Harald Weber sammelt historische Motoren

Wenn der alte Diesel tuckert

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Harald Weber mit seinem Kraftpaket

Jügesheim - Es rattert und riecht nach Benzin, es knallt im Verbrennungstakt – Maschinen aus dem vergangenen Jahrhundert, Motoren aus den 30-er Jahren und sogar aus der Zeit vor 1900 bringt Harald Weber zum Laufen.

Der Maschinenbauingenieur handelt nicht nur mit Kettensägen und Maschinen, sondern pflegt auch das passende Hobby: Er sammelt alte Maschinen und Motoren. Neben historischen Autos wie dem Messerschmitt-Kabinenroller oder einem altehrwürdigen Rolls-Royce besitzt Weber auch einen ganzen Maschinenpark. Darin sieht man 100 Jahre alte Zweimannsägen sowie Diesel- und Benzinmotoren aus der Landwirtschaft.

Wie kommt man zu solch einer Leidenschaft? Begeistert berichtet Harald Weber, wie interessant es für ihn sei, zu wissen, welche Gedanken sich Maschinenbauer, Leute seines Fachs, vor 100 Jahren gemacht haben und wie früher Maschinen gebaut und eingesetzt wurden.

Ein Motor aus seiner Sammlung wurde ursprünglich im Saarland in der Landwirtschaft für diverse Aufgaben verwendet. Bei drei PS verbraucht er in fünf, sechs Stunden gerade mal 1,2 Liter Benzin. Für die damalige Zeit kann man da schon fast von Energieeffizienz sprechen. Mit dem kleinen Motor speist Harald Weber zum Beispiel einen Wasserkreislauf: Wenn die Pumpe zischt und das Wasser plätschert, kann man die Nostalgie förmlich spüren.

Mit aller Kraft in die Kurbel

Richtig laut wird es allerdings erst, wenn Harald Weber seinen großen Motor mit zehn Liter Hubraum anwirft. Mit aller Kraft stemmt er sich in die Kurbel. Eine Umdrehung, zwei, drei. Das Schwungrad dreht sich, die Kolbenstange beginnt sich zu bewegen. Ein hustendes Geräusch tönt aus dem grünen Koloss. Es ruckt und ruckelt, dann läuft der Motor rund. Rauch steigt aus dem Auspuff, der wie ein Schornstein senkrecht angeordnet ist. Den Anhänger, auf dem der Motor steht, hat Weber zuvor mit Holzblöcken an den Rädern fixiert, sonst wäre er wohl weggerollt. Jeder Kolbenhub lässt den ganzen Anhänger beben. Welch eine Kraft!

Der Einzylinder-Motor aus dem Jahr 1930 ist für die damalige Zeit eine kleine technische Sensation. Er ist ein Kaltstarter mit Direkteinspritzung, muss also nicht vorgeglüht werden. Obwohl der Motor stolze zehn Liter Hubraum aufweist, ist er kein Schluckspecht: vier Liter Diesel pro Stunde, mehr nicht.

Sein schweres Schätzchen hat Harald Weber von einem Sammler in Ostdeutschland erworben. Ursprünglich diente das Kraftpaket als Hilfsantrieb einer Getreidemühle in Bautzen (Sachsen). Wenn der Mühlbach nicht genügend Wasser führte, warf der Müller den Dieselmotor an. „In vielen Betrieben hat man mit solchen Motoren die Maschinen angetrieben oder Strom erzeugt“, weiß Weber.

Die Hände voll von Schmieröl zeigt Harald Weber stolz, wie seine Maschinen funktionieren. Er bezeichnet sie als eine Art Spielzeug für Erwachsene. Ihn fasziniert die robuste Mechanik, die sich nicht hinter einer Blechverkleidung versteckt: „Es sieht schön aus, wenn man sieht, was passiert.“

Jede einzelne Maschine hat ihre eigene Geschichte - und der Sammler kennt sie alle. Er weiß auch zu erzählen, welche Maschinen früher in der Landwirtschaft benutzt wurden. Viele wüssten heutzutage gar nicht mehr, womit man sich früher den Alltag vereinfacht hat. Neben seinen Motoren besitzt Weber auch Wasserpumpen, Rübenschneider oder Bügelsägen, die allesamt funktionsfähig sind. Nicht alle Maschinen sind so gut erhalten wie der Mühlenmotor von 1930. Etliche Exemplare seiner Sammlung musste der Maschinenbauingenieur erst aufwändig restaurieren.

Gemessen an dem Zustand, den die alten Motoren vor ihrer Restaurierung hatten, ist es beeindruckend, sie in Aktion zu sehen. Auch für den Sammler sind alle Mühen vergessen, wenn er etwas von Wert, das die Zeit überdauert hat, wieder zum Laufen bringen und verwenden kann. 

sjs

Quelle: op-online.de

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