Prozess um Islamkritiker

 Entschuldigung des Richters

Darmstadt/Rodgau - Der gestrige zweite Prozesstag im aufsehenerregenden Fall um den islamkritischen Buchautor Zahid Khan am Landgericht Darmstadt beginnt mit einem Befangenheitsantrag: Die Nebenklagevertreterin hat erhebliche Zweifel an der Unvoreingenommenheit des Vorsitzenden Richters Volker Wagner. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Die Vorwürfe Christiane Khans: Für den Vorsitzenden stehe eine schnelle Abwicklung im Mittelpunkt, er gehe nicht mit dem gebotenen Ernst an die Sache, mache ihren Ehemann und dessen Sache zum Gespött. Das Gesuch wird von Wagners Kollegen als unbegründet abgelehnt, der Richter selbst entschuldigt sich: „Wenn der Eindruck entstanden sein soll, ich habe jemanden diskriminiert, dann war dies fern jeglicher Absicht.“ Wagner ist für seine unterhaltsame Art der Prozessmoderation bekannt, ab und zu gingen ihm mal „die Gäule durch“. Er versichert jedoch, stets mit dem gebotenen Ernst bei der Sache zu sein.

Zahid Khan (rechts)

Gegenstand des Prozesses ist ein geplanter Mordanschlag auf den 57-jährigen Rodgauer Autor am 29. Juli 2013 in einem Waldstück nahe des Nieder-Rodener Badesees. Drei Angeklagte müssen sich verantworten. Der 41-jährige Anstifter Saeed N. aus Bad Endbach hatte am ersten Prozesstag mit der Behauptung überrascht, der Anschlag sei mit Khans Schwester und seinem Begleiter W. abgesprochen gewesen. Gestern revidiert er diese Aussage. In einer zweiten Einlassung, die drei Stunden in Anspruch nimmt, erklärt er, von einer Nachbarin Khans die genaue Zeit für den Waldspaziergang erhalten zu haben.

Im Dunkeln liegt weiterhin das Motiv von N. Der Sohn eines streng gläubigen pakistanischen Vaters und einer deutschen Mutter behauptet weiterhin, der Anschlag sei eine „Marketingaktion“ gewesen, die dazu diene, die Diskussion über die Salafisten anzuheizen. Bereits 2012 hatte N. eine Zivilklage gegen Khans Buch „Die Verbrechen des Propheten Mohammed“ vor dem Landgericht angestrengt und verloren. Auch dabei sei es ihm um Öffentlichkeit gegangen, N. rief außerdem zu diversen Kundgebungen gegen Khan auf. Und das alles, obwohl N. am ersten Verhandlungstag behauptete, Khan sei eine Art Ziehvater für ihn gewesen. Vier Prozesstage sind für nächste Woche angesetzt.

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Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Archivbild: dpa

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