„Integration heißt Rücksicht nehmen“

Dudenhofen (eh) - „Es ist normal, unterschiedlich zu sein“: Dieses Motto begleitet Kinder, Eltern und Erzieherinnen der Kindertagesstätte Binger Weg seit fast 15 Jahren. Behinderte und nicht behinderte Kinder wachsen dort gemeinsam auf.

Dieses Miteinander werde von allen Seiten akzeptiert, berichtet Kita-Leiterin Christina Wellmann: „Viele Eltern wünschen sich, dass ihr Kind in eine Integrationsgruppe geht. Ich kann die Wünsche nicht alle erfüllen.“ Der Alltag mit behinderten Gleichaltrigen sei eine wertvolle Erfahrung: „Integration heißt Rücksicht nehmen. Die Kinder lernen Dinge, mit denen sie in der Regelgruppe nicht konfrontiert werden.“ Das mache sich auch später in der Schule bemerkbar.

Seit einer gesetzlichen Änderung werden behinderte Kinder wohnortnah betreut. „Wir integrieren sie in allen Einrichtungen“, sagt Stadtrat Michael Schüßler. Mit jedem behinderten Kind sinkt die Gruppengröße und steigt der Personalschlüssel. So besteht die Integrationsgruppe der Kita Binger Weg aus 15 Kindern, von denen fünf in ihren Fähigkeiten eingeschränkt sind. Allein diese Gruppe ist mit fünf Pädagoginnen besetzt, um jedes Kind so gut wie möglich zu fördern.

Sprungbrett für angehendes Führungspersonal

Aus 17 Köpfen besteht das Erzieherteam im Binger Weg. „In der Spitzenzeit waren wir sogar 31“, erinnert sich Christina Wellmann. Auch eine Logopädin und eine Krankengymnastin gehörten damals dazu. Kinder mit Down-Syndrom oder mehrfachen Behinderungen erforderten besonderen therapeutischen Einsatz. Auch heute gehen Therapeuten im Kindergarten aus und ein. Gespräche mit Ärzten und Frühförderstellen gehören zur Arbeit.

„So etwas ist nur möglich, wenn es von allen getragen wird“, betont Wellmann, die auch ihren Mitarbeiterinnen viel abfordert. Jede neue Aufgabe sei eine Herausforderung und die Chance, daran zu wachsen. Ein Ergebnis: Die Kita Binger Weg entwickelte sich zu einem Sprungbrett für angehendes Führungspersonal. Sieben ehemalige Erzieherinnen aus dem Binger Weg sind inzwischen Leiterinnen in anderen Einrichtungen.

Als schwerste Krise in den 15 Jahren bezeichnet Stadtrat Schüßler den Vorwurf sexuellen Missbrauchs gegen einen Erzieher, der sich aber nicht erhärtete: „Alle Verfahren wurden eingestellt.“ Eine Herausforderung ganz anderer Art war der große Wasserschaden 2007. Ihren 15. Geburtstag feiert die Kita Binger Weg am Samstag, 28. Mai, von 14 bis 18 Uhr mit buntem Programm und einer Tombola mit 500 Preisen.

Quelle: op-online.de

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