Hunde, Theater und Anlaufstellen im Haushaltsloch

Rodgau ‐ Die Anlaufstellen der Stadtteile machen zu, die Hundesteuer soll steigen, Theaterkarten sollen teurer werden, die Seniorenfahrt mit dem Dampfer „Franconia“ wird möglicherweise durch einen Busausflug ersetzt: Ebbe in der Stadtkasse lässt für die Bürger eine Reihe an Zumutungen erwarten. Von Ekkehard Wolf

Eine „Liste der Grausamkeiten“ enthält das Konsolidierungskonzept zum Haushalt 2010, das Erste Stadträtin Hildegard Ripper vorgelegt hat. Das Stadtparlament entscheidet darüber in der Sitzung vom 22. bis 24. Februar. Den Umfang ihres Sparpakets beziffert Ripper mit rund 850.000 Euro. Der Haushaltsplan weist ein Rekorddefizit von 15 Millionen aus.

Service

  • Die Anlaufstellen der Stadtteile werden am 30. Juni geschlossen.
  • Die vier Angestellten erhalten andere Aufgaben in der Verwaltung.
  • Service-Leistungen wie Ausweise, Einwohnermeldeamt, Theater- und Strandbadkarten gibt es dann nur noch im Rathaus.
  • Das Bürgerbüro soll erweitert werden. Wann und wie, ist noch offen.

Eine Entscheidung ist bereits getroffen: Nach mehr als 30 Jahren schließt die Stadtverwaltung ihre Anlaufstellen in den Stadtteilen am 30. Juni. Das hat der Magistrat zwar am 7. Dezember letzten Jahres beschlossen, aber den Bürgern noch nicht mitgeteilt. Der Beschluss versteckt sich auf Seite 17 des Konsolidierungskonzepts. Angeblich sind die Außenbüros weniger gefragt. Exakte Zahlen waren gestern im Rathaus nicht zu erfahren. Der Verzicht auf den dezentralen Bürgerservice soll die Stadt um 25.000 Euro pro Jahr entlasten.

Eine halbe Million will die Stadtkämmerin bei der Gebäudesanierung einsparen. Bereits jetzt besteht ein erheblicher Sanierungsstau.

Personal

  • 48 Planstellen hat die Stadt von 2000 bis 2009 abgebaut.
  • Viele freiwillige Leistungen wurden 2009 gestrichen: übertarifliches Urlaubsgeld (maximal 76,70 Euro), Gratulation zur Hochzeit (102,26 Euro) und zur Geburt eines Kindes (51,13 Euro), Zuwendung bei Jubiläen.
  • Ab 2010 haben Geburtstagskinder nachmittags nicht mehr frei.
  • Was bleibt: Betriebsausflug und ein freier Nachmittag an Fastnacht.

Mehreinnahmen 30.000 Euro erwartet Hildegard Ripper von einer Erhöhung der Hundesteuer auf den Kreisdurchschnitt. Derzeit liegt Rodgau mit 30,68 Euro auf einem der hinteren Plätze; Rödermark verlangt 60 Euro, der Durchschnitt im Kreis Offenbach beträgt 45,36 Euro. Ein Preisaufschlag bei den Theaterkarten soll 11.000 Euro in die Kasse bringen. Auch kleine Beträge stehen auf dem Prüfstand, so zum Beispiel die Seniorenfahrten auf der „Franconia“. Ein Busausflug in die Rhön wäre etwa 4000 Euro billiger.
Am Ziel einer „schlanken Verwaltung“ will Hildegard Ripper festhalten. Auch künftig solle die Stadt Dienstleistungen an private Dritte vergeben, wenn dadurch Kostenvorteile zu erzielen seien.

Theater

  • Theaterkarten werden zur Saison 2010/2011 teurer, weil sich die Stadt einem überregionalen Ticketverkaufssystem anschließt. Dadurch fallen Vorverkaufsgebühren an (12,85 % plus 85 Cent je Karte). 
  • Darüber hinaus regt das Konsolidierungskonzept eine Preiserhöhung um zwei Euro je Karte an. 
  • Seit 2003/2004 kosten Theaterkarten 14 bis 18 Euro, Kleinkunst und Kabarett 11 bis 13 Euro.

„Massive Einbrüche bei den Steuereinnahmen“ nennt die Kämmerin als größtes Problem: „Mehr als fünf Millionen Euro fehlen im Vergleich zu 2009.“ Mit Sparsamkeit könne man diese Lücken nicht wettmachen, redet die CDU-Politikerin ihren Parteifreunden in Wiesbaden und Berlin ins Gewissen: „Den Kommunen gehört durch eine Gemeindefinanzreform auf die Beine geholfen. Alleine schafft das keine Kommune mehr.“

Quelle: op-online.de

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