Weihnachtskonzert des Musikvereins

Immer für eine Überraschung gut

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Der Musikverein Nieder-Roden verlässt bei seinem Weihnachtskonzert ausgetretene Pfade.

Nieder-Roden - Eine spannende Auseinandersetzung mit dem Genre des Sinfonischen Blasorchesters versprach das Weihnachtskonzert des Musikvereins Nieder-Roden im Bürgerhaus zu werden. Von Katharina Weltzien-Falk 

Im Programmteil nach der Pause brachte das Konzertorchester neue und ungewohnte Originalkompositionen zum Klingen, die exakt auf die Kunstform des Sinfonischen Blasorchesters zugeschnitten waren und die nicht erst auf die eigene Besetzungsform umarrangiert werden mussten.

Dessen nicht genug wurde nicht nur bei der Konzeption der musikalischen Werke auf Jung und Alt geachtet, sondern auch bei der Aufteilung des Programms: Vor dem Konzertorchester spielte das Jungendorchester unter der Leitung seines neuen Dirigentenduos Christian Ott und Isabella Kohls. Die beiden, Jahrgang 1990 und 1989, lernten sich bei gemeinsamen Lehrgängen kennen und wurden Anfang 2013 als Nachfolgerduo von Steffen Reichenbach und Sebastian Früchel gewonnen.

Christian Ott begann mit „Contrasts of Life“ von Markus Götz. Etwas trocken und präzise seine Bewegungen mit dem Dirigentenstab, die für eine sehr genaue und rhythmische Darstellung des Werkes bürgten. Kurze Soli von Trompeterin Isabell Marco und Saxophonistin Julia Küppers ließen aufhorchen.

Verhalten, aber gut

Isabella Kohls folgte mit einem Werk des Komponisten Johan de Meu, „Hobbits and Dance and Hymn“, Arr. Paul Lavender, in dem sie eine etwas verhaltenere, aber ebenfalls gute Leistung zeigte. Das etwa 40 Jugendliche umfassende Orchester passte sich seinen Dirigenten gut an und klang bei beiden leicht unterschiedlich, so dass die individuellen Arbeitsweisen deutlich wurden.

Ott folgte souverän mit dem Medley „How to train your dragon“ von John Powell, Arr. Johnnie Vinson, das von dem 15 Jahre alten Fabian Schäfer packend anmoderiert wurde. Filmmusik vom Feinsten erfreute zudem das begeistert mitgehende Publikum. Das letzte Stück vor der Pause wurde nicht weniger ansprechend anmoderiert. Zur „Blues Brother Revue“ des Arrangeurs Jay Bocook brauchten die jungen Moderatoren keine Worte, nur Sonnenbrillen und schwarze Hüte. Kohls Darbietung zeugte ein weiteres Mal von guter Basis- und Probenarbeit aller Beteiligten. Jubelnder Applaus im voll besetzten Saal war der Lohn und Rolf Rudins „Christmas Carol“ die Zugabe.

Nach der Pause kam mit Musikdirektor Jürgen K. Groh ein anderes Kaliber auf die Bühne, um dem Konzertorchester des Musikvereins mit intellektuellem Sachverstand und großem Überzeugungswillen vorzustehen. Er erarbeitete durchgehend große musikalische Bögen in seinem Dirigat, dem die Bläser im Groß und Ganzen folgen konnten. Begonnen wurde mit dem Te Deum von Jan de Haan: „Großer Gott wir loben dich“ in gediegener und würdevoller Ausführung.

Grafiken und Soundfiles

Anschließend kam das in graphischer Notation gehaltene Werk „Soundspiele“ von Hubert Hoche zur Aufführung, in dem sich die Musiker in den Proben musikalische Gesten zu den Graphiken des Komponisten erarbeitet hatten. Tosender Applaus, nicht weniger als beim nächsten Stück, „The machine awakes“ von Steven Bryant, in welchem dem Orchester so genannte elektronische „Soundfiles“ unterlegt wurden, die verstärkend bis übertönend wirkten und den Zuhörern ganz neue Klangerlebnisse bescherten.

Diesem mächtigen Werk folgte der Auftritt der Solisten des Abends, den Mitgliedern der Gruppe „Wonderbrass“ mit Helmut Wallner und Christian Weiland (Trompeten), Veronika Berker (Horn), Thomas Krause (Posaune); Volker Laumann (Bassposaune) und Stefan Rebann (Tuba). Sie überzeugten zunächst mit ihrem Überraschungsgeschenk, dem zu sechst gespielten Quintett von Michael Kamen, mit würdevollem Sound, genügend Druck und lupenreiner Intonation. Der Applaus war regelrecht ergriffen. Mit dem Konzertorchester im Zwiegespräch der „Brasserie“ von Otto M. Schwarz spielten sie das unbeschwerteste Stück des Abends.

Mit den angekündigten alten Meistern, den Jubilaren Richard Wagner und Guiseppe Verdi, beendete der Musikverein seinen festlichen Abend. Der „Pilgerchor“ aus Wagners Tannhäuser machte die Intonations- und Kraftgrenzen des Orchesters leicht hörbar, aber das tat dem positiven Gesamteindruck und dem Applaus keinen Abbruch. Der „Triumphmarsch“ aus Verdis Aida bildete mit flotten Tempi einen großen Schlusspunkt, der mit heftigem Jubel belohnt wurde. Als Zugabe groovte „Deck the halls“ als ein bei uns eher unbekanntes Weihnachtslied und entließ ein rundum zufriedenes Publikum.

Quelle: op-online.de

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