Schiedrichter beendet Karriere

Jimmy Hartwig „Rot“ gezeigt

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Die SSG Gravenbruch (links) und der SKV Hainhausen standen sich gegenüber, als Schiedsrichter Paul Sickert zu seinem letzten Spiel auflief.

Hainhausen - Der zweimalige Nationalspieler Jimmy Hartwig und Landtags-Vizepräsident Frank Lortz haben Paul Sickert von seiner harten Seite kennen gelernt. Beiden zeigte der Schiedsrichter des SKV Hainhausen „Rot“. Von Michael Löw

Nach 48 Jahren, 7 Monaten und ein paar Tagen verschwinden die berüchtigten Karten und die Pfeife in der Schublade.

Und Sickert plaudert aus dem Erfahrungsschatz jener mehr als 2000 Jugend- und Seniorenspiele, die „vornehmlich in den Niederungen des Fußballs stattgefunden haben“. Wobei nicht das Niveau niedrig war, sondern allenfalls die Liga. Denn Paul Sickert pfiff ganz unten, von der C- bis zur A-Klasse.

Dreimal falscher Einwurf

Dort kickte in der Saison 1967/68 Jimmy Hartwig, der später bei OFC und HSV Fußball- und in ZDF-Krimis und im Dschungelcamp Fernsehkarriere machte. Paul Sickert erlebte ihn erstmals in der B-Jugend der Offenbacher Kickers. Kaum hatte der Trainer Hartwig eingewechselt, warf der den Ball falsch ins Spielfeld. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern dreimal war sein Einwurf regelwidrig. Paul Sickerts Reaktion entsprach hingegen exakt den Regeln: Ermahnung, Zeitstrafe, rote Karte. Pech für die Kickers, denn eine Woche später stand das Derby gegen die Frankfurter Eintracht auf dem Spielplan.

Der Froschhäuser CDU-Politiker Frank Lortz erzählte Sickert Jahre später, dass der ihn des Feldes verwiesen hatte - wegen ungebührlichen Verhaltens.

Paul Sickert war seit 1965 Schiedsrichter. Seine Fußballerkarriere beim SKV Hainhausen verlief kurz und wenig erfolgreich. Doch kurze Zeit später kam sein Sohn ins Kickalter, und der Vater wurde erst Jugendleiter und dann Schiedsrichter.

Anfangs radelte Sickert zu den Spielen; eine Dienstfahrt fror sich in sein Gedächtnis ein. In Mainflingen lag der Platz unter 20 Zentimetern Schnee, Paul Sickert zog das Spiel trotzdem durch. „Früher fielen nicht so viele aus wie heute“, sagt er. Denn da waren die Vereine noch Herr ihrer Sportplätze und nicht die um jeden Grashalm besorgten Greenkeeper städtischer Sportzentren.

Sickert blickt positiv zurück

Paul Sickert blickt durchweg positiv auf fast 49 Schiedsrichter-Jahre zurück. Zumindest berichtete er am Samstag weder von „Schwarze Sau“-Rufen oder ähnlichen Unflätigkeiten noch von körperlichen Bedrohungen, die viele Schieds- und Linienrichter an ihrem Hobby zweifeln lassen. Vielleicht lag"s an der Art des Auftretens, mutmaßt er. Fußballer - egal, ob F-Jugend oder erste Mannschaften - spüren schon beim ersten Kontakt in der Kabine, wer da im schwarzen Hemd vor ihnen steht. Sickert hat nie den harten Hund gemimt, aber sich auch nie auf der Nase herumtanzen lassen.

Zum Abschied dankten Kreisschiedsrichter-Obmann Volker Geupel und sein Vorstandskollege Siegfried Schuda sowie der stellvertretende SKV-Vorsitzende Jochen Pommer und Jugendleiterin Cornelia Sichert-Tomadini mit Urkunden, Wein und einem Nagel, an den Paul Sickert die Pfeife hängen kann.

Quelle: op-online.de

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