Vorurteile über Bord geworfen

Junge Argentinierin positiv überrascht von Deutschen

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Eine argentinische Fahne flattert in Jügesheim: Milo Sànchez Ramirez aus Argentinien ist auf Einladung des Rotary Clubs Rodgau zu Gast bei Elfriede und Lothar Mark. 

Jügesheim - Elf Monate lang ist die Argentinierin Milagros Sánchez Ramirez in Deutschland zu Gast. Ermöglicht wird der 17-Jährigen dieser Schüleraustausch vom Rotary Club Rodgau. Bei drei Gastfamilien in der Region wird der Teenager aus Patagonien Station machen. Von Simone Weil 

Derzeit lebt die Schülerin bei Elfriede und Lothar Mark in Jügesheim. Die Deutschen sind gar nicht so steif, unfreundlich und förmlich wie oft behauptet wird. Das hat Milagros Sanchez Ramirez, die Milo gerufen wird, sehr überrascht. Die Argentinierin staunte nicht schlecht, als sie im Januar in Rodgau eintraf. Bei ihren fastnachtbegeisterten Gasteltern Elfriede und Lothar Mark kam sie aus dem Feiern kaum mehr raus. „Sie hatte fast Muskelkater von den vielen Hellaus“, witzelt die Ersatzmama.

Tatsächlich war die Südamerikanerin begeistert von der tollen Stimmung und der guten Laune, die sie während der närrischen Hochphase erlebte. Immerhin war die 17-Jährige voller Erwartungen, aber auch voller Vorurteile nach Deutschland gekommen. Das gibt sie ganz selbstkritisch zu.

Was so gar nicht zum Bild der pünktlichen Deutschen passen will, ist die Bahn: Der Teenager fährt täglich mit der S-Bahn zur Claus-von-Stauffenbergschule in Dudenhofen und kann längst in die Klagen über Verspätungen und Ausfälle einstimmen.

Seit zwei Monaten ist die Argentinierin nun in Jügesheim und hat ihren Gasteltern unter anderem auch schon typisch argentinische Teigtaschen (Empanadas) aufgetischt. Elf Monate lang wird Milo Deutschland kennenlernen. Ermöglicht wird der Austausch (Long Term Exchange Programm) durch den Rotary Club Rodgau. Im Gegenzug sendet der RC Rodgau Charlotte Wilhelm aus Jügesheim nach Japan.

Deutschland stand gar nicht auf Milos Wunschliste. Favorisiert hatte sie Belgien, Frankreich und die Schweiz. Doch der Teenager aus dem etwa 100 000 Einwohner zählenden Trelew im Süden Argentiniens wird noch Einiges von Europa entdecken können: Drei Wochen lang ist die 17-Jährige in einer Gruppe von etwa 60 Austauschschülern unterwegs und besucht Luxemburg, Barcelona, Paris, Monaco, Rom, Wien, Budapest, Prag und weitere Städte. Im Mai geht es außerdem nach Eisenach, Weimar, Erfurt und Berlin. Dort steht außer touristischen Attraktionen und den Schwerpunkten Goethe, Schiller und Luther auch der Besuch der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald auf dem Programm.

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Die Argentinierin ist politisch interessiert und engagiert sich in ihrem Land für Frauenrechte, aber auch für die Mapuche. Das indigene Volk lebt in Argentinien und Chile und wird in seiner Existenz bedroht, weil Interesse an ihrem Land, dem Wasser oder den Araukarienwäldern besteht. Umso mehr ist die junge Frau beeindruckt, wie die vielen Flüchtlinge in Deutschland willkommen geheißen werden und vom mehrheitlich freundlichen Umgang mit ihnen.

Sprachlich macht die Schülerin bereits gute Fortschritte: Von ihrem Smartphone liest sie ab, was sie an ersten Eindrücken von ihrer Reise festgehalten hat. Milo hat vor, ein Sprach-Zertifikat des Goethe-Instituts zu erwerben, um später ein oder zwei Semester in Deutschland studieren zu können.

Ob sie Geschmack gefunden hat an hiesigen Speisen? Das Walnussbrot zum Beispiel mag sie gerne, aber auch Wurst, Schinken und Kartoffelklöße. Erstaunlich findet sie auch, dass die Qualität des Leitungswassers so gut ist, dass es direkt getrunken werden kann.

Quelle: op-online.de

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