Abschiedstournee - Ende offen

40 Jahre Rodgau Monotones: Fetter Sound mit alten Nasen

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Rodgau - Vier Jahrzehnte auf der Bühne: Den Rodgau Monotones ist das Kunststück geglückt. Seit 1978 ist die Band zusammen – und das in fast unveränderter Zusammensetzung.

Ihre größten Erfolge feierten die Monotones in den 1980er Jahren, doch auch im betagten Alter ist es noch längst nicht still um sie geworden. Frontmann Peter Osterwold erinnert sich im Interview mit Michael Bauer und blickt nach vorn.

Wie haben es die Monotones geschafft, 40 Jahre lang zusammenzubleiben, ohne dass man sich so auf die Nerven geht, dass die Band auseinanderbricht?

Es macht nach wie vor unheimlich Spaß, mit den alten Nasen Musik zu machen. Wir hatten nach Henni Nachtheims Weggang ein Jahr Pause. Doch es gab immer wieder Nachfrage, und wir haben überlegt, wie es weitergeht. Dann haben wir in einer Silvesternacht unsere Kerstin (Pfau) gehört, sie war damals 19 Jahre alt. Die haben wir einfach angesprochen. Sie war großer Monotones-Fan und kannte zum Glück die meisten Texte. Dann haben wir eine Probe mit ihr gemacht und ein Bandfoto, und somit war sie dann Mitglied.

Wie erklärt sich der Erfolg über so viele Jahre?

Ich denke, das Publikum spürt, dass wir auf der Bühne Spaß haben. Wir haben schon viele Bands erlebt, die sind links von uns hoch, waren groß in den Charts und den Fernsehsendungen, und die kamen dann auch irgendwann rechts von uns wieder runter. Wir sind immer so vor uns hingedümpelt. Ich kenne außerdem keine Band in Deutschland, die zwei so tolle Gitarristen hat und so einen fetten Sound auf die Bühne bringt und die sich auch noch so gut versteht.

Was sind Ihre persönlichen Lieblingsstücke?

„Hesse komme“ ist ein Muss - das ist so wie „Satisfaction“ bei den Stones. Aber das macht nix, das macht nach wie vor immer Riesenspaß. Und „Normale Härte“ ist ein Stück, das mir auch gut gefällt und das über die Jahre besser geworden ist. Und außerdem haben wir so viele Balladen, damit könnten wir eine eigene CD füllen. Wir haben uns immer wieder einmal überlegt, ein solches Album zu Weihnachten herauszubringen.

Was waren in den 40 Jahren die Höhepunkte?

Das erste große Ding war sicherlich unser Auftritt am Bieberer Berg in Offenbach mit Santana, Bob Dylan und Joan Baez. Das war der Knaller. Und natürlich die großen Festivals in den 80er Jahren zum Beispiel mit Deep Purple, Marius Müller-Westernhagen und Herbert Grönemeyer. Und das Festival 1986 in Wackersdorf vor rund 90 000 Leuten war natürlich der Hammer. Aber es gab auch viele, viele wunderbare Festzelt-Auftritte. Nicht zu vergessen ist der Auftritt 1985 beim „Rockpalast“ in der Essener Grugahalle. Da hatten wir vorher am gleichen Abend noch eine Fernsehaufzeichnung bei „Einer wird gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulenkampff. Da haben wir „Hallo, ich bin Hermann“ kredenzt und sind dann im kleinen Privatflieger von Saarbrücken nach Essen geflogen.

Ging denn immer alles glatt auf der Bühne?

Bei unserem Auftritt in Wackersdorf wurde der Strom, wie damals üblich, von riesigen Generatoren geliefert. Da hatten die Spezialisten tatsächlich vergessen, Diesel nachzukippen, und plötzlich kam nichts mehr aus der Anlage. Wir haben dann unplugged für die ersten drei Reihen gemacht (lacht), bis wir wieder Strom hatten. Und bei einem Konzert vor ein, zwei Jahren irgendwo im Osten ist dann tatsächlich für eine ganze Stunde komplett der Strom ausgefallen. Dort standen überall Kerzen, und wir haben fast unser ganzes Konzert mit akustischen Instrumenten gespielt. Der Mob (Schlagzeuger Jürgen Böttcher) hat sich aufs Cajon gesetzt, Ali (Gitarrist Albrecht Neander) in die Wandergitarre gegriffen. Die Leute fanden’s klasse (lacht).

Fotos zum Rodgauer Strandbadfestival 2017

Vergessen Sie auch mal Textpassagen?

Natürlich. Ich habe schon immer meinen Notenständer mit den Texten dabei; der gehört dazu. Das Komische ist ja: Wenn man auf die Bühne geht, schaltet man beim Singen so eine Art Autopilot ein und die Texte sind da. Wenn man aber dann während des Singens anfängt, über die Texte nachzudenken, dann geht das schon mal in die Hose. Aber Kollegin Kerstin ist sehr textsicher und springt dann auch mal ein.

Hat es die Monotones mitunter geärgert, in die „Mundart-Rocker“-Schublabe einsortiert zu werden?

Am Anfang war es ein bisschen komisch. Da hieß es immer, wir seien die „hessischen BAP“. Zunächst mal bin ich gar kein Hesse...

Sondern?

Ich wurde in Wolfenbüttel im schönen Niedersachsen geboren, wo man richtig Hochdeutsch spricht. Henni zum Beispiel ist in Wuppertal auf die Welt gekommen, Ali in Hamburg und Kerstin in Saarlouis. Man fühlt sich im Lauf der Jahre schon als Hesse, und das ist auch alles prima. Aber wir singen ja nicht durchweg hessisch. Das könnte ich auch gar nicht, und das ist dann auch gar nicht so lustig. Bei „Ei Gude wie! Wo machst’n hie?“ ist diese Zeile beispielsweise auch das einzige Hessische. Bei „Erbarme“ ist nur der Rap hessisch. Um auf die Frage zurückzukommen: Früher hat das mit den „hessischen BAP“ etwas genervt, mittlerweile ist mir das egal.

Wie geht es denn weiter?

Ich habe heute beschlossen: Das Konzert zum 40-jährigen Jubiläum wird das erste von unserer weltweiten Abschiedstournee ...

Wie bitte?

...die aber nach hinten offen ist. (lacht herzlich) Irgendwie sind doch zurzeit alle auf Abschiedstournee: Elton John, die Stones...

Also gibt es doch Chancen für eine goldene Hochzeit?

Solange wir das in irgendeiner Form hinkriegen, warum nicht? Ich werde dieses Jahr 68. Ich weiß nicht, ob ich in zehn Jahren noch in der Lage bin. Die Monotones-Songs sind aber für meine Stimme nicht so anstrengend wie beispielsweise die von Deep Purple mit meiner Coverband „Die Bärbel im Rock“.

Und die anderen Band-Mitglieder?

Die Kerstin ist die Jüngste von uns, die wird das mit Sicherheit noch können. Im Moment haben jedenfalls alle noch Bock. Anstrengend ist das natürlich immer für den Schlagzeuger, aber der Mob hält sich fit, der macht ja Sport. (dpa)

Quelle: op-online.de

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