Betriebsrat will Kerry-Werk retten

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„Kerry muss in Rodgau bleiben“, riefen mehr als 60 Mitarbeiter gestern während ihrer Demonstration im Gewerbegebiet.

Jügesheim (eh) - „Kerry muss in Rodgau bleiben!“ Mit lauten Sprechchören demonstrierten gestern mehr als 60 Mitarbeiter des Gewürzherstellers Kerry Ingredients GmbH für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Sie befürchten, dass die Konzernzentrale in der irischen Stadt Tralee das Jügesheimer Werk schließen will. Gestern war in einer Betriebsversammlung erstmals nur von einer teilweisen Schließung die Rede. Demnach sollen Produktentwicklung und Qualitätssicherung in Rodgau bleiben. Von einem Erfolg mag Betriebsratsvorsitzender Nico Mallevadore nicht sprechen: „Entschieden ist noch nichts.“ Wenn 25 der 125 Arbeitsplätze erhalten blieben, bedeute das einen Verlust von 100 Stellen in Produktion und Lager. Das sei nicht hinnehmbar: „Wir haben viele Ungelernte und auch viele, die nicht gut Deutsch sprechen, für die wird es ganz schwer.“

SPD-Landesvorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel (links) im Gespräch mit dem Betriebsratsvorsitzenden Nico Mallevadore.

Im Februar hatte der Betriebsrat erfahren, dass verschiedene Standorte in Europa überprüft würden. Fast gleichzeitig wurde die Produktion von drei auf zwei Schichten heruntergefahren. Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wurden bereits Aufträge nach Polen verschoben. Kurz vor Ostern hatte der irische Unternehmenssprecher Frank Hawes auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt, dass die Rodgauer Produktion womöglich nach England oder Polen verlagert werde. Die örtliche Geschäftsleitung war auch gestern nicht zu einer Stellungnahme vor Journalisten bereit.

Zahl an Krankmeldungen nehme zu

„Das Betriebsklima ist sehr schlecht und wird von Woche zu Woche schlechter“, berichtet Betriebsratsvorsitzender Nico Mallevadore. Die Zahl an Krankmeldungen nehme zu. Das Schlimmste sei die Unsicherheit, sagt Kerry-Mitarbeiter Manuel Ahlgrimm (30), der mit seinem Arbeitslohn eine fünfköpfige Familie ernährt: „Wenn es wenigstens einen Termin gäbe, wann die Schließung ansteht, dann könnte man sich neu orientieren.“

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Für faire Arbeitsbedingungen

Mit Ideen für eine effizientere Produktion will der Betriebsrat das Werk retten. „Da ist Optimierungspotenzial drin“, sagt NGG-Regionalgeschäftsführer Peter-Martin Cox. Bis zu zehn Prozent der Arbeitszeit ließen sich einsparen. Gemeinsam mit der Technologieberatung des Deutschen Gewerkschaftsbundes entwickeln die Arbeitnehmervertreter Verbesserungsvorschläge, um die Iren zu überzeugen. „Das Problem ist, dass wir bisher nie die Entscheider am Tisch hatten“, sagt Cox. Die Geschäftsleitung in Rodgau habe offenbar wenig zu sagen.

Prominente Unterstützung

Bei ihrer dritten Demonstration seit Anfang April hatte die Kerry-Belegschaft gestern prominente Unterstützung. „Es ist nicht akzeptabel, wenn ein hoch profitables Unternehmen auf eurem Rücken versucht, noch schwärzere Zahlen zu schreiben“, rief SPD-Landesvorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel den Beschäftigten zu. Die Unterstützung der Politik müsse sich allerdings darauf beschränken, öffentliche Aufmerksamkeit für die Probleme zu schaffen.

Der Kreis Offenbach rühme sich immer als Wirtschaftsstandort der vielen Möglichkeiten, sagte Kreis- Sozialdezernent Carsten Müller (SPD): „Wir wollen auch, dass das so bleibt.“ Auch ein irisches Unternehmen müsse seine soziale Verantwortung ernst nehmen.

Quelle: op-online.de

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