100 bis 150 Kiefern pro Hektar

Farbige Ringe für die Holzernte

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Diese Kiefer soll 140 Jahre alt werden: Forstamtsleiter Christian Münch (links) und Peter Kämmerling vom städtischen Fachdienst Umwelt und Stadtplanung an einem Zukunftsbaum.

Rodgau - Kunst am Baum? Farbige Linien an den Baumstämmen breiten sich im Wald aus - orange, weiß und schwarz. Es handelt sich um Markierungen für die Forstwirtschaft. Die Holzernte steht bevor. Von Ekkehard Wolf 

300 Meter vom Kieswerk am Rodgau-See entfernt sind Förderbänder und Rüttelsiebe nicht mehr zu hören. Am Heusenstammer Weg steht eine Reihe an Roteichen, die einst als Schutzschneise für den Fall eines Waldbrandes gepflanzt wurde. Dahinter erstreckt sich ein Kiefernwald. Die Sonne tanzt über das Moos, das den weichen Waldboden bedeckt. Es ist Pilzzeit - man kann es riechen. Natur und Erholung sind zwei wichtige Funktionen des Waldes. Die dritte heißt: Forstwirtschaft. Mit 2000 Hektar ist der Stadtwald Rodgau der größte kommunale Forstbetrieb im Kreis Offenbach, wie Bürgermeister Jürgen Hoffmann berichtet. Ende September beginnt die Zeit der Holzfäller. Bis zum 1. März sollen sie 12.600 Festmeter Holz „ernten“. Das sind rund 9.000 Tonnen oder 400 bis 500 Lastwagenladungen, rechnet Hoffmann vor. Etwa 30 Prozent der Arbeit erledigen die vier Forstwirte in städtischen Diensten. Der große Rest wird in Lohnarbeit mit riesigen Maschinen (Harvestern) gemacht.

An vielen Bäumen sind orangerote, schwarze und weiße Markierungen zu sehen, wie hier in der Nähe des Kieswerks Kaspar Weiss.

Dennoch spricht der Bürgermeister von einer nachhaltigen Forstwirtschaft. Der Stadtwald produziert mehr Biomasse als die Holzfäller ernten. Zudem werden neue Bäume gepflanzt, in nächster Zeit besonders Eichen. Die farbigen Striche an den Stämmen sind Wegweiser für die Waldarbeiter. „Die Förster versuchen die Wertträger zu lokalisieren“, erklärt Christian Münch. Er leitet das Forstamt Langen, das auch für Rodgau zuständig ist. Als besonders wertvoll gelten Bäume, die eine hohe Holzqualität erwarten lassen, also kerzengerade wachsen und viel Substanz haben. Gleichzeitig müssen sie vital und stabil sein. „Die dicksten Bäume sind meist auch die vitalsten“, erklärt Münch. Die Förster nennen sie „Zukunftsbäume“ und markieren sie mit einem schwarzen Ring. In einem Hektar Kiefernwald stehen 100 bis 150 Zukunftsbäume. Sie sind etwa zehn Meter voneinander entfernt. Laubbäume brauchen mehr Abstand, deshalb werden in Eichen- und Buchenwäldern auch nur 80 Bäume pro Hektar schwarz markiert.

Wachstum fördern, indem Konkurrenten entfernt werden

Die Förster fördern das Wachstum der Zukunftsbäume, indem sie Konkurrenten entfernen. Wer ihnen Licht, Wasser und Nährstoffe streitig macht, muss weg. Diese Bäume erhalten einen orangeroten Strich. Sie werden in den nächsten Monaten gefällt. Weiße Linien im Wald kennzeichnen die Rückegassen, auf denen die Stämme aus dem Wald gezogen werden. Die Harvester haben sechs bis acht Ballonreifen, um den Druck auf den Waldboden gut zu verteilen. Jeder Waldbestand wird etwa alle acht bis zehn Jahre durchforstet. Die Stämme werden zu Bau- und Konstruktionsholz verarbeitet. Aus dem dünnen Holz werden Spanplatten für die Möbelindustrie oder Holzpellets zum Heizen hergestellt. Aus der Rinde wird Rindenmulch. Zweige, Kiefernnadeln und Blätter bleiben im Wald liegen. Sie liefern Nährstoff, wie Peter Kämmerling erläutert. Er leitet den städtischen Fachdienst für Umwelt und Stadtplanung. Vor Beginn der Holzernte hat die Stadt erstmals den Naturschutzbund gebeten, Ameisenhügel und andere wertvolle Naturbestandteile zu kennzeichnen.

Ein Pfad in den Baumwipfeln

Baumwipfelpfad im Nationalpark Bayerischer Wald

Kämmerling bückt sich und trägt ein Insekt auf einem Stückchen Moos zur Seite, ob es vor dem neugierigen Hund des Forstamtsleiters zu schützen. „Eine Hummelkönigin“, erklärt er. Kurz darauf hüpft ein Laubfrosch vorbei. Auf dem Weg aus dem Wald gibt es noch allerlei Pilze zu entdecken, darunter einen seltenen Tintenfischpilz. Er hat rote Tentakeln, stinkt mächtig und ist ungenießbar. Ein Waldspaziergang mit Fachleuten ist eben etwas Besonderes. Sie sehen einfach mehr.

Quelle: op-online.de

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