Brutmaschine in der Grundschule

Küken im Klassenzimmer

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Ganz behutsam reichen die Erstklässler das Küken von Hand zu Hand. Jeder Flügelschlag wird aufmerksam beobachtet.

Jügesheim - Das Wunder des werdenden Lebens haben Erstklässler der Wilhelm-Busch-Schule in dieser Woche kennen gelernt. Die Klasse 1 b hat in ihrem Klassenzimmer acht Hühnereier ausgebrütet. Das erste Küken schlüpfte vor den Augen der Kinder.

In der ersten Schulstunde war es so weit: Wie von Geisterhand begann sich eines der Eier im Brutkasten zu bewegen. Ein kleines Loch in der Schale, dann ein Riss, der allmählich größer wurde. Wer die Ohren spitzte, konnte ein leises Piepsen hören. Erst nach langer Zeit brach das Ei entzwei. Das Küken war geboren - zerzaust, erschöpft, aber ein Wunder der Natur.

Das Küken war am Dienstag Gesprächsthema Nummer eins in der Grundschule. Die stolzen „Eltern“ aus der 1 b wurden von vielen Mitschülern beneidet. Als die Kinder am nächsten Morgen in den Unterricht kamen, tummelten sich schon drei der flaumigen Vögelchen unter der Wärmelampe. Ganz vorsichtig nahmen die Kinder das älteste Küken aus der Kiste, gaben es behutsam von Hand zu Hand weiter.

Drei Wochen lang hatten die Erstklässler auf diesen Tag gewartet. Schulleiterin und Klassenlehrerin Angelika Stelzer-Dasbach hatte eigens eine kleine Brutmaschine gekauft. Darin wurden die befruchteten Eier 21 Tage lang bei 37,4 Grad ausgebrütet und per Elektromotor immer wieder sanft gewendet.

Eine lehrreiche Zeit

Für die Kinder war das eine lehrreiche Zeit. „Viele hatten überhaupt keine Ahnung, dass aus so einem Ei auch ein Küken schlüpfen kann und dass man einen Hahn dazu braucht“, berichtet die Lehrerin. Das war nicht nur ein Thema im Sachunterricht, sondern auch in Deutsch (mit dem Buch „Das schönste Ei der Welt“) und im Kunstunterricht. Sogar beim Rechnen gab es Aufgaben in Form von Eiern.

„Mein Vater hat früher Hühner gezüchtet“, erzählt Stelzer-Dasbach. Mit der Küken-Idee stieß sie beim Jügesheimer Sandhof auf offene Ohren. Gesa Fischer brachte die Eier in die Schule. Auf dem Sandhof werden die Küken auch ihre neue Heimat finden. Gestern hieß es für die Kinder Abschied nehmen. Laura spricht ihren Mitschülern aus der Seele: „Ich finde es traurig, dass die Küken wegmüssen.“ Nach den Osterferien wird die ganze Klasse zum Sandhof gehen, um die Hühner zu besuchen. Ob die Kinder „ihre“ Hühner dann wohl wiedererkennen?

2000 flauschige Küken bei der Impfung

Die erste Brutaktion in der Wilhelm-Busch-Schule wird sicher nicht die letzte sein. „Die Kollegen haben alle einen solchen Spaß“, erzählt Angelika Stelzer Dasbach: „Es könnte sein, dass das ein fester Bestandteil des Sachunterrichts wird, wenn der Sandhof weiterhin mitmacht.“

Beim Ausschlüpfen der Küken haben die Erstklässler etwas fürs Leben gelernt: nicht nur mit dem Kopf, sondern mit allen Sinnen. Das Wunder Natur hat auch emotional viel in Bewegung gebracht. Beim Umgang mit den neugeborenen Küken wurden sogar „harte Jungs“ ganz weich.

Süße Flamingo-Küken im Zoo

Süße Flamingo-Kücken im Zoo

eh

Quelle: op-online.de

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