Jeder Vierte mit Helm

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Wie gut greifen die Bremsen? Gerhard Friedmann (rechts) und Günter Knoll beim Fahrradtest an der Georg-Büchner-Schule.

Jügesheim (eh) - An jedem dritten Schülerfahrrad ist die Lichtanlage nicht in Ordnung, an jedem sechsten fehlt sogar die Klingel. Das hat der Autoclub Europa (ACE) an der Georg-Büchner-Schule (GBS) Jügesheim herausgefunden.

Acht ACE-Mitglieder überprüften vor einer Woche 261 GBS-Schüler und deren Fahrräder. Die Ergebnisse sind für die Schule ein Anlass zum Handeln.

„Ich habe diese Zahlen einerseits befürchtet, andererseits überraschen sie mich nicht“, sagt GBS-Schulleiter Winfried Döring. Er will nun schriftlich an alle Eltern appellieren, auf verkehrssichere Fahrräder zu achten. Nach den Sommerferien plane die Schule einen eigenen Fahrrad-Check, „um die Schüler direkt am Fahrrad aufzuklären und ihnen direkte Aufträge zur Reparatur zu geben“. Verkehrssicherheit werde auch in der nächsten Projektwoche ein Thema sein.

Der Autofahrerverein hatte die Büchner-Schule als einzige Schule im Kreis Offenbach für seine bundesweite Fahrradüberprüfung ausgewählt. Dabei führte der Zufall Regie: ACE-Kreisvorstandsmitglied Günter Knoll wohnt in Dudenhofen. „Bei Bedarf kommen wir aber auch an andere Schulen“, verspricht Uwe Völker, ACE-Regionalbetreuer für Hessen Letztes Jahr hatte der Club kommunale Schulwegpläne unter die Lupe genommen, 2007 hatte er die Anschnallquote vor Kindergärten getestet.

Licht, Reflektoren, Klingel und Bremsen testeten die Prüfer an jedem abgestellten Fahrrad. Bereits an der Einfahrt zum Schulgelände hatten sie notiert, ob die Schüler einen Helm aufhatten, wie hell sie gekleidet waren und wie sie ihre Schulsachen transportierten.

Jeder vierte GBS-Radler (genau: 27,2 Prozent) trug am Testtag einen Schutzhelm, der im Fall eines Sturzes lebensgefährliche Kopfverletzungen verhindern kann. Doch Wissen und Handeln sind zweierlei. Günter Knoll bringt es auf den Punkt: „Helm ist uncool.“ Auch die aktuelle Jugend-Mode schmälert die Sicherheit: Wer sich in modischem Schwarz kleidet, ist nachts fast unsichtbar. 43 Prozent der Rad fahrenden GBS-Schüler trugen helle Kleidung – zu wenig, wie ACE-Mann Völker anmerkt. Ob das Ergebnis wohl besser ist, wenn es im Winter morgens noch dunkel ist?

Auch an der Ausstattung hapert es. 44 Fahrräder (16 Prozent) hatten keine Klingel, an 20 Prozent waren die Bremsen nicht in Ordnung oder zu weich eingestellt.

Immerhin zwei Pluspunkte attestierten die Prüfer der GBS. Erstens: Fast alle Radler (93 Prozent) tragen ihren Schulrucksack auf dem Rücken oder auf dem Gepäckträger, nur Einzelne hängen ihre Taschen riskant über eine Schulter oder an den Lenker. Zweitens: Die Zahl der Fahrradständer ist mehr als ausreichend; anderswo, etwa in Bad Homburg, sei das nicht selbstverständlich.

Nicht erst seit dem Besuch des ACE kümmert sich die Georg-Büchner-Schule um die Verkehrssicherheit der Radler. Die Schüler der Fahrrad-AG von Andreas Mattheis kontrollieren seit fünf Jahren regelmäßig die Räder ihrer Mitschüler. Bei Ausfahrten während des Schuljahrs achten die Lehrer auf Sicherheit, wie der Oberstudienrat berichtet: „Dann ist die Helmquote natürlich 100 Prozent.“

Gegen Diebstähle an den Fahrradständern setzt die GBS eigene Aufpasser ein. Reihum schieben die Schüler Wache. Das haben auch die ACE-Fahrradtester erlebt: Als sie mit offizieller Erlaubnis an den angeketteten Rädern die Bremsen prüften, standen sie stets unter Beobachtung.

Quelle: op-online.de

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