Der Pflanzensaft dient Insekten gleichsam als Flugbenzin

Hornissen tanken am Fliederstrauch

Rodgau - Maria Ritter hat in ihrem Garten in Nieder-Roden imposante Gäste. Regelmäßig knabbern Hornissen dort an der Rinde des Schmetterlingsflieders.

Unsere Zeitung hat bei Andreas Pulwey (Naturschutzbund Nabu) und dem Jügesheimer Wespen-Experten Peter Tauchert nachgefragt, was es damit auf sich hat.

Wer solch eine Beobachtung macht, muss nicht in Panik geraten. Die Hornissen befinden sich im Flieder außerhalb ihres Nests. Sie müssen deshalb nichts verteidigen und sind somit auch nicht aggressiv. Hornissen und Wespen benötigen kohlehydrathaltige Nahrung als Kraftspender fürs Fliegen. Beim so genannten „Ringeln“ knabbern die Insekten an jungen Zweigen im Flieder die Rinde ab und lecken den dabei austretenden, kohlehydrathaltigen Pflanzensaft auf: Flugbenzin! An einigen Zweigen entstehen zwar größere Wunden, die später jedoch wieder überwallen. Das Gehölz nimmt also keinen Schaden.

Fakten:

- Hornissen stehen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Sie werden bis zu 3,5 Zentimeter groß und leben in Staaten von bis zu 900 Individuen.

- Im Herbst stirbt das gesamte Volk, bis auf die zuletzt geschlüpften Königinnen. Diese überwintern an geschützten Stellen und gründen im Frühjahr einen neuen Staat. 

- Verhaltens-Tipps: Tiere in Ruhe lassen, Mindestabstand vom Nest zwei Meter und keine hektischen Bewegungen. Nicht in das Nest pusten oder die Flugbahn verstellen.

- Dass ein Mann von drei Hornissenstichen stirbt, ist falsch. Selbst ein Kind ist erst nach 100 Stichen lebensbedrohlich verletzt. 

- Infos vom Hautflügler-Experten Peter Tauchert unter www.aktion-wespenschutz.de

In den letzten 20 Jahren hat sich der Hornissenbestand nicht nur in Rodgau, sondern auch bundesweit gut erholt. „Das Jahr 2012 war allerdings ein sehr schlechtes Hornissenjahr“, sagt Tauchert. 2013 wurde er bisher 27 Mal wegen Hornissen befragt. „Vier Hornissenmeldungen hatte ich in Rodgau; aus den Stadtteilen Hainhausen, Nieder-Roden und zweimal Jügesheim.“ Gras und Holz interessieren Hornissen gewöhnlich nicht. Es sei denn morsches Holz, das zum Nestbau zerkaut und dabei eingespeichelt wird. Die Pappmacheartige Masse wird zur Nesthülle oder für den Wabenbau verwendet. Gesundes Holz wird nicht angefressen.

„Hornissen fressen hingegen gern Stechmücken und Wespen. Mit dem Hornissennest im Garten hat man jedenfalls deutlich weniger Wespen auf seinem Pflaumenkuchen als die Nachbarn“, versichert Andreas Pulwey. Ratschläge im Umgang mit den Flugtieren sind: Aufpassen, Tiere in Ruhe lassen, mindestens zwei Meter vom Nest wegbleiben und keine hektischen Bewegungen. Dass ein Mann von drei Hornissenstichen stirbt, ist falsch. Selbst ein Kind ist erst nach 100 Stichen lebensbedrohlich verletzt. Unter www.aktion-wespenschutz.de stehen weitere Informationen.

Bei störenden Nestern im Haus und Garten ist zuerst das Umweltamt der Stadt Rodgau anzurufen (6931350 oder 1351). bp

Quelle: op-online.de

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