Nachwuchspolitikerin verlässt Wählerverein „Zusammen mit Bürgern“

Interne E-Mails ungefragt im Netz

Rodgau - Nach dem Weggang dreier Mandatsträger gibt es einen weiteren unerfreulichen Abschied aus dem Wählerverein „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB). Yvonne Laqua, die bei der Kommunalwahl für ZmB kandidiert hatte, ist jetzt aus dem Verein ausgetreten. Von Ekkehard Wolf 

Yvonne Laqua

Sie begründet dies mit persönlichen Angriffen und Schikanen. Darf der Wählerverein ungefragt interne E-Mails veröffentlichen? Für den ZmB-Vorsitzenden Horst Böhm ist die Lage klar: Das sei keine Sache des Datenschutzes, sagte er gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Anfang der Woche hatte ZmB auf seiner Homepage Auszüge eines Schriftwechsels veröffentlicht. Darin waren unter anderem Yvonne Laquas private E-Mail-Adresse, ihr zweiter Vorname und Andeutungen über eine Krankheit enthalten. Zudem publizierte der Verein eine Liste, die ihre An- oder Abwesenheit bei Vorstandssitzungen taggenau dokumentierte. Wer wollte, konnte daraus Schlüsse über die Dauer der Erkrankung ziehen.

Bei der Kommunalwahl im März 2016 war Yvonne Laqua auf Platz sieben der ZmB-Liste angetreten. Sie erhielt 2 700 Stimmen. Im Mai wurde sie als Schriftführerin in den Vorstand des Wählervereins gewählt. Fünf Monate später bekam sie das Misstrauen ihrer Vorstandskollegen zu spüren. Nachdem Martina Sertic, Karlheinz Hackel und Hermann Jäger von ZmB zur FDP gewechselt waren, wurde der Vorstand offenbar nervös. Yvonne Laqua stand auf dem nächsten Listenplatz. Sobald einer der drei verbliebenen ZmB-Stadtverordneten aufgehört hätte, wäre sie ins Stadtparlament nachgerückt.

Horst Böhm äußerte am 24. Oktober per E-Mail die Befürchtung, Yvonne Laqua wolle ebenfalls zur FDP wechseln. Einzige Begründung: Sie sei mit Martina Sertic befreundet. Böhm weiter: „Wir würden gerne wissen woran wir mit Dir sind.“ Die Antwort kam postwendend: „Wenn der Verein auch weiterhin meine Interessen vertritt, sehe ich keinen Grund für eure Bedenken.“

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Ende Januar beschloss der ZmB-Vorstand, Yvonne Laqua aus dem Verein auszuschließen. Er begründete das mit angeblichen Aussagen, wonach sie nur darauf warte, als Nachrückerin zur FDP zu gehen. Laqua bezeichnet die Behauptung als unwahr und sieht sich dadurch verunglimpft: „Mit dem Slogan Ehrlichkeit, Respekt und Anstand habe ich während des Wahlkampfes mit meinem Namen für die ZmB geworben, von diesen Werten ist leider nichts mehr zu spüren.“

Der Vorstand müsse Schaden vom Verein abwenden, rechtfertigt Horst Böhm das erste Ausschlussverfahren seit der Gründung von ZmB. Es handele sich um eine vereinsinterne Angelegenheit. ZmB habe den Schriftwechsel nur publiziert, weil auch die Austrittserklärung im Internet nachzulesen sei. „Ich habe ihnen nicht erlaubt, meine E-Mails zu veröffentlichen“, sagt Yvonne Laqua auf Anfrage unserer Zeitung. Es sei unangebracht, „dass Dinge preisgegeben werden, die nichts mit dem Sachverhalt zu tun haben“. Sie wolle aber keine juristischen Schritte ergreifen: „Ich bin froh, wenn das ganze Thema für mich beendet ist. Das ist es mir nicht wert.“

Quelle: op-online.de

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