Wegen Corona fließt Urlaubsgeld in Wohnung und Küche

In Rodgau wird ordentlich aufpoliert

Mitarbeiterin Birgit Stowasser und Melanie Grimm (rechts) im  Jügesheimer Fachgeschäft bei der Auswahl von modischen Tapeten und passenden Bodenbelägen.
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Mitarbeiterin Birgit Stowasser und Melanie Grimm (rechts) beraten Kunden im Jügesheimer Fachgeschäft bei der Auswahl von modischen Tapeten und passenden Bodenbelägen.

Erst wurde in den privaten Haushalten aufgeräumt und entrümpelt, dann gestrichen und gewerkelt. Lange Schlangen vor Wertstoffhöfen und Baumärkten gehörten anfangs zur Krise. Schließlich wurde das Zuhause aufgehübscht: Mit Beginn der Coronapandemie haben viele Bürger die eigene Wohnung oder das Haus wiederentdeckt und verschönert.

Rodgau – All das, was lange liegen geblieben war, wird angegangen. Nachdem Keller und Dachboden vorbildlich aufgeräumt und entrümpelt sind, wird nun leidenschaftlich tapeziert und gestrichen. Dabei haben viele Männer auch ihre handwerklichen Fähigkeiten entdeckt.

Weil wir alle mehr Zeit in den vier Wänden verbringen, Urlaube aus Spaziergängen sowie familiären Bastel- und Spielabenden bestehen, ist Geld für anderes da. Gerne wird jetzt in die Wohnung investiert. Der Winter soll warm, gemütlich und kuschelig werden.

Deswegen sind auch jede Menge Textilien gefragt, die Räume eben wohnlicher und stimmungsvoller machen. Das ist umso wichtiger, je unfreundlicher beziehungsweise gefährlicher die Ansteckungsgefahr außerhalb ist. Und damit auch alle schön daheim bleiben können, ist es eben sinnvoll, man macht es sich nett.

Ob neue Möbel oder nur neue Akzente durch Farben –in vielen Haushalten tut sich etwas. Auch das Raumausstattungsunternehmen Grimm in Jügesheim merkt diesen Trend. Derzeit sind die Handwerker für die nächsten drei Wochen ausgebucht. „Sonst ging da auch immer kurzfristig was“, meint Melanie Grimm. Im Geschäft berät sie derzeit immer häufiger rund um Tapeten (Raufaser ist out) und Bodenbeläge. Aber auch Gardinen sind gefragt. „Man merkt schon, im Garten gibt es nichts mehr zu tun, jetzt kommt die Wohnung dran“, sagt die Ausstattungsfachfrau.

Bei Susanne Schäfer von Elektro-Fischer in Jügesheim brauchen die Kunden Geduld: Sie müssen extrem lange Lieferzeiten bei Küchengeräten in Kauf nehmen, wenn sie in neue Waschmaschinen, Spülmaschinen und Herde investieren. „Wenn ein Kunde aber schon geraume Zeit auf seine neue Küche gewartet hat, kann ich nicht sagen, jetzt dauert es noch Wochen bis die Geräte kommen“, berichtet die Geschäftsfrau von ihrem Dilemma.

Um dieses Problem zu umgehen, hat sie einiges an Geräten im Voraus geordert. Mit der Konsequenz, dass ihr Lager aus allen Nähten platzt und sie die Ware bei den Händlern bereits bezahlen und in Vorkasse treten muss. Das allerdings ist ihr besonderer Service.

Susanne Schäfer freut sich freilich, dass viele Stammkunden aus Rodgau ihr die Treue halten, aber auch neue Käufer offensichtlich ganz bewusst den Fachhandel unterstützen. Bis Karben, Alzenau und auch in Frankfurt ist sie unterwegs, um Küchen zu vermessen.

Ob die Corona-Pandemie ihr mehr Käufer beschert hat? „Na ja, eben war eine Kundin da, die Waschmaschine und Trockner bestellt und sich die Geräte anstatt ihres Urlaubs geleistet hat“, erzählt die Firmenchefin. Die gesenkte Mehrwertsteuer spiele bei solchen Anschaffungen aber sicher auch eine Rolle, nimmt Susanne Schäfer an. (siw)

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