Bürokratie: Wer sägen will, braucht einen Motorsägeschein, die Erlaubnis des zuständigen Forstamts und Schutzkleidung: Helm mit Gesichtsschutz, Sicherheitsschuhe und eine schnittsichere Hose.

Quelle: op-online.de

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