Polizeikommissarin rettet 15-Jährigen

Selbstmörder vom Kran geholt

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Ministerpräsident Volker Bouffier zeichnete Janine Henning mit der Hessischen Rettungsmedaille aus.

Jügesheim - Mitten in der Nacht auf einen 25 Meter hohen Baukran klettern, um einen 15-Jährigen davon abzuhalten, sich umzubringen, gehört auch für die Polizei nicht zur Routine. Von Simone Weil 

Kommissarin Janine Henning aus Mühlheim bewies bei der Aktion im vergangenen Dezember nicht nur, dass sie schwindelfrei ist, sondern auch, dass sie in solch einer heiklen Situation einen einfühlsamen Ton findet. Für Courage und besonderes Verantwortungsbewusstsein ehrte Ministerpräsident Volker Bouffier sie nun mit der Hessischen Rettungsmedaille.

Weil ihr alles viel zu lange dauerte, beschloss die 25-Jährige Polizistin, selbst zu dem Teenager auf das obere Ende des Baukrans zu steigen. Ein Freund des selbstmordgefährdeten Jungen hatte die Ordnungshüter über die nächtliche Kletterei im Jügesheimer Neubaugebiet an der Allensteiner Straße informiert. Noch stützte sich der Teenager mit den Füßen auf einer Metallstrebe ab und hielt sich fest. Doch die ganze Aktion hatte sich bereits über eine Stunde hingezogen: „Es war ja kühl und ich hatte Angst, den Jungen würde irgendwann die Kraft verlassen“, erzählt die Kommissarin über den nächtlichen Rettungsversuch.

Schwierige Gefühlslage des nächtlichen Kletterers

Von unten sprach sie den Jungen an, der den Kontakt zu den anderen Rettungskräften von Polizei und Feuerwehr zunächst verweigert hatte. Wie sie es in entsprechenden Seminaren zum Umgang mit Menschen in psychischen Notlagen gelernt hatte, versuchte die junge Frau, intensiv auf den Teenager einzugehen und ganz behutsam zu sein: „Weil die Personen in solchen Situationen absolut nicht berechenbar sind, ist es besonders wichtig, ihre Wünsche zu respektieren“, erzählt Janine Henning, die seit drei Jahren auf der Polizeiwache in Heusenstamm arbeitet.

Liebeskummer, Stress mit den Eltern, ein bisschen Alkohol und die Probleme, die junge Menschen in der Pubertät sowieso reichlich haben, waren für die schwierige Gefühlslage des nächtlichen Kletterers verantwortlich. Alles in allem eine extrem schwierige Ausgangsbasis für mögliche Retter: Im Einverständnis mit dem potenziellen Selbstmörder hangelte sich die Frau stückchenweise höher und höher.

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Im Gespräch mit dem Jungen merkte die Polizistin, dass ein mütterlich-besorgter Ton bei ihm ganz gut funktionierte, wie sie sagt. Während sie immer näher kam, redete sie ihm weiter gut zu. Schließlich überzeugte sie den Teenager, immerhin schon mal in den Hauptkörper des Krans zurückzuklettern. Irgendwann hatte der Rodgauer schließlich wieder festen Boden unter den Füßen. Obwohl die dramatische Hilfsaktion sich für die Retterin wie eine Ewigkeit angefühlt hatte, hatte sie vermutlich nicht sehr viel länger als eine Stunde gedauert. Nach dem glücklichen Ausgang versuchte die Ordnungshüterin auch noch, zwischen dem Jungen und seinen inzwischen herbeigerufenen besorgten Eltern zu vermitteln, denn der Betroffene wollte zunächst nicht mit Vater und Mutter sprechen. „Vermutlich schämte er sich“, nimmt Janine Henning an.

Quelle: op-online.de

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