Neujahrsgang

Gehen ist wichtiger als Quatschen: Neujahrstour der Grünen stößt auf großes Interesse

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„Das machen wir nächstes Jahr wieder“ - das Interesse am Neujahrsgang durch Jügesheim überraschte auch Grünen-Sprecher Werner Kremeier. 

Nach den Feiertagen wieder in Bewegung kommen und dabei im Ort nach dem Rechten sehen – mehr als 20 Rodgauer und einige Gäste aus der Nachbarschaft brachen am Samstag mit Kulturdezernent Winno Sahm zum Neujahrsgang durch Rodgau Jügesheim auf.

Rodgau – So gut, sagt Sahm, kam das Angebot der Grünen noch nie an. Dabei ist die Idee schon einige Jahre alt und folgt einem bewährten Konzept. „Das Gehen“, skizziert der ehrenamtlichen Stadtrat, „steht im Vordergrund und ist wichtiger als das Quatschen“. In der Tat legte Sahm, flankiert von einigen Vorstandsmitgliedern aus Fraktion und Ortsverband, ein zügiges Tempo vor. Immerhin knapp vier Kilometer wollten bewältigt sein, gemäß dem sportlichen Zeitplan innerhalb von zwei Stunden. Wer wacker mithielt, durfte sich im Anschluss in gemütlicher Runde aufwärmen: Im Gleis 3, der Gaststätte am S-Bahnhof, hatten die Gastgeber Plätze für den Ausklang reserviert.

Als die Wanderer dort landeten, hatten sie einiges gesehen und gelernt. Nicht zuletzt darüber, was das Unwetter im August der Natur rund um Jügesheim angetan hat. Dass es für Förster und Waldarbeiter auch nach Monaten noch jede Menge Arbeit gibt, fiel an drei von vier Stationen ins Auge – besonders rund um Schützenhaus und Tennisclub östlich der B45. Ein schwacher Trost, immerhin aber eine Chance für die Stadt beim klimagerechten Waldumbau: Nach den Sturm-Erfahrungen bekomme der Magistrat viele Angebote von privaten Waldbesitzern, die ihre Parzellen verkaufen wollen, berichtete Sahm. Solche Offerten würden im Rathaus begrüßt und, je nach Konditionen, in der Regel auch angenommen.

Auch am Wasserturm, der jetzt in ungewohnter Prägnanz vor stark gelichteter Kulisse aufragt, hatten die Zuhörer beklommen den Erklärungen des Stadtrats gelauscht. Allein auf dem Waldfriedhof nebenan musste die Stadt demnach über 70 angeschlagene Bäume entfernen oder zumindest stark stutzen lassen. Ohne größere Schäden kam dagegen der Rohbau für das stationäre Hospiz davon, das die Rotarier-Stiftung im Schatten des Wasserturms errichten lässt.

Allen Widrigkeiten zum Trotz wird die Einrichtung laut Sahm voraussichtlich früher fertig als vorgesehen und kann vielleicht schon im März in Betrieb gehen. Zwölf Pflegeplätze für unheilbar kranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase werden dann zur Verfügung stehen.

Natur pur: Der Finkensee westlich der Rodau ist ohne menschliches Zutun entstanden und heute ein Biotop.

Was die Natur fertigbringt, wenn man sie lässt, hatten die Wanderer eingangs am Finkensee westlich der hölzernen Rodau-Brücke bewundern können. Tiefer gelegen als das Bachbett, hat sich die Mulde auf einem früheren Kleingarten-Areal nach der Entfernung von Bauten und künstlichen Dämmen vor Jahren in Folge von Überschwemmung von selbst mit Wasser gefüllt. Das so entstandene Biotop ist laut Sahm jetzt das größte Schilfgebiet im Kreis Offenbach. Dass der See wieder verlandet und merklich kleiner geworden ist, regt den Stadtrat aber keineswegs weiter auf: Da sei eben die Natur am Werk.

Auch Monaten nach dem Sturm ein ungewohnter Anblick: Der Wasserturm vor stark gelichteter Waldkulisse.

Ganz und gar Menschenwerk ist dem gegenüber das ambitionierte Bauvorhaben an der Dudenhöfer Straße nahe der südlichen Ortseinfahrt. Drei große Wohnhäuser für je zehn Parteien lässt die Stadt dort errichten, bevorzugt für Mieter mit begrenzten Mitteln. Wenn alles nach Plan läuft, könnten beim nächsten Neujahrsgang laut Sahm schon die ersten Bewohner eingezogen sein – das heißt in einem knappen Jahr. Dann soll die Wanderung, bisher nicht regelmäßig im Programm, wieder stattfinden – das kündigte Grünen-Sprecher Werner Kremeier angesichts des beachtlichen Zulaufs an. Dass wieder Jügesheim erkundet wird, ist laut Sahm aber keinesfalls in Stein gemeißelt: „Wir könnten uns auch in Nieder-Roden treffen“.  

zrk

Quelle: op-online.de

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