Indianerdorf am Bauernhof

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Überraschend viel Platz hat Tosy Zillmann in seinem Tipi. Die Innenausstattung ist selbst angefertigt.

Jügesheim - (eh) Im Indianerzelt ist es bullig warm. Obwohl Trotz 25 Grad im Schatten brennen einige Buchenscheite in der Feuerschale. „Damit die Feuchtigkeit raus geht“, sagt Torsten Zillmann, der auf einer Wiese am Bauernhof Raab zeltet. Der ausdauernde Regen in der Nacht zum Donnerstag hat ihm nichts ausgemacht, sein Zelt hielt dicht: „Wenn man ein Tipi richtig aufbaut, regnet es nicht rein.“

Dafür sorgt auch das offene Feuer. Während der Rauch durch die Rauchklappe abzieht, lagert sich etwas Ruß an dem Baumwollstoff ab. „Das ist die beste Imprägnierung, die es gibt“, sagt Zillmann. Im Lauf der Zeit erhält der Stoff dadurch eine hellbraune Farbe.

Die Färbung macht es deutlich: Zillmanns Tipi wird intensiv genutzt. Der braungebrannte 47-Jährige, der auf dem Zeltplatz nur „Tosy“ heißt, ist etwa jedes zweite Wochenende in Sachen Indianer unterwegs. Die Saison dauert für ihn von Anfang März bis Ende Oktober, „aber es gibt auch Winterlager“.

Die Zeltbahn für ein Vier-Meter-Tipi kostet um die 500 Euro, wenn man nicht selbst näht.

Mit vier Metern Durchmesser ist das Tipi ein eher kleiner Vertreter seiner Gattung: ein „Jagdtipi“, in dem zwei bis drei Personen bequem Platz finden. Zur Innenausstattung gehört neben Feuerstelle und Schlafgelegenheit die persönliche Ausrüstung: Bewaffnung (Bogen, Lanze, Messer, Beile), Kleidung und Kopfbedeckung, Tanzschild und Handtrommel, der Pfeifenbeutel und die Federn, die man verliehen bekommen hat.
Outfit und Bewaffnung unterscheiden sich von Stamm zu Stamm. In Jügesheim ist die Kultur der Sioux/Lakota, Cheyenne und Waldlandindianer vertreten. Das Tipidorf bevölkern Mitglieder aus drei befreundeten Vereinen: Indian and Mountain Men Club Wiesbaden, Indianerfreunde Karlsruhe und Trapperground Rüsselsheim. Sie besuchen sich oft gegenseitig und fahren gemeinsam zu Lagern anderer Clubs. „Wir trommeln auch zusammen“, erzählt Karin Felger aus Karlsruhe, die gerade mit ihrem Mann Jürgen ein Tipi einräumt. So ein Vier-Meter-Tipi kann man

zwar allein aufbauen, aber zu zweit oder zu dritt geht es leichter. Außer der Zeltbahn braucht man dazu elf lange Holzstangen. Zunächst bindet man drei Stangen zusammen, mit dem langen Ende der Schnur zieht man sie hoch. An den Dreierbock lehnt man von jeder Seite weitere Stangen, mit der letzten hebt man die Zeltbahn an. Man zieht sie um das Gestänge herum und steckt die Enden über dem Eingang fest. Grundregel für Besucher: Nur wenn die Eingangsklappe offen ist, sind Gäste willkommen.

Was wir machen, hat mit Indianer spielen nichts zu tun“, sagt Karin Felger. Neben der Verbundenheit zur Natur gehe es vor allem darum, indianische Kultur darzustellen. Mit allem Respekt, wie Tosy Zillmann betont: „Auf einem Event wie diesem würde ich mir nie herausnehmen, mir eine stehende Feder ins Haar zu stecken.“ Auch religiöse Rituale sind tabu. Zillmann: „Wir sind keine Indianer und wir werden keine Indianer sein - niemals.“

Quelle: op-online.de

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