„Ihr könnt jetzt ruhig ausflippen“

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Ehre, wem Ehre gebührt (von links): Hendrik Nachtsheim, Joachim Becker, Kerstin Pfau, Albrecht Neander, Raimund Salg, Matthias Dörsam, Peter Osterwold und Jürgen Böttcher mit Stadtverordnetenvorsteherin Anette Schweikart-Paul.

Rodgau - Sie ist handtellergroß, ziemlich gewichtig und glänzt wie Gold: Die Bürgermedaille trägt vorne das Stadtwappen, auf der Rückseite die alten Ortswappen der fünf Stadtteile und die Inschrift „Für besondere Verdienste“.  Von Ekkehard Wolf

Die höchste Auszeichnung, die die Stadt Rodgau nach der Ehrenbürgerwürde aussprechen kann, wurde am Donnerstag in der Aula der Georg-Büchner-Schule erstmals vergeben - und das gleich sieben Mal. Die Stadt würdigt damit die positive Außendarstellung durch die Rockband „Rodgau Monotones“: Eine unbezahlbare Imagewerbung und gleichzeitig ein Bekenntnis zur hessischen Mundart.

Eine Premiere erlebte auch das Goldene Buch, das die Stadt Rodgau auf Anregung unserer Zeitung anfertigen ließ. Die Musiker durften sich auf der ersten Seite verewigen. Autogramme für Fans gab‘s nach der Feierstunde im Foyer.

Die nächsten Live-Auftritte der Band im Kreis Offenbach sind am 2. Juni in Dreieichenhain auf der Kerb und am 29. August in Neu-Isenburg im Biergarten „Treffpunkt“.

Die Monotones seien für Rodgau ein „Werbe- und Marketingfaktor von unschätzbarem Wert“, würdigte Stadtverordnetenvorsteherin Anette Schweikart-Paul in ihrer Lobrede. Das könne man auf Reisen überall erleben: „Man hat das Gefühl, das Ansehen der Stadt steigt sofort, wenn man ihren Namen nennt.“

Ist die Stadt so alt wie die Band - oder ist die Band so alt wie die Stadt? Diese Frage ließ die Rednerin offen. Klar ist jedenfalls, dass Rodgau und die Monotones das Gründungsjahr 1977 gemeinsam haben. Während die fünf Stadtteile sich mühsam zusammenrauften, brachten es die fünf Musiker aus dem Keller am Leipziger Ring zu bundesweiter Bekanntheit. Ihr Song „Die Hesse komme“ von 1984 gilt als inoffizielle Hessen-Hymne und ist weitaus bekannter als das offizielle Hessenlied.

"Für besondere Verdienste" steht auf der Medaille.

Auch wenn die angekündigte Multimedia-Show über drei Jahrzehnte „Rodgau Monotones“ an technischen Pannen scheiterte, brachten es die Veranstalter fertig, in nur zwei Songs zwei Meilensteine der Band-Geschichte darzustellen: „Ei gude wie“ (1983) und „Ein Leben für Lärm“ (2008) aus dem Unplugged-Konzert vom Mai 2008 beim Hessischen Rundfunk. Da riefen etliche Fans im Saal auf das Handzeichen von Sänger Peter Osterwold das fehlende Wort: „Ich will Rock, nur Rock, auf alles andere hab‘ ich im Moment überhaupt kein‘ - Bock!“

Grund zum Lachen hatten alle Geehrten, auch der frühere Sänger und Saxophonist Henni Nachtsheim. Anstelle der Bürgermedaille erhielt er den so genannten „Rodgautaler“, den es normalerweise als Dreingabe zum Landesehrenbrief gibt.

Aber ein Ehrenabend ist nun mal kein Rockkonzert, auch wenn man sich noch so sehr um eine lockere Atmosphäre bemüht. Die GBS-Bigband von Willy Spahn hatte ihre fetzigsten Stücke mitgebracht, die Stadtverordnetenvorsteherin übte sich in Selbstironie („Bei der Einladung wurde einfach Querformat mit Hochformat verwechselt“) und die zu Ehrenden überspielten spontan eine peinliche Pause: Sie kletterten einfach gemeinsam auf die Bühne, als sie laut Programm an der Reihe waren. „Eigentlich hatten wir ja vor, sie einzeln aufzurufen“, versuchte Bürgermeister Alois Schwab den protokollarischen Fauxpas auszubügeln.

Laut und rockig eröffnete die Bigband der Georg-Büchner-Schule den Abend. Musiklehrer Willy Spahn: „Die ganzen Swingstücke haben wir heute weggelassen.“

Und dann konnten die rund 150 Gäste endlich ihre „Rodgaus“ etwas lockerer erleben: Peter Osterwold reckte die Auszeichnung wie einen Fußballpokal in die Höhe und Jürgen „Mob“ Böttcher testete, ob die Bürgermedaille auch bissfest ist. Kerstin Pfau nahm Rose um Rose entgegen, die ihr die Mutter von Albrecht „Ali“ Neander auf die Bühne reichte. Und ob die goldene Ehrennadel am Revers wirklich so gepiekst hat, wie manche Akteure vorspielten, darf getrost bezweifelt werden. Dennoch stieß die Aufforderung des Schlagzeugers Mob Böttcher nur auf verhaltenes Echo: „Ihr könnt jetzt ruhig ausflippen.“

Die Rodgau Monotones bei der Preisverleihung.

Denkbar kurz waren auch die Dankesworte von Ali Neander. In nur neun Wörtern brachte er die gemeinsame Geschichte der Stadt Rodgau und der Monotones auf den Punkt: „Mal sehen, wer länger durchhält, die Stadt oder wir.“

Quelle: op-online.de

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