Bäckermeister Lutz Hofmann

Kreppel nur für die Narrenzeit

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Lutz Hofmann schließt seinen Betrieb an der Weiskircher Straße Ende des Jahres. Wie Ehefrau Elisabeth (rechts) und Mitarbeiterin Elke Reif weiß er, dass es richtigen Abschiedsschmerz geben wird.

Jügesheim - Fastnacht ohne Kreppel ist wie Weihnachten ohne Lebkuchen: Für viele gehört der Hefeklassiker unverzichtbar zur fünften Jahreszeit. Der Vielfalt an Überzügen und Füllungen beim Fettgebackenen sind fast keine Grenzen gesetzt. Von Simone Weil 

Der Jügesheimer Bäcker Lutz Hofmann hat eigens für unseren Besuch Kreppel mit den Buchstaben OP verziert.  Ganz traditionell mit Puderzucker bestäubt und Marmelade gefüllt, Schokoladenglasur und Eierlikörfüllung oder Krokantsplitter und Nugatcreme: Kreppelvariationen gibt es in Hülle und Fülle. Doch Lutz Hofmann macht nicht jeden modischen Schnickschnack mit. Seine acht verschiedenen Sorten (darunter auch Quarkbällchen und der ungefüllte Krapfen in Ringform) sind mit Marmelade oder Pudding gefüllt. Eierlikörfüllung gibt es nur auf dem Höhepunkt der tollen Tage.

Jetzt aber werden noch jede Menge Kreppel produziert: für unseren Besuch sogar mit den blauen Buchstaben „OP“. 

In Ausnahmefällen ist wie bei einer jährlichen Großbestellung für eine Frankfurter Spedition auch mal einer mit Senf (!) dabei. Das hat ein Spaßvogel sich so ausgedacht.
Sonst allerdings legt der Bäckermeister und Konditor Wert auf Tradition. Das heißt im Fall der Kreppel: Die gibt es nicht vor dem 11.11. und auch nur bis etwa zwei Wochen nach Fastnacht. Dann ist erste mal wieder Schluss mit der Leckerei, die kaum einer essen kann, ohne sich zu bekleckern. In der Bäckerei Hofmann hält man nichts davon, dass es die Kreppel das ganze Jahr über gibt.

Für Fastnachtdienstag liegen immer zahlreiche Bestellungen vor. Denn traditionell wird nach dem Umzug in Giesem zum Kreppelessen geladen. Deswegen müssen für diesen Tag mal locker 1000 runde Fastnachtskrapfen produziert werden, das sind zehn Stunden Arbeit. Welcher Kreppel dem Chef am besten schmeckt? Lutz Hofmann lacht: „Ich habe noch nie einen probiert. Ich esse gar nix Süßes.“ Fürs Testen sind Ehefrau Elisabeth

und andere Mitarbeiter zuständig. Schließlich verändert sich der Geschmack des Produkts – je nachdem wie etwa das Mehl beschaffen ist.

Die Qualität seiner Produkte liegt dem 62-Jährigen am Herzen. „Und all das zu anzubieten, was die Discounter nicht machen“, sagt der Bäcker. Seit 60 Jahren existiert der Betrieb unter dem Namen Hofmann an der

Weiskircher Straße. Am 22. Dezember aber schließt die letzte produzierende Bäckerei in Jügesheim. Einen Nachfolger hat Lutz Hofmann in den vergangenen fünf Jahren leider nicht gefunden. Und nach über 40 Jahren hat der Bäckermeister einfach keine Lust mehr, sieben Tage in der Woche zu arbeiten und fast jede Nacht um 3 Uhr in der Backstube zu stehen.

Quelle: op-online.de

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