90 Jahre Freiwillige Feuerwehr Weiskirchen

Feuerwehr feiert gut beschirmt

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Hand in Hand arbeiten Feuerwehr und Rettungsdienst, wenn Verletzte in einem Unfallauto eingeschlossen sind. Bei dieser Szene ist das Dach bereits entfernt und das Unfallopfer wird schonend auf ein Tragebrett gezogen. Zuschauer waren gestern ausdrücklich willkommen – bei echten Einsätzen sind sie unerwünscht.

Weiskirchen - Wenn es brenzlig wird, gehen sie für andere Menschen durch dick und dünn. Das bewiesen Feuerwehrleute am Sonntag auf dem Goetheplatz. Von Ekkehard Wolf 

Unter Schirmen und Zeltdächern saßen die Besucher am Samstag beim Auftritt der „Lieblingsband“.

Zum 90. Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr Weiskirchen zeigten Einsatzkräfte aller drei Rodgauer Standorte den Umgang mit Gefahrgut (Nord), die technische Hilfe nach Unfällen (Mitte) und die Brandbekämpfung (Süd).
Mit dem Feier-Hit „Celebration“ eröffnete die „Lieblingsband“ am Samstagabend ihr Freiluftkonzert vor dem Feuerwehrhaus am Goetheplatz. Mit Rock-, Pop- und Soulmusik feuerten die Musiker ihr Publikum zum Mitsingen und Mitklatschen an. Schon gleich am Anfang tanzten Kinder vor der Bühne, als sich die Erwachsenen noch nicht trauten. Wegen der dunklen Wolken waren alle verfügbaren Zelte und Schirme aufgebaut. Und nach jedem Schauer wischten Wehrführer Dieter Horch und einige Kameraden die Tische wieder trocken. Nach 21 Uhr wurde der Regen allerdings so stark, dass die Musiker eine längere Pause einlegen mussten.

Die Blaskapelle der Feuerwehr Rodgau heizte den Zuhörern am Sonntag bei Sonnenschein zum Frühschoppen und Mittagessen ein. Die Sängervereinigung sang dazu Stimmungs- und Wanderlieder. Auch die Blaskapelle hat Geburtstag: Vor fünf Jahren war sie beim Weiskircher Feuerwehrfest erstmals öffentlich aufgetreten.

Ein Höhepunkt für die Zuschauer waren die Vorführungen am Nachmittag, in denen die Einsatzkräfte ihr Können präsentierten. Mit hydraulischen Geräten knackten sie ein Unfallauto, als wäre es aus Butter. In einem Brandsimulationscontainer mit offener Seitenwand konnte man beim Löschen zusehen; ein brennender Christbaum hatte in Minutenschnelle ein ganzes Zimmer in Brand gesteckt.

Wer nicht nur zuschauen, sondern mitmachen will, wird mit offenen Armen empfangen. Mit einer Stellenanzeige in ihrer Hochglanz-Festschrift wirbt die Feuerwehr Rodgau-Nord um Einsatzkräfte. Sie verspricht ein „vielseitiges Aufgabengebiet mit Adrenalinschüben“ und eine Tätigkeit voller Herausforderungen. Nur Geld verdienen kann man damit nicht: „Wir arbeiten alle ehrenamtlich.“

Wie viel Erfüllung diese ehrenamtliche Arbeit bringt, kann Franz Brabec erzählen. Einmal Feuerwehrmann, immer Feuerwehrmann: Auf ihn trifft dieser Spruch zu. 1972 fing er als 20-Jähriger in der Einsatzabteilung an und noch immer engagiert er sich im Feuerwehrverein. 27 Jahre lang fuhr er zu Einsätzen mit. Als Jugendwart kümmerte er sich 13 Jahre lang um den Nachwuchs: „Das war eine schöne Zeit, die möchte ich nicht missen.“ Noch gut in Erinnerung sind ihm die Fahrten mit der Jugendfeuerwehr in die damalige Partnerstadt Udenhout (Niederlande). Auch viele Einsätze bleiben im Gedächtnis, etwa als die Feuerwehr vom Maskenball im Bürgerhaus zu einem Unfall auf die Bundesstraße 45 ausrücken musste. Drei Menschen waren damals ums Leben gekommen: „Das vergisst man nicht.“

Fest zum Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr Weiskirchen: Bilder

Nicht jeder kann so viel Zeit und Energie aufbringen. Wer die Feuerwehr Rodgau-Nord unterstützen will, kann das auch als Mitglied des Feuerwehrvereins tun. Der Jahresbeitrag von 15 Euro fließt in Ausstattung, Ausbildung und Nachwuchsarbeit. Auch der Erlös der Feuerwehrfeste kommt diesen Zwecken zugute. Der Feuerwehrverein hat rund 480 Mitglieder aus dem ganzen Kreis Offenbach und darüber hinaus. Sogar ein Name aus Hannover findet sich auf der Liste. Das lässt sich leicht erklären: Viele bleiben ihrem Verein auch dann verbunden, wenn sie aus dem Ort fortziehen.

Die Freiwillige Feuerwehr Weiskirchen betreibt auch eine intensive Kinder- und Jugendarbeit. Die Weiskircher waren im Jahr 2005 bundesweit unter den Ersten, die Kindergruppen unterhalb der Altersgrenze der Jugendfeuerwehr (zehn Jahre) gründeten. Bei den Feuerflitzern können sogar schon Dreijährige mitmachen. Ob von ihnen irgendwann mal einer in die Einsatzabteilung hochwächst, ist Nebensache: Die Jüngsten sollen spielerisch lernen, dass mit Feuer nicht zu spaßen ist – und wie man im Notfall Hilfe ruft.

Quelle: op-online.de

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