Lehrmeister leitet Schule mit fast 80

Judo ist keine Frage des Alters

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Beim Aufwärmen robben 170 Judosportler gleichzeitig durch die Halle. Das eigentliche Training beginnt erst danach.

Nieder-Roden - Mit dem japanischen Wunsch „Douzo yoroshiku“ („Auf gute Zusammenarbeit“) hat gestern die hessische Judo-Sommerschule begonnen. 170 Sportler trainieren eine Woche lang in der Sporthalle Wiesbadener Straße. Die japanische Sprache gehört immer dazu.

Sven Deeg, der Präsident des Hessischen Judoverbandes, hielt sogar seine ganze Begrüßungsansprache auf Japanisch. 170 Judosportler aller Alters- und Leistungsklassen stehen stumm und voller Erwartung in der Turnhalle, den Blick auf die beiden japanischen Senseis (Lehrmeister) Shiro Yamamoto und Satoru Yokoyama gerichtet.

Seit 20 Jahren kommt Yamamoto jährlich nach Nieder-Roden, um die Sommerschule zu leiten. Er ist Träger des neunten Dan. Diesen Titel tragen außer ihm nur zwei weitere lebende Judokas. Unter den Teilnehmern sind auch andere herausragende Judokämpfer, die berechtigt wären, einen Gürtel zu tragen, der über dem einfachen schwarzen steht. Das wird man allerdings nicht erleben, denn aus Respekt vor dem Sensei trägt niemand außer ihm einen der höheren Meistergürtel.

Mit 80 Jahren zum Training

Shiro Yamamoto wird im nächsten Jahr 80, doch das ist für ihn noch kein Grund, mit dem Training aufzuhören. Er will wieder nach Nieder-Roden kommen. Auch wenn die Trainer fast ausschließlich Japanisch sprechen, ist das kein Problem: In Japan ist es beim Training üblich, wenig zu sprechen und mehr nachzuahmen, das macht das Lernen intuitiver.

Wie Werner Stolzenburg vom 1. Judoclub erzählt, ist das Training in Japan ganz anders aufgebaut als hier. Es sei fokussierter und strikter. Üblicherweise stehe ein Judoschüler beim Training auf und verlasse den Raum, wenn „die Gedanken wandern“ und die Konzentration verloren geht. Würde man das hier genau so praktizieren wollen, dann wären drei Viertel der Teilnehmer ständig vor der Halle, scherzt Stolzenburg.

Die meisten Teilnehmer der Sommerschule übernachten in dieser Woche auf dem Campingplatz am Don-Bosco-Heim. Einige von ihnen sind sogar aus Frankreich und Österreich angereist, um bei diesem besonderen Training dabei zu sein. Dieses Gefühl transportiert auch die gesamte Gruppe aus 170 Menschen, die verschiedener kaum sein könnten. Doch vom ersten Moment an ist die Stimmung gelöst und vertraut. Nicht zuletzt deswegen, da viele der Judokas bereits seit mehreren Jahren dieses Angebot nutzen. Werner Stolzenburg schätzt, dass 70 Prozent der Teilnehmer auch schon in den letzten Jahren dabei waren. Noch bis Freitag wird täglich fünf Stunden trainiert. Dann klingt die Sommerschule beim gemeinsamen Grillen aus.

fed

Quelle: op-online.de

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