Emmausgemeinde feiert 50-jähriges Bestehen

Immer offen für neue Ideen

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Noch steht das Gemeindezentrum der Emmausgemeinde Jügesheim leer. Am Sonntag wird es zum Jubiläum freilich proppenvoll sein. Umgebaut worden war der Saal zuletzt 1999. Ein Jahr danach gab sich die Gemeinde den Namen Emmausgemeinde. Zuvor hatte sie Evangelische Kirchengemeinde Jügesheim geheißen.

Jügesheim - Ein ganzes Jahr lang feiert die evangelische Emmausgemeinde ihren 50. Geburtstag. Den Auftakt bildet das Gemeinde- und Kindergartenfest am Sonntag, 29. Juni.

Über Gegenwart und Zukunft sprach unser Redaktionsmitglied Ekkehard Wolf mit Pfarrer Axel Mittelstädt, der gemeinsam mit Pfarrerin Sabine Beyer tätig ist. „50 Jahre gemeinsam auf dem Weg“. Was bedeutet dieses Jubiläumsmotto für Sie?

Sie kennen doch die Emmaus-Geschichte mit den beiden Jüngern, die von Jerusalem weggehen und ganz traurig sind und eigentlich gar nicht wissen, wie ihr Leben weitergehen soll. Und plötzlich begegnen sie dem auferstandenen Jesus. In dieser Geschichte sind viele Elemente, die für uns wichtig sind. Wir wollen eine Weggemeinschaft sein. Wir wissen, Kirche muss mit den Menschen mitgehen und auch mit der Zeit gehen. Das muss sich auch in dem Angebot widerspiegeln, das wir als Kirchengemeinde machen.

Was ist für Sie das Besondere an dieser Kirchengemeinde?

Dass unsere Gemeinde offen ist für neue Ideen, zum Beispiel ein eigenes Kochbuch an Erntedank herauszubringen und nach dem Gottesdienst daraus gekochte Gerichte anzubieten.

Wie viele junge Menschen, die Sie konfirmieren, bleiben auch nach ihrer Konfirmation der Gemeinde verbunden?

Glücklicherweise gibt es in jedem Jahrgang einige Jugendliche, die die Juleica-Ausbildung machen und auch als Teamer bleiben. Ein sehr schönes Zeichen ist auch die dritte Konfi-Fahrt, die nach der Konfirmation stattfindet und freiwillig ist. Zwei Drittel fahren da immer mit.

Die Religion scheint heute im Alltag eine geringere Bedeutung zu haben als vor 50 Jahren. Was können Sie tun, damit Kirche nicht zum Minderheitenprogramm wird?

Eine neue Umfrage zeigt: Die Zahl der Menschen, die enger mit der Kirche verbunden sind, hat sich gewaltig vergrößert. Für mich ist das ein Qualitätsmerkmal unserer kirchlichen Arbeit. Was sich verändert hat: Vor 50 Jahren waren die christlichen Konfessionen quasi die Alleinanbieter, jetzt müssen wir mit der Konkurrenz leben. Aber das religiöse Bedürfnis ist da, das kann man an vielen Punkten belegen. Ein Beispiel sind unsere Gottesdienste „Kirche mal anders“. Das ist auch ein Mitmachgottesdienst, bei dem die Menschen selber Fürbitten aufschreiben. Das, was dabei zusammenkommt, berührt mich immer sehr, weil es sehr persönlich ist. Da geht’s wirklich um die eigene Seele - mit welchen Niederlagen man zu kämpfen hat, ob man mit Schuld zu kämpfen hat, mit Frustrationen und all diesen Dingen. Solche Themen versuchen wir aufzugreifen und den Menschen etwas mitzugeben. Da gibt es ein ganz starkes Bedürfnis. Ich vermute mal, das hängt mit unserer Stressgesellschaft zusammen: Es gibt sehr viele Anforderungen, das Leistungsprinzip steht im Vordergrund und auf der anderen Seite entsteht ein Loch. Man hat zwar Tausende von Freizeitangeboten, aber die Frage ist doch: Wo ist der Sinn? Und wo bekomme ich Kraft her?

Gemeindearbeit kostet Geld. Wie wollen Sie das Angebot auch in finanziell schwierigen Zeiten aufrecht erhalten?

Wenn wir sagen: „Gebt etwas mehr zusätzlich zur Kirchensteuer“, dann wollen die Leute dafür auch etwas sehen. Für uns heißt es, immer wieder neu um Spenden zu werben.

Der Name „Emmausgemeinde“ unterstreicht, dass Sie in der Gemeinde miteinander auf dem Weg sind. Was sind die nächsten Schritte?

Ein großer Schritt ist die Kirchenwahl im nächsten Jahr. Dann hoffen wir, dass wir bald einen neuen Jugendleiter finden. Auch die Kita-Leitung wechselt. Wenn die Stelle des Jugendleiters wieder neu besetzt ist, dann hat sich das gesamte Personalkarussell komplett in zwei Jahren gedreht. Wenn dann der neue Kirchenvorstand im Amt ist, müssen wir in der Gemeinde gemeinsam überlegen: Wie machen wir weiter? Wo wollen wir etwas anders machen, weil das Bedürfnis da ist? Wo müssen wir vielleicht auch kürzer treten, weil wir nicht mehr das Potenzial haben? Viele Dinge brauchen Zeit. Das haben wir zum Beispiel beim Trauercafé erlebt, wo der Zuspruch größer geworden ist. Auch unsere Glaubenskurse zeigen: Es gibt ein Bedürfnis, näher etwas über den christlichen Glauben zu erfahren, nicht oberlehrerhaft, sondern mit Gemeinschaft verbunden.

Was ist Ihre größte Sorge im Blick auf die Zukunft?

Was uns als Kirche Sorgen macht, ist der ist der auf uns zukommende Pfarrermangel. Wohin das führen wird, können wir an der katholischen Kirche sehen. Das führt dazu, dass ein Pfarrer viele Gemeinden betreuen muss. Dann wird er sich auf das Notwendigste beschränken müssen: Kasualhandlungen, Gottesdienste. Ob man dann noch Zeit für Gruppenarbeit und schöne Projekte hat?

Kommunionkinder und Konfirmanden 2014

Kommunionkinder und Konfirmanden des Jahres 2014

Was wünschen Sie Ihrer Gemeinde für die nächsten 50 Jahre?

Dass sich die Gemeinde ihre Offenheit bewahrt, immer wieder etwas Neues zu machen, und dass sie dabei spirituelle Tiefe hat. Das ist eine Gratwanderung: Wir öffnen uns der Kultur, wollen auch leicht verdauliche Dinge machen, aber die Menschen haben auch religiöse Bedürfnisse, und die müssen wir erfassen und darauf müssen wir tragfähige Antworten geben. Wichtig ist die gute Mischung zwischen lockeren Entenrennen und in die Tiefe gehendem Glaubenskurs. Das ist für mich echte Volkskirche - eine große Vielfalt an Angeboten, in denen sich möglichst viele Menschen wiederfinden und sagen: Schön, dass es die Emmausgemeinde gibt.

Quelle: op-online.de

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